Genossenschaft hat bei Glühwein-Test die Nase vorn

Heilbronn  Experten stellen unter Moderation einer Hochschuldozentin auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt neun Glühweine auf die Probe.

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Genossenschaft hat bei Glühwein-Test die Nase vorn

Käthchen Lisa Roth (links) und Hochschuldozentin Kristina Kramer stellen mit einem Testerteam Glühweine im Weihnachtsmarkt auf die Probe.

Foto: Dennis Mugler

Für das klassische Heißgetränk sei "das Wetter ein bisschen warm", gibt Imbiss-Dame Claudia Damerau zu verstehen. Dennoch belassen es die meisten Gäste an ihrem Stand nicht bei einem Tässchen. "Wenn eine ganze Gruppe kommt, läuft's noch besser, vor allem bei jungen Leuten." Sage und schreibe neun Glühweine probierte diese Woche in Toni Thomas uriger Almhütte auf dem Marktplatz eine elfköpfige Expertenrunde. Auf Einladung von Heilbronn Marketing GmbH (HMG) und unter Moderation von Dr. Kristina Kramer von der Hochschule Heilbronn stellten die Kenner die Glühweine von Weihnachtsmarktbeschickern auf die Probe. Laut Marktmeister Robin Frank stammen sie in der Regel aus Württemberg und der Pfalz, an einem Stand gebe es sogar mehrere selbst gemixte Tropfen.

Genossenschaft Heilbronn toppt alle

Und siehe da: Nach 90 Minuten stand die Genossenschaftskellerei Heilbronn als strahlender Sieger da. Sowohl bei den weißen als auch bei den roten rutschte ihr "Festtagsglühwein" auf Platz eins. Knapp dahinter lag der von WG-Kellermeister Arne Maier neu kreierte "Käthchen-Glühwein". Wie die weiteren Produkte abschnitten, sagt die HMG nicht, schließlich wolle man keinen Partner vor den Kopf stoßen.

Ältester Glühwein als Überraschung

Kein Geheimnis: Ein von HMG-Chef Steffen Schoch aus Sachsen eingeschmuggelte Überraschungsgast kam unter die ersten Vier und machte seinem Anspruch alle Ehre. Der "Weiss und Heiss" von Schloss Wackerbarth sei das erste mit Rezept überlieferte "wärmende Wintergetränk", schriftlich festgehalten im Dezember 1834.

Dass die Geschichte von "Würzweinen" in die Antike zurückreicht, wusste Hochschuldozentin und Sommeliere Kramer. Allerdings hätten Griechen und Römer solche mit Kräutern und Honig verbesserten Weine kalt getrunken. Erhitzter Würzwein tauchte ihres Wissens erst im 17. Jahrhundert auf. Der Begriff "Glühwein" habe gar erst 1956 in Augsburg erstmals Verwendung gefunden, zumindest auf Flaschenetiketten. Spätestens seit dem Weingesetz von 1971 sei "das Erzeugnis Glühwein definiert als aromatisiertes Getränk, welches ausschließlich aus Rotwein oder Weißwein hergestellt und hauptsächlich mit Zimt und/oder Gewürznelken gewürzt wird." Der Alkoholgehalt müsse mindestens sieben Volumenprozent betragen.

Grundwein muss gut sein

Wie der von Heilbronn über Cleebronn, Möglingen, Breisach und Ostrau/Sachsen weit herumgekommene Oenologe Wilfried Dörr bestätigte, hätten manche Winzer früher Restbestände aus dem Keller zu Glühwein verwurstelt. "Aber nur wenn der Grundwein gut ist, wird auch der Glühwein was." So nach dem Motto: "Aus einem Spatz kann man keine Nachtigall machen." Gar nicht so einfach sei es indes, die richtige Würzmischung zu finden. Bio-Winzer Christian Seybold aus Lauffen, gleichzeitig Chef der Jungwinzergruppe Wein-Im-Puls, lässt sich wie viele seiner Kollegen vom Lauffener Aromaspezialisten Vögele beraten, wobei Seybold sein Heißgetränk "Glühdrink" nennt, obwohl es wie andere Winzerglühweine aus eigenen Trauben "gebraut" ist.

Preise gehen weit auseinander

Etablierte deutsche Markenprodukte importieren ihre Grundweine meist billig aus Süd- oder Osteuropa und bieten ihre Getränke oft schon unter zwei Euro pro 0,75-Liter-Flasche an. Die Preiseinstiegsschwelle für regionalen Winzerglühwein liegt in der Regel bei drei Euro. Das zahlt man im Weihnachtsmarkt für einen 0,2-Liter-Becher plus zwei Euro Pfand. "Gar nichts" sei dies gegenüber einem edlen Champagner-Glühwein, den Kristina Kramer für 14 Euro pro 0,33 Liter auf einem Christkindlmarkt in München entdeckte.

 

Rezepttipp zum Selbermixen

Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) gibt gerne Tipps zum Selbermixen von Glühwein: Man nehme einen Liter heimischen Rotwein, süße ihn nach belieben mit Kandis oder Honig und füge eine in Scheiben geschnittene (ungespritzte) Zitrone oder Orange, vier Gewürznelken sowie eine Stange Zimt zu. Apfelstückchen verfeinern den Geschmack. Und: Wenn man liebliche oder halbtrockene Weine verwendet, muss man entsprechend weniger nachsüßen. Für weiße Glühweine ersetzt man die Nelken durch Sternanis.

Der Glühweinansatz sollte bei mittlerer Hitze erwärmt werden, ohne dass er siedet. Erstens verdampft ab 78 Grad der Geschmacksträger, die filigranen Fruchtaromen gehen verloren, mitunter wird das Getränk bitter, es könnte sogar das Zuckerabbauprodukt Hydroxymethylfurfural entstehen, das giftig ist, warnen andere Experten. Um zur vollen Entfaltung zu kommen, sollte das Ganze bei schwacher Temperatur einige Stunden ziehen.

Vor dem Servieren die Gewürze aus dem Wein entfernen und − bloß nicht zu heiß servieren. 


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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