Fliegende Superhelden im Heilbronner Weihnachtszirkus

Heilbronn  Die Trampolinmauer der Marinellis ist ein Highlight im Heilbronner Weihnachtszirkus. Die coole Flugshow der Amerikaner sieht spielerisch leicht aus, doch bis zu 60 Sprünge in fünf Minuten für jeden gehen an die Substanz.

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Immer schön die steile Wand hoch: die Artisten der Gruppe Marinelli bei ihrer schwungvollen Flugshow im Heilbronner Weihnachtszirkus.

Foto: Andreas Veigel

Sie ernten vom Weihnachtszirkus-Publikum tosenden Applaus für ihre rasant-temperamentvolle Nummer. Doch wer die junge Truppe der "Marinellis" aus den USA und Kanada zu ihrer Show mit den zwei Trampolinen und der acht Meter hohen Mauer befragt, ist dann doch überrascht.

Nach ihrer rund fünfeinhalbminütigen Show seien sie "richtig kaputt, fast tot", sagt Junior Neves (23) und lacht. Er ist durchtrainiert, wie seine sieben Kollegen auch. Aber: Die rund 60 Sprünge in kurzer Folge für jeden mit verschiedenen Elementen seien eine große Belastung für das Herz, erklärt der Boss der Truppe, Patrick Marinelli (25) aus Las Vegas. "Man braucht eine Menge Luft."

Wie Spider-Man senkrecht die Wand hochlaufen

Spielerisch leicht sieht es aus, wenn sich die Männer zwischen 18 und 39 Jahren mit dem Trampolin emporkatapultieren, wie Spider-Man an der Mauer senkrecht bis zur obersten Plattform laufen und sich gleich wieder in besonderen Figuren in die Tiefe stürzen. Das alles in rascher Folge, nicht selten sind vier von acht gleichzeitig im Flugeinsatz. "Wir sind alle Artisten, haben unsere Sprünge drauf, jeder mit seinen Fähigkeiten", erklärt der Kanadier Randy Hobbs (39). Das Knifflige sei, den ganzen Ablauf der schnellen Show genau zu koordinieren.

Wie man auf so eine Idee kommt? Patrick Marinelli grinst. Seine Familie besteht aus Artisten in der fünften Generation, sie ist oft in der Welt unterwegs. In China hat er mit 16 Jahren die Trampolin-Mauer entdeckt. "Das war das Coolste, was ich bisher sah. Das wollte ich dann auch machen."

Angefangen hat er mit Softmatten an einer Wand. Die heimische Trampolin-Mauer besteht heute aus einem hölzernem Zugwagen, in und auf den die Akrobaten fliegen. Dieses Gerät ist sehr schwer - und teuer für den Transport nach Europa. So hat der Weihnachtszirkus in Belgien eine andere Mauer mit einsehbaren Etagen gemietet und per Spedition nach Heilbronn bringen lassen.

Die Flugeinlagen in schnellem Wechsel und die coolen Spider-Man-Bewegungen sind das große Plus der Show. "Das ist schon magisch. Wir fühlen uns dabei wie Super-Helden", sagt Marinelli grinsend.

Junge Truppe ist vom positiv verrückten Publikum begeistert

Ihre Flugshow ist freier Stil, die Elemente sind Skateboardsprüngen nachempfunden. Sie heißen "Vampir", "Double back" oder "Pull over." Vom stürmischen Beifall des Publikums ist die Truppe begeistert. In Deutschland, vergleicht Junior, würden die Gäste den Aufwand hinter der Show mehr wertschätzen als in ihrer US-Heimat. Positiv verrückt nennt Randy das Publikum. "Wir mögen das."

In Heilbronn haben die Marinellis den Weihnachtsmarkt gesehen, waren am Neckar, im Wirtshaus neben ihrem Hotel "Das deutsche Bier ist sehr gut", lobt Neves. Zwischen den Auftritten entspannen sie, spielen Tischtennis oder sehen Filme auf dem Handy. Heiligabend war für die Artisten ein Arbeitstag, bis 23 Uhr. Dann habe man noch gemeinsam mit allen aus der Show kurz gefeiert und sei dann ins Bett. Marinelli war zuletzt an Weihnachten immer unterwegs - auf den Philippinen, in Holland, Portugal, Monte Carlo, jetzt Heilbronn. Er hat sich daran gewöhnt. "Geschäft ist Geschäft."


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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