Gefährliche Chemikalien in Waldwegen

Zaberfeld/Beilstein  Bei Kontrolluntersuchungen in Zaberfeld und Beilstein werden in Recyclingmaterial, das in Waldwege eingebaut wurde, viel zu hohe Werte festgestellt. Woher die Kontaminationen durch PAK und PCB stammen, kann niemand erklären. Naturschützer befürchten eine hohe Dunkelziffer.

Von Reto Bosch

Die gefundenen Schadstoffe könnten die Spitze des Eisbergs sein - in der Region und im ganzen Land. Foto: dpa  

Recylingmaterial, das in Waldwege in Zaberfeld und Beilstein eingebaut worden ist, enthält gefährliche Schadstoffe. Das erklärte das Heilbronner Landratsamt gegenüber dieser Redaktion. Bei Kontrollgrabungen wurden Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Polychlorierte Biphenyle (PCB) entdeckt. Die Funde könnten die Spitze des Eisbergs sein - in der Region und im ganzen Land.

Keine Hinweise, dass Vorschriften missachtet wurden

Die Kreisbehörde geht nicht davon aus, dass die beteiligten Recyclingfirmen Vorschriften missachtet haben. "Die Abläufe waren ordnungsgemäß", sagte Vize-Landrat Lutz Mai. Warum es zu den Verunreinigungen gekommen ist, sei unklar. In Zaberfeld zum Beispiel seien PAK-Grenzwerte teilweise um das Siebenfache überschritten: 71 statt der erlaubten zehn Milligramm pro Kilogramm. Auf insgesamt 150 Metern müssen in Zaberfeld und Beilstein Waldwege neu gebaut werden. Das Aushubmaterial ist auf einer Deponie zu entsorgen. "Die Kosten tragen die Firmen, diese sind sehr kooperativ", versicherte Lutz Mai.

Chemikalien wurden bei Kontrollgrabungen festgestellt

Der Umweltverband BUND befürchtet eine hohe Dunkelziffer. Zumal die neuen Forstwege nur deshalb kontrolliert worden sind, weil Naturschützer beklagt hatten, dass zu viel Fremdmaterial wie Metall oder Kunststoff im Wald gelandet sind. PAK und PCB waren zunächst gar kein Thema. Nach Ansicht des BUND ist es völlig offen, ob auch beim Bau anderer Waldwege belastetetes Material verwendet worden ist. Das gelte für die Region Heilbronn, aber auch für ganze Baden-Württemberg. Nach Ansicht von Jürgen Hellgardt, Vorsitzender des BUND-Kreisverbands Heilbronn, müssen die Vorschriften deutlich verschärft werden. Gottfried May-Stürmer vom BUND-Landesverband fordert, das Überwachungssystem zu verändern, notwendig seien unangemeldete Kontrollen. Derzeit ziehen zertifizierte Unternehmen selbst Proben und lassen diese untersuchen. "So lange kein sicherer Umgang garantiert ist, lehnen wir die Verwendung von Recyclingmaterialien für Waldwege ab", erklärte May-Stürmer.

Umweltministerium sieht keinen Handlungsbedarf

Ist das bisherige Verfahren sicher genug? Lutz Mai: "Offensichtlich ist nicht sichergestellt, dass gefährliche Stoffe nicht im Wald landen." Das Landratsamt habe das Umweltministerium in Stuttgart über die Probleme informiert. Dort sehen die Verantwortlichen aber keinen Anlass, zu handeln. "Wir bewerten die geltende Rechtslage als ausreichend und angemessen. Sie hat sich bewährt und gewährleistet bis auf wenige Ausnahmen bewussten Fehlverhaltens ein sehr hohes Schutzniveau", sagte eine Ministeriumssprecherin dieser Redaktion. In den beiden Fällen Zaberfeld und Beilstein werfe man den Recyclingunternehmen aber kein kriminelles Verhalten vor. Das Ministerium sieht auch keinen Grund, das Vorgehen der Behörden zu verändern.

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Derzeit gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen für den Umgang mit Recyclingbaustoffen. Der Bund arbeitet an der Ersatzbaustoffverordnung, die einheitliches Recht schaffen soll. Das Landesumweltministerium sieht darin einen sinnvollen Schritt hin zu mehr Sicherheit. Der BUND-Bundesverband ist skeptisch. Der Entwurf der Verordnung stelle eine schadlose Verwertung nicht durchgängig sicher. Unter anderem fordert der BUND niedrigere Grenzwerte für gefährliche Chemikalien.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) können in teerhaltigen Produkten enthalten sein. PCB (Polychlorierte Biphenyle) kommen in Fugendichtungen vor. Naturschützer befürchten, dass die Stoffe aus Waldwegen ausgewaschen werden und im Grundwasser landen. Einige PAK sind krebserzeugend. Zudem besteht die die Möglichkeit der Fruchtschädigung oder der Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit.