Gewerkschaft fordert Entlastung für Lehrer

Region  Der Kreisvorstand der GEW hat in einer Resolution auf die Mehrbelastung für Lehrer hingewiesen sich für mehr Personal und bessere Arbeitsplätze ausgesprochen. Bis September muss das Kultusministerium mehr als 5600 Stellen besetzen. Die Ausschreibung läuft.

Von Tanja Ochs

Gewerkschaft fordert Entlastung für Lehrer

Heidrun Günther-Weißbeck (links), Barbara Bürgy und Harald Schröder vom GEW-Kreisvorstand Heilbronn haben die Forderungen mit formuliert.

Foto: Tanja Ochs

Mehr Personal an Schulen, eine deutlichen Entlastung für Lehrer, und bessere Arbeitsbedingungen fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Heilbronn. Der Vorstand hat eine Resolution in allen Schulen im Schulamtsbezirk Heilbronn verteilt. Gleichzeitig soll das Schreiben an die bildungspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen übergeben werden.

"Es geht um Zukunftssicherung", sagt Sprecher Harald Schröder. Die guten Zeiten der Konjunktur seien nicht in den Schulen angekommen, dabei sei es wichtig für die Gesellschaft, dort Dinge zu verbessern.

"Die Zunahme von Tätigkeiten zusätzlich zum Unterricht belastet die Lehrkräfte und führt zu einer massiven Ausweitung der Wochenarbeitszeit", schreibt die GEW. Die Rückmeldung von ihren knapp 2000 Mitgliedern in der Stadt und im Landkreis Heilbronn sei deutlich: Die Arbeit wird schwerer, sagen die Lehrer. "Die Erziehungsaufgabe wird herausfordernder, aber die Arbeitsbedingungen haben sich nicht verbessert", erklärt Schröder.

Es muss investiert werden

Die Personalplanung sei wenig zukunftsgerichtet. Für Aufgaben wie Inklusion würden Lehrer fehlen und administrative Aufgaben viel Zeit kosten. Außerdem gebe es zu viele Studienabbrecher und wer Lehrer wird, halte selten bis zur Pensionierung durch. "Die Bildung ist gefährdet", sagt Grundschullehrerin Barbara Bürgy. Bildungsgerechtigkeit gebe es nicht zum Nulltarif, warnt der Vorstand der GEW. Man müsse in bessere Bedingungen investieren, sonst werden der Mangel zur Gewohnheit und die Qualitätseinbußen zur Normalität, fürchtet Schröder.

Gewerkschaft fordert Entlastung für Lehrer

Die Bildung sei in Gefahr, warnt die Gewerkschaft und fordert mehr Lehrer. Die "knappe Personaldecke" führe zu Unterrichtsausfall.

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Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) spricht von Planungsfehlern, die "leider in Teilen hausgemacht" seien. Ihre Berechnung sieht bis 2030 einen zusätzlichen Bedarf von 10.600 neuen Stellen an öffentlichen Schulen vor. Grundlage seien Schülerzahlen und strukturelle Veränderungen. Einzelne Elemente wie den Ausbau der Krankheitsreserve, Stellen für Inklusion oder den Ausbau von Ganztagsschulen fordert auch die GEW. Die Ministerin geht aber davon aus, dass es spätestens im Jahr 2026 einen Bewerberüberschuss sogar an Grundschulen geben wird, wo die Lücken derzeit noch am größten sind.

Maßnahmen sollen Bewerber anlocken

Aktuell läuft das landesweite Hauptausschreibeverfahren für Lehrer für das kommende Schuljahr. 5650 Stellen müssen besetzt werden. Das Kultusministerium versucht, mit verschiedenen Maßnahmen, Bewerber anzulocken. Beispielsweise können sich Gymnasiallehrer erstmals für Haupt-, Werkreal- und Realschulen bewerben. Die GEW fordert noch mehr "pragmatische Lösungen", um die Lage auch vor Ort zu verbessern. Vor allem im Schulamtsbezirk Heilbronn ist die Zahl der Bewerber traditionell gering. Neben finanziellen Verbesserungen, um die Attraktivität des Berufs zu erhöhen, soll es Qualifizierungsmöglichkeiten und unbefristete Verträge auch für Quereinsteiger geben.

Wertschätzung für Lehrer

Außerdem setzt sich die Gewerkschaft für Arbeitsplätze ein: Bereiche, in denen Lehrer Arbeiten korrigieren oder den Unterricht vorbereiten können, gibt es oft nicht. Außerdem könnten gerade in der Ganztagsschule schlechter Lärmschutz und fehlende Rückzugsmöglichkeiten zur Belastung werden. "Die Qualität des Unterrichts ist besser, wenn sich die Lehrkraft in der Schule wohlfühlt", ist sich Harald Schröder sicher. Auch das sei eine Frage der Wertschätzung.

 

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