Ganz Talheim im närrischen Ausnahmezustand

Talheim  15.000 Gäste säumen beim 50. Talheimer Faschingsumzug die Straßen. 75 Gruppen mit 3700 Aktiven aus dem Unterland, Hessen, der Alb und dem Schwarzwald eröffnen ein Panoptikum der Fastnachtsbräuche.

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Sonntagnachmittag war Talheim fest im Griff der Faschingsgruppen. Es war ein Umzug der Superlative, und das lag nicht nur am beinahe schon frühsommerlichen Wetter. 15 000 Gäste und 3700 Aktive, schätzen die Veranstalter, haben sich in den Ort an der Schozach begeben.

Die Straßen waren auf der gesamten Strecke proppenvoll mit bunt kostümierten und geschminkten Menschen sowie geschmückten Fahrzeugen.

Schlenker führte über die Sonnenstraße

Ort im närrischen Ausnahmezustand

Von allen guten Geistern verlassen: Ministranten der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus ziehen mit Spukgestalten durch Talheims Straßen.

Fotos: Mario Berger

Die Route führte von der Landturmstraße auf die Hauptstraße. An der Kreuzung Hauptstraße/Bahnhofstraße machte der Tross noch einen Schlenker über die Sonnenstraße und Schozacher Straße. Auf der Kreuzung Hauptstraße/Bahnhofstraße begegneten sich zwei Stränge des Trosses in gegenläufiger Fließrichtung.

Hier war der Hotspot des Umzugs und hier war auch das Podest aufgebaut. Der Vorsitzende des Talheimer Carnevalsvereins (TCV), Siegfried Grasi, kommentierte von der erhobenen Warte aus, neben ihm saß Zugmarschall Thomas Jäger, der den Umzug organisiert hatte.

Auf dem Podest ließ sich das Prinzenpaar "Prinz Markus II von Land und Technik" mit "Prinzessin Corinna I von Gesundheit und Abenteuer" huldigen.

Gastgeber glänzten mit 150 Aktiven

Der gastgebende TCV war allein schon mit gut 150 Aktiven auf der Straße. Angeführt vom Prinzenpaar und dem Präsidium folgte ein Dutzend weiterer TCV-Formationen.

Das Infanterieregiment Alt Württemberg hatte den Beginn des Umzugs mit Böllerschüssen aus einer Kanone eingeläutet.

Ort im närrischen Ausnahmezustand
"Prinz Markus II von Land und Technik" und "Prinzessin Corinna I von Gesundheit und Abenteuer" feiern mit den Bürgern.

Etwa 70 Gruppen mit 3700 Aktiven waren nach Talheim angereist. Reisebusse säumten an der Sontheimer Straße, die ab dem Abzweig Gewerbegebiet Schmalzberg abgesperrt war, die Straßenränder.

Viele Besucher sind weit angereist

Die Besucher kamen aus allen Faschingsorten des Unterlands, aber auch von weiter her: zum Beispiel aus dem Hessischen, aus dem Schwarzwald, der Alb und aus dem Bodenseegebiet. So wurde der Talheimer Umzug zu einem Panoptikum der Fastnachtstraditionen: Die rheinisch-angehauchte Variante war durch die Funkenmariechen vertreten, Hexen mit handgeschnitzten Holzmasken und Guggenmusiker waren Botschafter der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.

Die Stimmung ist ausgelassen

Die Stimmung unter Aktiven und Zuschauern war ausgelassen. Vergnügt betrachtete Daniela Oppl aus Flein mit ihren Freundinnen Alexandra Kögel aus Talheim und Tanja Hesser aus Flein das Geschehen. Seit 18 Jahren kommt das Trio zum Umzug nach Talheim. "Wir haben nie einen Termin ausgelassen", erzählt Daniela Oppl.

Ort im närrischen Ausnahmezustand

Proppenvolle Straßen: Rund 15 000 Zuschauer verfolgen das närrische Treiben.

An Marions Lounge, deren Garage kurzerhand zur Getränke-Verkaufsstelle umfunktioniert worden war, konnte man sich den Umzug ohne Gedränge anschauen. Annette Köberlin und Kai Albanese waren aus Böckingen gekommen. Als Kind hatte Annette Köberlin selbst den Umzug erlebt. Jetzt schließt sich mit Sohn Jonathan (2) der Kreis. "Unser Sohn ist heute das erste Mal mit von der Partie", berichtet die Mutter.

Faschings-Urgesteine und jüngste Garden

Zu den Urgesteinen des Talheimer Faschingsumzugs zählt die Gruppe "Die mit dem Volk tanzen" aus Bad Friedrichshall. "Wir nehmen seit mehr als 30 Jahren an dieser Veranstaltung teil, und zwar jedes Jahr mit einem neuen Kostüm", berichtet Viktoria Halter, Mitglied der Gruppe.

Der Talheimer Carnevalsverein (TCV) wurde 1969 gegründet. Der diesjährige Umzug ist der 50., den der Verein organisiert hat. Rund 150 Aktive sowie etwa 50 Helfer (Traktoristen, Küchenhelfer, Auf- und Abbauer, ) unterstützen die Aktiven.

Die jüngste Formation ist die Kückengarde. Außerdem gibt es unter anderem: Rote Funken, Prinzengarde, Prinzenmietzen, Burgstrahler sowie Tanzmariechen. Die Vereinsadresse ist Egerten 21.

 
 
 

Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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