Gedenken an NS-Brandanschlag auf Heilbronner Synagoge

Heilbronn  Gut 200 Teilnehmer erinnern an den NS-Brandanschlag auf die Synagoge an der Allee vor 81 Jahren. OB Harry Mergel bekundet tiefe Scham und fordert zum Einsatz gegen Hass und Gewalt auf. Die Sprecherin der Jüdischen Gemeinde dankt in bewegenden Worten für aktuelle Zeichen der Hoffnung.

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81 Jahre nach dem NS-Brandanschlag auf die Synagoge an der Allee erinnern die Heilbronner an die Reichspogromnacht. Foto: Mario Berger

Mit einer emotional-bewegenden Gedenkfeier haben gut 200 Menschen am Samstagabend am Synagogenstein an der Allee an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 erinnert. In der Nacht, in der im Dritten Reich 267 Synagogen brannten, wurde auch das jüdische Gotteshaus an der Allee ein Opfer der Flammen.

Dieser Tag stecke „wie ein Stachel im Fleisch“, sagte Oberbürgermeister Harry Mergel auf der Veranstaltung unter dem Motto „Wider das Vergessen“. Auch acht Jahrzehnte später „erfüllt uns diese Gewalt noch mit tiefer Scham“. Man wolle die Erinnerung wachhalten und mahnen, die Werte von Toleranz, Weltoffenheit und Demokratie zu verteidigen. Man wolle dafür einstehen, dass Hass und Gewalt „in unserer Stadt keinen Platz haben“.

Fester Teil der Heilbronner Erinnerungskultur

Dieses Gedenken soll nach Mergels Worten ein fester Teil der Heilbronner Erinnerungskultur bleiben. Man wolle deutlich machen, „dass wir in Heilbronn nicht nur Opfer, sondern auch Täter waren“.

In der vom Posaunenchor Horkheim und Bläsern aus dem Kirchenbezirk umrahmten Gedenkstunde stufte St.-Augustinus-Pfarrer Markus Pfeiffer das historische Datum als „furchtbar unmenschliche Nacht“ ein. Wie Christen damals einerseits Gottesdienste feiern konnten und dann eine „furchtbare Judenhetze“ betrieben, die in den Holocaust mündete, mache ihn sprachlos. Wenn so etwas passiere, dann „müssen wir aufschreien, anprangern und unsere Stimme dagegen erheben“. Auch heute, sagte Pfeiffer, hätten viele Menschen „aus der Geschichte offenbar nichts gelernt“.

Positive, mitfühlende Briefe nach der Tat von Halle haben jüdischer Gemeinde gut getan

Der bewegendste Moment der Gedenkfeier: Avital Toren, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Heilbronn, blickte auf den Abend zurück, als sie vom Gewaltanschlag auf die jüdische Synagoge in Halle erfuhr. „Es war für uns sehr schlimm. Viele hatten Angst.“ Doch dann habe sie viele positive Briefe und Anrufe erhalten von Heilbronnern, die verdeutlichten, „dass sie hinter uns stehen“.

Das habe es wieder etwas leichter gemacht „und uns allen sehr gut getan“, sprach sie ihren Dank aus. Und dass an diesem Abend gut 200 Heilbronner zu dem Gedenken erschienen sind, wertete Toren ebenfalls als „gutes Zeichen“.

Stolpersteine erinnern an jüdische Heilbronner, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden

DGB-Regionssekretärin Silke Ortwein und OB Harry Mergel entrollten Schleifen an zwei Gedenkkränzen an der Allee. Zuvor hatte der frühere Pfarrer Günter Spengler rund 35 Teilnehmer zu acht Stolpersteinen in der Innenstadt geführt. Sie erinnern an jüdische Heilbronner, die im Dritten Reich deportiert und ermordet worden waren. In der Gymnasiumstraße verwies Spengler unter anderem auf Max Strauss, der in Höhe der heutigen Kreissparkasse den Brauereigasthof Adlerkeller führte. Nach der Reichspogromnacht sei das jüdische Gemeindeleben in kurzer Zeit zerstört worden, mahnte er.


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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