Freitags demonstrieren jetzt die Eltern mit

Heilbronn  Rund 40 Aktive einer Parents-for-Future-Gruppe unterstützen die Klimaschutz-Aktionen der Jugendlichen in Heilbronn. Die Schüler brauchen Unterstützung, sagen die Initiatoren. Die nächste Fridays-for-Future-Demo ist am heutigen Freitag.

Von Tanja Ochs
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Der Demonstrationszug am 7. Juni auf der Allee. Foto: Seidel

Und sie demonstrieren immer noch: Seit Monaten beweisen die Schüler Durchhaltevermögen beim Klimastreik. Auch in Heilbronn gehen heute wieder Jugendliche auf die Straße, um eine nachhaltige Klimapolitik zu fordern. Mit ihrem Engagement sind die Schüler längst nicht mehr allein - immer mehr Erwachsene demonstrieren mit. In Heilbronn ist inzwischen die Gruppe Parents for Future (PFF) aktiv, um dem Protest mehr Nachdruck zu verleihen.

"Klimaschutz geht alle an", betont Ruben Pfleiderer. Der Schüler gehört von Anfang an zum Organisationsteam von Fridays for Future (FFF) in Heilbronn. Die Jugendlichen begrüßen die Unterstützung sehr, gemeinsam könne man noch mehr Leute mobilisieren. "Wir brauchen die Aufmerksamkeit", erklärt Ruben Pfleiderer. Das Thema Klimaschutz sei "aktuell wie noch nie".

Klimaschutz geht alle an

"Die Menschen müssen aufwachen", sagt Christine Daniel. Die zweifache Mutter hat die Ortsgruppe PFF gegründet und ist überzeugt: "Die Schüler brauchen unsere Hilfe." Es sei wichtig zu zeigen, dass Klimaschutz alle angeht. Dafür müsse man ein Bewusstsein in der ganzen Bevölkerung schaffen. Rund 40 Eltern wollen mit ihrem Engagement ein Zeichen für die Jugend setzen und deren Forderungen "Ernsthaftigkeit" verleihen. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Politik die Bewegung einfach aussitze, sagt Christine Daniel.

Eltern demonstrieren mit

Seit Februar demonstrieren Schüler alle zwei Wochen in Heilbronn für mehr Klimaschutz. Die Fridays-for-Future-Bewegung wird inzwischen ganz offiziell von Eltern unterstützt.

Foto: Archiv/Veigel

Sie habe ihren Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen: "Ich gehöre auch zu der Generation, die sich zu wenig um Klimaschutz gekümmert hat", sagt die 48-Jährige. Jetzt endlich habe sie die Möglichkeit, etwas zu tun. Die will die Heilbronnerin bei PFF nutzen. Auch Ulrich Wagner will sich für die Jugendlichen einsetzen. "Ich habe zwei Enkel", erzählt der 78-Jährige. Für sie engagiere er sich.


Eltern bereichern Aktionen der Schüler

Die Eltern agieren nicht allein, sie arbeiten eng mit der Heilbronner FFF-Gruppe zusammen und bereichern die Aktionen der Schüler mit ihren Kontakten und Ideen. "Der Input von verschiedenen Altersgruppen ist wichtig", sagt Christine Daniel. Auch am heutigen Freitag demonstrieren beide Gruppen zusammen und betreiben anschließend gemeinsam einen Stand beim Nachhaltigkeitstag auf dem Kiliansplatz.

Derzeit gibt es zahlreiche Projekte in Schulen, die sich mit dem Thema Klimaschutz beschäftigen. Trotzdem seien die Demos weiterhin wichtig, um die notwendige Aufmerksamkeit für ihr Anliegen zu bekommen, sagt Ruben Pfleiderer. Alle zwei Wochen gehen die Jugendlichen in Heilbronn auf die Straße. Zwischendurch werden Aktionen wie beispielsweise Müllsammlungen organisiert. "Wir wollen nicht nur meckern, sondern aktiv sein", betont der Waldorfschüler.

Entscheidungen werden demokratisch getroffen

Nach wie vor kümmern sich die Schüler selbst um alles. Bei regelmäßigen Treffen wird der Protest geplant. "Wir sind inzwischen erfahrener", sagen die Verantwortlichen aus der Ortsgruppe. Rund 20 Jugendliche bilden das Organisationsteam, in dem alle Entscheidungen demokratisch getroffen werden. Das nächste große Vorhaben ist am 21. Juni geplant: Dann wollen die Heilbronner am internationalen Streik-Tag in Aachen teilnehmen. Erwartet werden dort 20.000 Schüler aus ganz Europa.

 


Kommentar: Konkrete Gefahr

Konkrete Gefahr

Die Klimabewegung ist nicht mehr zu stoppen. Was ein schwedisches Mädchen angestoßen hat, ist zu einer Massenbewegung geworden. Auch Kritiker müssen anerkennen, dass die Jugendlichen von Fridays for Future das Thema auf die Agenda gesetzt haben.

Damit ihre Forderungen aber Gehör finden, brauchen die Schüler Unterstützung aus anderen Altersgruppen. Denn Einfluss hat die junge Generation nur bedingt: Mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten ist 50 Jahre oder älter. Um Politiker zum Handeln zu zwingen, müssen sich Eltern und Großeltern die Forderungen der Jugendlichen zu eigen machen.

Der Einsatz muss sich lohnen

Mit Parents for Future haben sich nach den Wissenschaftlern weitere Erwachsene an der Seite der Jugendlichen positioniert. Das ist wichtig, damit der Bewegung nicht die Puste ausgeht. Die Schüler brauchen Unterstützung und das Gefühl, dass sich ihr Einsatz lohnt. Noch werden mit dem Schulschwänzer-Stempel Diskussionen abgewürgt. Wenn aber Eltern und Großeltern mit im Boot sind, zeigt das deutlich: Freitags wird auf der Straße kein Kindergeburtstag gefeiert.

Die Klimaaktivisten reden nicht von heißen Sommern und Freibadtagen im Oktober. Sie warnen vor konkreten Gefahren: vor Plastik im Meer, Artensterben, Kohlendioxidausstoß und Wassermangel. Die Folgen des Klimawandels treffen alle. Deshalb müssen sich auch alle damit auseinandersetzen und ihren Teil zur Veränderung beitragen.

Ihre Meinung? tanja.ochs@stimme.de

 

Familie gesucht

Klimaschutz ist nicht die Aufgabe von Kindern und Jugendlichen - er geht alle an. Immer mehr Familien machen sich gemeinsam Gedanken über das Thema. Die einen verzichten auf Plastiktüten, die anderen auf Flugreisen. Manche Eltern lassen sich von ihren Kindern inspirieren, andere leben Umweltbewusstsein vor.

Unsere Redaktion sucht eine Familie, die über ihre Erfahrungen mit dem Klimaschutz berichten möchte. Was hat Fridays for Future bei jedem einzelnen bewirkt? Darüber wollen wir vier Wochen lang in loser Folge berichten. Dabei sollen alle Generationen zu Wort kommen.

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