GKN-Tunnel brauchen neue Genehmigung

Neckarwestheim  Die Betriebserlaubnis für das unterirdische Zwischenlager läuft 2046 aus. Aber bis dahin wird kein Endlager für hochradioaktive Stoffe verfügbar sein.

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GKN-Tunnel brauchen neue Genehmigung

In den beiden unterirdischen Stollen auf dem GKN-Gelände stehen 83 Castoren mit hochradioaktiven Brennelementen. 15 davon stammen aus Obrigheim. Die Behälter können rund 100 Grad heiß werden. Foto: Archiv/Veigel

Die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) muss die beiden unterirdischen Tunnel auf dem GKN-Gelände neu genehmigen lassen. Denn: Die Betriebserlaubnis für das atomare Zwischenlager und für einen Teil der Castor-Behälter läuft im Jahr 2046 aus.

Die BGZ rechnet damit, dass das Verfahren acht Jahre in Anspruch nehmen wird. Derzeit stehen in den beiden unterirdischen Stollen 83 Castoren mit hochradioaktiven Brennelementen.

GKN-Zwischenlager ist 2006 in Betrieb gegangen

Anfang des Jahres hat die BGZ - eine Gesellschaft des Bundes - die Verantwortung für das Zwischenlager und einen Teil der Mitarbeiter von der EnBW übernommen. Lager und einige Castoren sind in Neckarwestheim 2006 in Betrieb gegangenen - mit einer Genehmigung für 40 Jahre. Da noch immer kein Endlager für hochradioaktive Abfälle in Sicht ist, steht fest: Die Behälter werden sehr viel länger in Neckarwestheim bleiben als ursprünglich gedacht. "Unsere Planungen laufen schon", sagte Dr. Ewold Seeba am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung in der Reblandhalle. Früher braucht die BGZ Lösungen für Gorleben (2034) und Ahaus (2036).

Inzwischen ist klar, dass die BGZ keine Verlängerung der bestehenden Genehmigungen beantragen kann, sondern so vorgehen muss, als würde sie die Lager neu errichten. "Die Prüfdichte wird wie bei einem Neubau sein", erklärt Pressesprecher Burghard Rosen. Stellt sich die Frage, welche Laufzeit der Antrag vorsieht.

Bis 2051 soll es ein Endlager geben - sagt das Gesetz.

Ewold Seeba verweist auf die Gesetzeslage. Diese sieht vor, dass bis 2031 ein Standort ausgewählt ist und ein Endlager 2051 in Betrieb geht. Nur, an diesem ambitionierten Zeitplan zweifeln viele Fachleute. Und die Standortbürgermeister sowieso. Jochen Winkler (Neckarwestheim): "Ich bin da sehr skeptisch. Bisher sind alle Fristen gerissen worden." Er fürchtet unter anderem Widerstände in den betroffenen Regionen. Einen Vorgeschmack werde das kommende Jahr geben. Dann lichtsen sich auch aus geologischen Gründen die Reihen der in Frage kommenden Regionen oder Bundesländer. Wie reagieren wohl die verbliebenen Gebiete auf die Vorauswahl? Jedenfalls kann niemand sagen, wann der letzte Castor die unterirdischen Stollen auf dem GKN-Gelände verlässt.

Der Zuständigkeitsbereich der Bundesgesellschaft wird weiter wachsen. Ab 2020 verantwortet sie auch das Neckarwestheimer Standortzwischenlager (SAL) für schwach- und mittelradioaktive Stoffe. "Dann kommen sechs weitere Arbeitsplätze hinzu", sagt Standortleiter Wolfgang Arnold. Derzeit kümmern sich acht Beschäftigte um die beiden Tunnel. Er selbst kennt die Anlage bestens, arbeitete früher schon für die EnBW.

Standortzwischenlager wechselt ebenfalls in die Verantwortung der BGZ

Mit Schacht Konrad bei Salzgitter gibt es ein Endlager für dieses schwach- und mittelstark strahlende Material, von dem vor allem beim Rückbau große Mengen anfallen. Nach mehreren Verschiebungen soll die Anlage 2027 in Betrieb gehen. Dann könnte sich das Neckarwestheimer SAL nach und nach leeren. Wie lange das dauert? Unklar. Noch ist nicht definiert, in welcher Reihenfolge die Abfälle angeliefert werden können. Schneller könnte es gehen, wenn sich um Umfeld von Salzgitter ein zentrales Bereitstellungslager verwirklichen ließe. Aber auch das gibt es noch nicht.

Die Resonanz auf das Gesprächsangebot der BGZ fiel am Donnerstagabend sehr verhalten aus. Nur etwa ein Dutzend Besucher waren in die Reblandhalle gekommen. Fragen kamen beispielsweise zur Sicherheit des atomaren Zwischenlagers auf. Burghard Rosen erklärte: Kernelement des Sicherheitskonzepts seien die mehr als 100 Tonnen schweren Castor-Behälter, die Strahlung zurückhalten, Druck, Hitze und Wassereinbrüchen widerstehen. Trotzdem: Auch sie brauchen ab 2046 neue Genehmigungen.


Kommentar: Versagen

Wann steht ein Endlager für hochradioaktive Abfälle zur Verfügung? 2051 − sagt das Gesetz. Viel später − sagen manche Experten und die aus den Erfahrungen der Vergangenheit genährte Skepsis. Wann geht Schacht Konrad für schwach- und mittelradioaktives Material in Betrieb? 2027 heißt es − auch hier ist Misstrauen angebracht, zu oft wurde der Start dieses Lagers schon verschoben. Mit diesem Versagen auf Bundesebene müssen Standortkommunen wie Neckarwestheim umgehen.

Natürlich haben die Städte und Gemeinden an den Atomkraftwerken prächtig verdient, die Gewerbesteuern überschwemmten die kommunalen Kassen. Doch dass über so viele Jahrzehnte hinweg hochgefährliches Material auf ihrer Gemarkung lagert, war nicht Grundlage der ursprünglichen Vereinbarungen.

Im Jahr 2006 hat die EnBW die ersten Castoren in die GKN-Tunnel gestellt. Von da an lief die Uhr rückwärts, für Lager und Behälter: Die Betriebsgenehmigung gilt für 40 Jahre. Doch was passiert, wenn diese 2046 ausläuft? Klar ist nun, dass die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung nicht die bestehende Erlaubnis verlängern will, sondern eine komplett neue Genehmigung beantragen wird. Damit dürfte sichergestellt sein, dass in dem acht Jahre dauernden Verfahren gründlich geprüft und gerechnet wird. Eines Tages stehen mehr als 130 Behälter in den GKN-Tunneln. Wie lange, weiß niemand. Aber sicher muss es sein.


Reto Bosch

Reto Bosch

Stv. Regionalchef, Leiter Landkreis

Reto Bosch arbeitet seit 2000 für die Stimme. Gemeinsam mit seinem Team sucht er nach spannenden regionalen Themen. Kommunalpolitik, Agrarthemen, Atomkraft und Umweltschutz hat er besonders im Blick. 

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