Fukushima-Aktionsprogramm für GKN umgesetzt

Neckarwestheim  Von der ausgeweiteten Notstromversorgung bis zur Erstellung neuer Betriebshandbücher: Acht Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Japan sind die geplanten Verbesserungen von GKN-Sicherheitseinrichtungen abgeschlossen. Atomkraftgegnern reicht das nicht.

Von Reto Bosch

Fukushima-Aktionsprogramm für GKN umgesetzt

Der Leitstand im Atomkraftwerk in Fukushima nach dem Erdbeben: Der Betreiber verlor die Kontrolle über die Anlagen.

Foto: Archiv/Tepco

Ein Erdbeben löste die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima aus. Und von diesem Super-Gau gingen Schockwellen aus, die auch Neckarwestheim erreichten. Die Bundesregierung beschloss den Atomausstieg, GKN I ging 2011 vom Netz.

Um die Sicherheit der Kernkraftwerke im Land zu erhöhen, ließ das Umweltministerium einen Aktionsplan erarbeiten. Nach Angaben der Behörde sind inzwischen alle 120 Punkte umgesetzt. Atomkraftgegnern reicht das aber nicht aus.

Risiko einer Kernschmelze soll minimiert werden

Als 1986 das Kernkraftwerk GKN II ans Netz gegangen ist, rechnete niemand damit, dass der Reaktor wegen eines Atomunfalls seinen Betrieb früher einstellen muss. Ende 2022 soll die Anlage das letzte Mal Strom produzieren. "Bis dahin arbeitet die Atomaufsicht daran, das Risiko einer Kernschmelze soweit wie möglich zu minimieren", sagt Umweltminister Franz Untersteller (Grüne).

Baden-Württemberg hatte 2012 einen sogenannten Fukushima-Aktionsplan aufgelegt. "Die 120 Empfehlungen für die vier Kernkraftwerke im Land wurden inzwischen komplett umgesetzt", erklärt Untersteller. Diese stammen unter anderem von Experten der Reaktorsicherheitskommission.

Verbesserungen in unterschiedlichem Tempo umgesetzt

Ein Teil der Verbesserungen wurde kurzfristig realisiert, bei anderen, weniger dringlichen, dauerte es Jahre. Der Aktionsplan für GKN II wurde am 11. März dieses Jahres auf den aktuellsten Stand gebracht. Worum ging es konkret? Beispiele:

  • Notstrom I: Um für den Fall eines kompletten Stromausfalls besser gerüstet zu sein, wurden zusätzliche mobile Dieselaggregate angeschafft.

  • Notstrom II: Die Energie Baden-Württemberg Kernkraft GmbH (EnKK) muss nachweisen, dass die Batterien für die Störfallinstrumentierung mindestens zehn Stunden zur Verfügung stehen.

  • Handbücher: Was ist im Notfall konkret zu tun? Um den Mitarbeitern mehr Sicherheit zu geben, ließ das Umweltministerium ein zusätzliches Handbuch für die Betriebsmannschaft erstellen.

  • Kühlung: Das Beispiel Fukushima hat gezeigt, dass die Brennelemente unter allen Umständen ausreichend gekühlt werden müssen. Der Maßnahmenplan forderte deshalb von der EnKK den Nachweis, dass kritische Anlagenteile auch im Katastrophenfall mit Kühlwasser versorgt werden können, ohne dass Mitarbeiter gefährliche Bereiche betreten müssen.

  • Ventile: Um zum Beispiel Wasserstoff- oder Überdruckexplosionen zu verhindern, müssen die Sicherheitsbehälter mit Ventilen ausgerüstet sein. Die EnKK musste etwa nachweisen, dass dies auch ohne Stromversorgung möglich ist.

Atomkraftgegner sehen Restrisiko nicht beseitigt

Fukushima-Aktionsprogramm für GKN umgesetzt

Das Atomkraftwerk GKNI (rechte Kuppel) ist im Jahr 2011 abgeschaltet worden. Der 1986 in Betrieb gegangene zweite Block soll Ende 2022 folgen. Foto: Archiv/Veigel

Für Umweltminister Untersteller hat das Maßnahmenbündel "die Sicherheit der Bürger in Baden-Württemberg erhöht". Albrecht Klumpp, Sprecher des Bunds der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar spricht dagegen von einer höchstens "graduellen Verbesserung". Er bezweifelt beispielsweise, dass zusätzliche Betriebshandbücher in chaotischen Situationen weiterhelfen. Bauchschmerzen bereiten ihm nach wie vor die beschädigten Heizrohre im Dampferzeuger von GKN II.

Im Gegensatz zum Umweltministerium hält er die Gefahr für nicht gebannt. Für Bürgerinitiativen-Sprecher Klumpp ist klar: "All die Maßnahmen beseitigen das grundsätzliche Problem nicht. Ein Restrisiko bleibt." Deshalb müsse der Neckarwestheimer Reaktor GKN II so bald wie möglich vom Netz genommen werden.


Rund 100 Heizrohre waren beschädigt

Bei der routinemäßigen Revision wurden im Herbst 2018 rund 100 defekte Heizrohre in sicherheitsrelevanten Dampferzeugern von GKN II entdeckt. In den Rohren transportiert radioaktiv belastetes Kühlmittel unter hohem Druck Wärme in den Dampferzeuger. Dort trifft der primäre Kühlkreislauf auf ein zweites, abgeschottetes Kühlsystem. Dieses wäre bei einem Bruch der Heizrohre unter Umständen kontaminiert worden. Die defekten Rohre wurden außer Betrieb genommen, die EnKK hat die Zusammensetzung des Kühlmittels verändert, um Korrosion vorzubeugen.

 

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