Frische Luft hilft gegen Corona-Frust

Region  Bei frühlingshaften Temperaturen sind am Samstag viele Radler und Spaziergänger unterwegs. Meistens mit gebührendem Abstand zueinander.

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Familie Krone aus Sinsheim nutzt das Wetter für einen Spaziergang.

 

"Die Atmosphäre ist angenehm. Man hält Abstand, grüßt sich und lächelt sich an“, sagt Christian Krone. Der Sinsheimer ist am Samstag mit Ehefrau Ines, den Töchtern Merle (4) und Mathea (7) sowie Hund Nika auf dem Heuchelberg unterwegs. Wie viele andere zieht es die Familie an diesem Frühlingstag ins Freie. „Wir haben Brezeln und Getränke dabei“, verrät Ines Krone. Ein bisschen Normalität in Zeiten der Kontaktsperre. Auch das Gassigehen sorge im neuen Alltag für Struktur.

Gegen 14 Uhr füllt sich der obere Wanderparkplatz unterhalb der Heuchelberger Warte zusehends. Ein Spaziergang ist anders als beispielsweise in Italien oder Spanien noch erlaubt. Hauptsächlich Familien und Paare machen sich auf den Weg durch die Weinberge, wo auch viele Radfahrer unterwegs sind. Trinkpause für Simone und Frank Linke: „Zum Glück haben wir uns kurz vor der Corona-Krise noch E-Bikes geleistet“, erzählen die beiden. Sie seien froh, noch rauszukönnen.

Frische Luft hilft gegen Corona-Frust

Simone und Frank Linke sind mit ihren E-Bikes am Heuchelberg unterwegs.

Seit zwei Wochen arbeitet Frank Linke im Homeoffice, während seine Frau bisher täglich ins Büro fährt. Als Vertriebler, der sonst im Außendienst tätig ist, fällt ihm das besonders schwer. „Es fehlt die Freiheit zu sagen, jetzt setze ich mich mal in ein Café“, bedauert der Fleiner. „Das ist eine Probe, die die ganze Gesellschaft aufs Extremste trifft.“ Für Ines Linke ist es beklemmend zu sehen, dass in anderen Ländern so viele Leute am Coronavirus sterben: „Da bekommt man Angst, dass das auch bei uns so wird.“

Auf dem Hörnle die Sonne genießen

„Bei uns haben Sie mit Abstand die beste Aussicht“, verheißt ein Schild vor der Waldschenke Hörnle. Die Gaststätte oberhalb von Dürrenzimmern ist geschlossen, der Spielplatz abgesperrt. Im Außenbereich sitzen trotzdem einige Leute, genießen die Sonne und den Ausblick. Immer mit mindestens zwei Tischen Abstand. „Vorhin hatten wir das Gefühl, dass jemand zu dicht bei uns steht. Da haben wir den Platz gewechselt“, erzählt Antje von Döhren. Zusammen mit Ehemann Reinhold Limbach fährt sie regelmäßig aus Bietigheim aufs Hörnle. An diesem Tag tut den beiden das besonders gut. „Uns fällt zu Hause die Decke auf den Kopf“, sagt die 75-Jährige.

Frische Luft hilft gegen Corona-Frust

Radler, Inlineskater, Jogger und Spaziergänger: Viel los ist an diesem frühlingshaften Samstag auch im Heilbronner Wertwiesenpark. Einer der Orte, an dem die Polizei die Einhaltung der Corona-Verordnung kontrollierte.

Foto: Mario Berger

Etwas zu essen und Getränke haben sie sich mitgebracht, auch eine Zeitschrift. Mit der Situation können sie umgehen. „Aber es schmerzt uns, dass wir die vierjährige Tochter einer Freundin, auf die wir oft aufpassen, nicht sehen können“, so Antje von Döhren.

Rainer Werner setzt sich jedes Wochenende auf sein Mountainbike, fährt aufs Hörnle und trinkt einen Kaffee. Der muss dieses Mal ausfallen. Die Radtour nicht. Er achte genau darauf, mit Abstand an anderen vorbeizufahren. „Und wenn es dafür zu eng ist, steigt man halt ab.“ Ab Montag muss der Böckinger wegen Kurzarbeit daheim bleiben. „Eine Ausgangssperre wäre hart“, findet er. Für seine Frau endet am Montag die freiwillige Quarantäne. „Sie war Skifahren im Zillertal.“

Andrang auf dem Wartberg

Auf dem Heilbronner Wartberg ist gegen 16 Uhr fast kein Parkplatz mehr frei. Aber auf Bänken, Mauern und im Gras sind Familien und Paare zumeist unter sich. Senem Kiris (25) und Andrea Galic (21) sitzen sich gegenüber auf der Mauer. Die Freundinnen haben die Mitte zwischen Mosbach und Stuttgart als Treffpunkt gewählt. „Um zumindest ein bisschen das Gefühl zu haben, dass man nicht eingesperrt ist“, sagt Kiris.

Beide arbeiten seit zwei Wochen im Homeoffice. Eine weitere Freundin einzuladen, haben sie sich versagt. Senem Kiris: „Freunde von mir sind zu viert im Auto zu McDonald’s gefahren, wurden angehalten und mussten ein Bußgeld zahlen.“ 

Polizei: Großteil hält sich an die Regeln

350 bis 370 Personen hat die Polizei am Samstag an so genannten Hotspots wie Wartberg oder Wertwiesen in der Stadt und im Landkreis Heilbronn kontrolliert. "Die ganz, ganz große Masse war unauffällig", sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Heilbronn.

Im Stadtgebiet habe es einen Verstoß gegeben, im Landkreis zwölf. "Es blieb bei Verwarnungen. Die meisten Leute waren einsichtig", so der Sprecher. Manche hatten den Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern nicht eingehalten, andere waren beispielsweise zu viert in einem Auto unterwegs. 

 

 


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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