Geld aus dem Digitalpakt kommt in der Region an

Region  Lange haben die Schulen auf das Geld gewartet, jetzt fließen die versprochenen Milliarden für die Digitalisierung vom Bund. Die Schulen müssen aber zuerst einen Medienplan erstellen, bevor sie Geld aus dem Fördertopf beantragen. Bis April haben sie dafür Zeit.

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Geld aus dem Digitalpakt kommt in der Region an

Schulen, die bereits viel Geld in die Netze und interaktive Tafeln investiert haben, können das Geld aus dem Digitalpaket nutzen, um die Schüler mit mobilen Endgeräten auszustatten.

Foto:stock.adobe.com

585 Millionen Euro stehen den Schulträgern in Baden-Württemberg zur Verfügung, verteilt wird pro Schüler. Bis April 2020 müssen die Anträge gestellt sein. Bis 2024 kann die Stadt Heilbronn dann fast 7,6 Millionen Euro abrufen, Eppingen und Neckarsulm jeweils 1,3 Millionen Euro, Öhringen eine Million Euro. Das Landratsamt Heilbronn bekommt für seine Schulen fast vier Millionen Euro, Hohenlohe für die beruflichen Schulen zwei.

Alle Schulen brauchen ein schlüssiges Digitalkonzept. "Es wird nicht wahllos Hardware gekauft", betont Andreas Meyer, Schulleiter am Heilbronner Mönchsee-Gymnasium. Er ist froh, dass der Digitalpakt endlich kommt. Dabei gehe es nicht darum, digitale Medien kritiklos im Unterricht einzusetzen, sondern eine sinnvolle Balance zu finden.

Wie es 2024 weitergeht, ist unklar

Zunächst werden Medien-Entwicklungspläne erstellt. "Wir gehen davon aus, dass das etwa ein Jahr dauert", sagt Claudia Küpper, Pressesprecherin der Stadt Heilbronn. Erst dann werde entschieden, wie das Geld verteilt wird. Ein Teil müsse sicher in die Netze gesteckt werden, sagt Meyer. "Da ist einiges zu machen." Die Schulen selbst haben bereits im Juni 50 Euro pro Schüler erhalten. Das Mönchsee-Gymnasium hat dafür I-Pads und Präsentationsgeräte bestellt. Insgesamt stehen inklusive Eigenanteil der Stadt von Bund und Land bis 2024 zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Wie es danach weitergeht, sei noch unklar, so Küpper.

Trotzdem freut sich die Stadt Öhringen über das Geld. Die 1,08 Millionen Euro helfen bei der Sanierung des Hohenlohe-Gymnasiums. "Das kommt gerade zur richtigen Zeit", erklärt Sprecher Dr. Michael Walter. "Es hilft, die Entwicklung, die schon läuft, früher und besser umzusetzen."

Ganz oben auf der Investitionsliste steht bei vielen Schulen die Netzwerkoptimierung. Erst wenn die Infrastruktur stimme, gebe es Geld für Endgeräte, zitiert der Bad Rappenauer Hauptamtsleiter Wolfgang Franke die Förderrichtlinien. In vielen Bereichen sei Grundlagenarbeit zu machen. Ziel sei es, die gesamten 600 000 Euro abzurufen. "Aber wir müssen erstmal eruieren, was die Schulen brauchen", erklärt Franke. In Künzelsau hat es zwei Veranstaltungen gegeben, um mit den Schulen das Konzept zu erarbeiten, erklärt Julia Knobel vom Hauptamt. Sie ist froh, dass nicht das Windhund-Prinzip gilt, sondern die 680.500 Euro in aller Ruhe abgerufen werden können.

Das Geld ist in vielen Schulen schon verplant

Für Kupferzell kommt das Paket fast ein bisschen spät. Die Gemeinschaftsschule ist rundum erneuert. Schon jetzt gibt es 14 interaktive Tafeln und ein leistungsfähiges Netz. Die knapp 200.000 Euro nun will Schulleiter Markus Authenrieth für mobile Endgeräte für die Schüler nutzen. In Gemmingen ist das Geld fest verplant, 200.000 Euro stehen dort zur Verfügung. "Die Ausschreibung für unsere neue Anlage läuft schon", erklärt Konrektor Christian Mair. Weil das bisherige Leasing-Modell ausläuft, will die Schule zeitnah die Gelder abrufen.

Zurückhaltender äußern sich Schulleiter in Gundelsheim und Beilstein. "Wir wollen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun", sagt Joachim Blaesse, Rektor der Horneckschule. Zuerst werde eine Bestandsaufnahme gemacht. "Wir sind schon gut aufgestellt", so Blaesse. Sehr gute ausgestattet ist auch das Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein. Trotzdem werde man im November im Gemeinderat den Medienplan vorstellen, erklärt Direktor Jochen Bär. Die Schule brauche einen dritten Computerraum. Bär weiß allerdings, dass die Digitalisierung in seiner Schule gerade nicht auf höchster Dringlichkeit steht: "Die Sanierung hat Priorität."


Yvonne Tschwerwitschke

Yvonne Tscherwitschke

Autorin

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

Tanja Ochs

Tanja Ochs

Autorin

Tanja Ochs arbeitet seit 2000 bei der Heilbronner Stimme und hat lange als Lokalredakteurin für die Kraichgau Stimme geschrieben. Seit 2019 ist sie Teamleiterin im Bereich Familie, Kinder und Bildung. Außerdem kümmert sie sich als Vorsitzende des Vereins Menschen in Not um die Sozialaktion des Medienunternehmens.

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