Für manche ist Streetfood ein Lebensgefühl

Heilbronn  Beim Streetfood-Festival im Heilbronner Wertwiesenpark stehen viele Betreiber oft noch selbst in ihrer Garküche. Wer sich als Besucher durchprobiert, reist quasi ein bisschen um die Welt. Dass bei der Veranstaltung Eintritt verlangt wird, passt allerdings nicht jedem.

Von Bärbel Kistner

Was sich inzwischen alles Streetfood nennt. Darüber kann Kai Harbig nur den Kopf schütteln. Eine Imbissbude bunt anzustreichen und Fast Food aus Fertigprodukten aufzutischen, das reiche noch lange nicht aus, sagt der Initiator des Streetfood-Festivals im Wertwiesenpark. Zum siebten Mal hat Harbig knapp 40 Standbetreiber nach Heilbronn geholt - 150 wollten dabei sein.

Herzblut und Leidenschaft sind gefragt

Streetfood als Lebensgefühl
Buba ist in der Streetfood-Szene unter diesem Namen bekannt. Der Krankenpfleger aus Saarbrücken bietet afro-karibische Küche.

Streetfood ist für den 43-Jährigen ein Lebensgefühl, und wer es gut machen will, brauche Herzblut und Leidenschaft. An vielen Ständen sind es die Betreiber selber, die das Essen zubereiten. Wie zum Beispiel Buba, den alle nur unter seinem Vornamen kennen. Der Krankenpfleger aus Saarbrücken kocht afro-karibisch und hat mit seinem vegetarischen Gericht "Jatta domoda" den europäischen "Street Food Award" gewonnen. Die Bretterbude könnte genauso in Jamaika auf der Straße stehen. Buba hat ein altes Ölfass zum Grill umfunktioniert.

Obwohl vieles improvisiert aussieht, stimmen hygienische Standards, die vorgeschrieben sind. Überall gibt es Waschbecken, der Boden ist mit Planen bedeckt. "Fast immer besucht uns der Wirtschaftskontrolldienst", sagt Kai Harbig.

Almpizza und Käsespätzle von Erhan

Streetfood als Lebensgefühl
Ein neues Angebot ist pikante Almpizza.

Fotos: Ekkehart Nupnau

Die Streetfood-Szene hat viele Existenzgründer, die mit einer pfiffigen Idee an der Start gehen. Almpizza heißt das Konzept von Jonas Petersen, der die Fladen selbst bäckt. Auch Erhan Isikli steht eigens an den Töpfen und freut sich, wenn Gäste seine Käsespätzle loben.

Die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Angeboten habe extrem zugenommen, erklärt Harbig. Die Speisekarte ist deshalb entsprechend gekennzeichnet. Oft sind es orientalische und asiatische Speisen. Burger seien zwar noch immer beliebt, aber inzwischen ein bisschen ausgelutscht. Ein reiner Burger-Stand sei nur einmal dabei. Generell versuche man, jedes Konzept nur ein einziges Mal zu platzieren: "Vieles überschneidet sich, aber nichts wird exakt wiederholt."

Kulinarische Weltreise im Wertwiesenpark

Die kulinarische Reise im Wertwiesenpark führt nach Syrien (Falafel) und Israel (Katchapuni), Portugal (Hot Dogs) und USA (Mac 'n' Cheese Wrap), Sri Lanka (Appam) und China (Dim Sum). Es gibt Nachos und Quesadillas, Sushi-Burritos, Waffeltüten mit Huhn und besondere Maultaschen. Ein Renner für Fleischfreunde sind Grillfackeln, 40 Zentimeter lange Spieße. Bei den "Lokalspiessern" gibt es mit knapp 30 Euro das teuerste Gericht, für das japanisches Wagyu-Rind verwendet wird. Ansonsten ist man mit fünf bis zehn Euro dabei.

Bei den süßen Snacks ist vieles dabei, was vor dem Aufessen zunächst einmal fotografiert und via Internet verbreitet wird. Zum Beispiel ein mit Marshmallows ummanteltes Eis am Stiel, frittierte Schokoriegel oder das rabenschwarze Softeis mit Kohle. "Es wird wichtiger, solche fotogenen Produkte bei unseren Festivals dabei zu haben."

Das Streetfood-Publikum hat sich komplett gewandelt: "Am Anfang kamen coole Hipster und überwiegend junges, studentisches Publikum", berichtet Harbig. Inzwischen seien es viele Ältere und Freundesgruppen sowie am Sonntag vor allem Familien. Die Portionen sind in der Regel groß und machen satt. "Deshalb wollen wir erreichen, dass die Gäste teilen, um sich durchzuprobieren", sagt der Veranstalter. Sein Vorschlag: Einfach in der Warteschlange am Stand den Hintermann oder die Hinterfrau ansprechen und sich Mitesser suchen.


Diskussion um den Eintrittspreis 

Besucher zahlen drei Euro, der Eintritt für die dreitägige Veranstaltung wird aber nur einmal fällig. "Nirgendwo gibt es so viel Diskussionen um Eintritt wie in Heilbronn", wundert sich Kai Harbig. Dass Geld verlangt wird, begründet er nicht nur mit den Kosten. 25 Mitarbeiter seien im Einsatz, um zum Beispiel Platz und Sanitäranlagen sauber zu halten. Einen vierstelliger Betrag verschlingt der Rettungsdienst. Es gibt kostenloses Kinderprogramm mit Waffeln backen und Zirkus ausprobieren. Durch den Eintritt werde auch das finanzielle Risiko nicht auf die Food-Anbieter abgewälzt. "Unsere Standgebühren liegen im unteren Drittel", sagt Harbig. So trage man das hohe Wetterrisiko gemeinsam. "Wir verdienen, wenn viele Besucher kommen."

 

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