Gedenkfeier mit klaren Worten gegen Nazis und Gewalt

Heilbronn  Eindrucksvolle Gedenkfeier zur Zerstörung Heilbronns vor 74 Jahren. OB Harry Mergel und zwei Pfarrer finden deutliche Worte gegen Gewalt, Nationalismus und Ausgrenzung.

Von Kilian Krauth

Gedenkfeier mit klaren Worten gegen Nazis und Gewalt

Der Posaunenchor Heilbronn und der Gesangverein Urbanus umrahmten die Gedenkfeier im Köpfertal musikalisch. Azubis trugen ihre Wünsche vor, namentlich (v. li.) Dennis Schwamberger, Walat Hammo, Lisa Steinmetz, Helin Aydin.

Foto: Christiana Kunz

 

Wir müssen die Erinnerung an diese infernalische Nacht wachhalten, um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt." Und: "Der Zweite Weltkrieg zeigte, wohin blinder Nationalismus führt."

Dies betonte am Dienstag bei der Gedenkfeier zur Zerstörung Heilbronns am 4. Dezember 1944 Oberbürgermeister Harry Mergel. Begleitet von Nieselregen, Chorälen, Reden, Wünschen und Fürbitten gedachten 300 Menschen, darunter auffallend viele junge, der Opfer des Bombenangriffs.

Hitler-Deutschland als Ursprung

Allen voran mahnte der OB, dass die Bombardierung Heilbronns ihren Ursprung im menschenverachtenden Hitler-Regime habe, dem sich Deutschland "zugewandt und untergeordnet" hatte und das schließlich Zerstörung und Tod für ganz Europa brachte. Krieg, Intoleranz und Ausgrenzung seien bis heute "ansteckend wie eine Krankheit" und forderten weiterhin tagtäglich Opfer, sagte Mergel.

Weltoffen, tolerant, friedfertig

Dass es aber auch anders und besser gehe, zeige sich daran, wie Deutschland, wie Heilbronn nach den Nazi-Jahren die Chancen nutzte und weltoffener, toleranter und friedfertiger wurde. "Heute leben in unserer Stadt Menschen aus über 150 Nationen zusammen, nicht immer ohne Konflikte, aber im Dialog miteinander. So kann es funktionieren", meinte Mergel. Wenn der Tod so vieler Menschen irgendeinen Sinn habe, dann diesen: Sich mit aller Entschiedenheit für ein friedvolles Miteinander einzusetzen und sich jenen in den Weg zu stellen, die ein friedvolles Miteinander stören.

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Was heute zu tun ist

Als zweiter Hauptredner war eigentlich der neue evangelische Dekan Christoph Baisch vorgesehen, wegen Bandscheibenproblemen musste er jedoch kurzfristig absagen, weshalb Pfarrerin Gunhild Riemenschneider seine Rede vortrug. Baisch kommt dabei über vier Gedankenschritte - das Erinnern an das Leid, das Staunen über den Wiederaufbau, die Dankbarkeit für für Friede und Vielfalt, das Mitgefühl für Opfer und Flüchtlinge - zu der Frage: "Was ist heute zu tun?"

Was, damit Sorgen und Ärger so aufgegriffen werden, dass sie nicht umschlagen in eine Stimmung, die Gewalt und Zerstörung mit sich bringt? Was, um das Leid der Kriege politisch zu verhindern - "und humanitär da zu sein, wo solches Leid andere quält?" Wegweiser, so Baisch, könne die christliche Botschaft sein, gerade im Advent.

Gegen aufkeimende Menschenverachtung

Bevor er zum Vaterunser-Gebet und zum Mitsingen der Strophe "Oh wohl dem Land, oh wohl der Stadt" animierte, bat der katholische Pfarrer Roland Rossnagel in seinen Fürbitten, "aus diesen schmerzvollen Erfahrungen den Anfängen aller neu aufkeimenden Menschenverachtung zu wehren: hier in unserer wohnlichen Stadt, in unserem schönen Land und auf unserer kostbaren Erde". Gott möge Menschfreundlichkeit in die Herzen legen, damit die Bürger Heilbronns freundlich und entschlossen auf jene zugehen, die sich allein nicht zurechtfinden, weil sie neu sind, zu Gast oder hierher vor Krieg und Armut geflüchtet sind. So wie zum Beispiel Walat Hammo aus Syrien.

Azubis äußern Wünsche

Hammo ist heute Auszubildender in der Heilbronner Stadtverwaltung. Er trug gestern zusammen mit Helin Aydin, Dennis Schwamberger und Lisa Steinmetz am Mikrofon seine Zukunftswünsche vor: Friede, Toleranz, Nächstenliebe, damit es in vielen Städten seiner Heimat nicht länger so aussehe, wie vor 74 Jahren in Heilbronn.

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Die Heilbronner Stimme hat die Zerstörung Heilbronns in der Bombennacht des 4. Dezember multimedial nacherzählt. Zur interaktiven Video-Reportage "Operation Sawfish" gelangen Sie hier.