Gärtner wappnen sich gegen den Gurkenvirus

Region  Seit der aggressive Gurken-Virus CABYV vor wenigen Wochen erstmals in Deutschland wissenschaftlich nachgewiesen wurde, bereiten sich die Gemüseanbauer im Raum Heilbronn auf ein Übergreifen der Pflanzenkrankheit vor.

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Von grün bis gelb: Stadien der Blattverfärbung durch den Gurkenvirus CABYV Foto: Wulf Menzel, Leibniz-Institut Braunschweig

Das Kürzel CABYV steht für "Cucurbit aphid-borne yellows virus". Aphid-borne heißt, dass der Virus durch Blattläuse übertragen wird. Er sorgt für einen Verlust an Chlorophyll im Blattwerk und so für ein Verwelken der Pflanze. Noch ist der ursprünglich aus Südeuropa stammende Virus ausschließlich in Bayern nachgewiesen worden. Die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen am Leibniz-Institut in Braunschweig, die mit dem Nachweis jetzt an die Öffentlichkeit ging, geht allerdings von einer weiteren Verbreitung der Pflanzenkrankheit aus. Für die Gemüseanbauer bitter: Bei Gurken und Zucchini kann es laut Leibniz-Institut zu Ernteverlusten von 50 Prozent kommen. Betroffen sind neben Gurken auch Zucchini, Kürbis und Melonen.

Warnung kommt per Mail

In Heilbronn kümmert sich ein Verein, in dem rund 130 professionelle Anbauer aus dem Großraum organisiert sind, um zeitnahen Informations- und Erfahrungsaustausch in vielen Fragen des Nutzpflanzenanbaus: Wie Julia Böhringer vom Gartenbaulichen Beratungsdienst für integrierten Gemüsebau in Heilbronn mitteilt, sind die Mitglieder an einen Warndienst des Netzwerks angebunden. Die Landwirte erhalten per E-Mail Risikoanalysen, so auch in Sachen CABYV. Der Verein, der von wissenschaftlicher Seite unter anderem mit dem Julius-Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) - kooperiert, berät Anbauer auch in Sachen Prävention und Schadensbegrenzung.

Im Fall der Gurken-Viren sei der Einsatz von Nützlingen möglich. Dazu zählen Schlupfwespen. Die ernähren sich unter anderem von Blattläusen und bekämpfen den Wirt der Viren auf natürliche Weise, so die Beraterin.

Für die Praktiker in der Region ist der aggressive Gurken-Virus eine Herausforderung, doch es gibt Erfahrungen mit anderen Virentypen. Seit etwa zehn Jahren gibt es in der Region den "Zucchini yellow mosaic virus" (ZYNV), der ähnlich wie CABYV für eine charakteristische Vergilbung der Blätter und somit für gedrosselte Erträge sorgt.

Virus leicht zu erkennen

Im Betrieb von Günter Hekler in Bad Friedrichshall, der für den Konservenhersteller Hengstenberg Einlegegurken anbaut, ist das Problem mit Viren zuletzt vor drei Jahren aufgetreten. "Die betroffenen Pflanzen erkennt man sehr gut, man kann sie effektiv entfernen", so der erfahrene Gurkenbauer. Der Gurken-Virus verbreite sich im Freiland-Betrieb nicht so leicht. In den geschlossenen Kreisläufen der Gewächshäuser, zumal bei Verwendung von Erde als Pflanzgrundlage, habe der Virus leichteres Spiel.

Ähnlich schätzt die Firma Hengstenberg die Situation ein. "CABYV wurde im Gewächshaus bei Schlangengurken entdeckt. Im Freilandbereich ist er nicht bekannt", teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Auch den Vertragslandwirten sei dieser - in Deutschland neue - Gurken-Virus nicht bekannt und kein Thema. "Eine gute Kulturführung, die richtige Sortenauswahl sowie die Bekämpfung von Schädlingen sind wichtig, um Virus-Infektionen zu verhindern."

Im Sommer zu heiß für ein Netz

Thomas Büchele, Vereinsmitglied sowie Gemüseanbauer und Direktvermarkter in Heilbronn, zieht mehrere Gurkensorten im Gewächshaus. 2004 habe es einen massiven Ernteausfall wegen Virenbefalls gegeben. Deshalb hält sich der Gärtner über Methoden der Vorbeugung auf dem Laufenden. Alle Öffnungen des Gewächshauses mit engmaschigen Netzen gegen einfliegende Insekten zu sichern, sei eine theoretische Möglichkeit, im Sommer sei dies jedoch wegen der unerträglichen Temperaturen im Gewächshaus nicht praktikabel. In jedem Falle angeraten sei verstärkte Aufmerksamkeit bei der Pflanzenhygiene, um Infektionen vorzubeugen.

Die größten Hoffnungen setzt der Gärtner auf neue Züchtungen, die eine größere Resistenz gegen Viren aufweisen, dabei jedoch ertragsstark bleiben.

 

Expertenrat

Der Gartenbauliche Beratungsdienst für integrierten Gemüsebau Heilbronn ist ein eingetragener Verein, der 1989 gegründet wurde. Es werden über 130 Mitglieder mit insgesamt über 2000 Hektar Gemüsebaufläche in Württemberg und Nordbaden betreut. Die Anbauberatung umfasst sowohl Freilandkulturen als auch den geschützten-Anbau. Alle Berater qualifizieren sich jährlich fachlich, rechtlich und methodisch an verschiedenen Institutionen weiter. Nähere Infos unter beratungsdienst-hn.de


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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