Fleißige Maskennäherinnen sind da, nur der Stoff wird knapp

Region  Dank eines kleinen Zeitungsaufrufs hat sich ein Netzwerk aus Näherinnen und Interessenten gebildet: Von der Schneidermeisterin bis zur Performance-Künstlerin, vom Seniorenheim bis zu Privatleuten aus der Region und von fern.

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Fleißig: Schon über 200 Behelfsmasken aus Stoff hat die Heilbronner Schneidermeisterin Kerstin Schramm in den vergangenen zwei Wochen genäht. Foto: Andreas Veigel

Selbst aus Berlin finden Menschen zu den selbst genähten Stoffmasken aus der Region. Denn als Horst Steinkrauß nach einer Behelfsmaske für Mund und Nase suchte, traf er in der Bundeshauptstadt auf kein Angebot. "Im Internet habe ich gelesen, dass es in HeilbronnVerbindungen zu Näherinnen gibt", erzählt der 79-Jährige.

Das, was er las, war ein Aufruf der Heilbronner Stimme in einem Artikel über das Selbernähen von Stoffmasken. Darin bot Milva-Katharina Klöppel, Redakteurin unserer Zeitung, die Vermittlung zur Nachbarschaftshilfe rund um Behelfsmasken aus Baumwollstoff an: So kamen - und kommen weiterhin - Suchende und Nähende in der Corona-Krise zusammen. "Viele ältere Leser haben sich bei mir gemeldet", sagt Klöppel. "Was süß war: Auch ein 13-jähriger hat eine Maske genäht und mir davon ein Foto geschickt."

Bunt gemusterte Masken sind beliebt

Kerstin Schramms bunte Stoffmasken
Bunte moderne Stoffe sind bei den Interessenten von Stoffmasken am beliebtesten, ist Kerstin Schramms Erfahrung. Foto: Andreas Veigel

Sie gab Horst Steinkrauß den Kontakt zu Kerstin Schramm aus Heilbronn, die sich, wie andere Engagierte, bei der Journalistin gemeldet hatte als Herstellerin von Stoffmasken. Nach ein paar Tagen erreichten den Rentner in Steglitz zwei Behelfsmasken. "Die reichen mir gut. Ich trage sie, wenn ich unterwegs bin," sagt er und fügt hinzu: "Die Bestellung bei Frau Schramm hat wunderbar geklappt. Das war einfacher, als in Berlin lange zu suchen."

Kerstin Schramm ist Schneidermeisterin und arbeitet eigentlich im Modehaus Kohfink im Verkauf. Das Geschäft hat aus Schutz vor dem Coronavirus geschlossen. "Damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt und um andere zu unterstützen, führe ich daheim mein Handwerk fort."

Hier gibt es Stoffmasken zu kaufen

Der Heilbronner Unverpackt-Laden Liva in der Allee 73 in Heilbronn bietet selbst genähte Stoffmasken an, hergestellt von der Schneiderwerkstatt Yvonne Klein.

Mehr als 200 Masken hat sie in den vergangenen zwei Wochen genäht, für Freunde, Kollegen und auch immer wieder für Unbekannte wie Horst Steinkrauß, die ihren Kontakt über die Stimme erhielten.

"Die meisten mögen die Masken lieber bunt gemustert", weiß Schramm. Für sechs Euro gibt es eine Maske von Kerstin Schramm, "um die Materialkosten zu decken." Das Rüstzeug ist knapp: "Mal bekommt mein Mann keinen Stoff, mal sind Gummibänder aus", schildert die 42-Jährige die Engpässe im stationären und im Online-Handel. Da ist der Heilbronner Unverpackt-Laden Liva eine Ausnahme. Dort gibt es selbst genähte Stoffmasken, hergestellt von der Schneiderwerkstatt Yvonne Klein, zu kaufen.

Statt Performance-Kunst nun Nähmaschinen-Einsatz

Noch genug Material haben die Hobbyschneiderinnen vom Neckarsulmer Kunstverein Entraxis. "Viele Damen von uns haben eine Nähmaschine und bisher Vorrat an Stoff", sagt die Vorsitzende des Vereins, Verena Stenke. Eine Woche vor dem Zeitungsaufruf haben vier Frauen des Vereins mit dem Maskennähen begonnen. Milva-Katharina Klöppel konnte sie mit Einrichtungen mit Maskenbedarf verbinden. So hat das Team So hat das Team bisher mehr als 200 Behelfsmasken an vier Seniorenheime, in Neckarsulm, Heilbronn-Sontheim und Großbottwar, gespendet.

 

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Verena Stenke ist Performance-Künstlerin. Ihr junger Verein lebt eigentlich von öffentlichen Aktionen, die seit dem Coronavirus wegfallen. "Wir wollten nicht Online-Kunst anbieten, sondern etwas Handfestes für die Gesellschaft beitragen", sagt die 38-Jährige. "Wir finden, das ist das Einzige, was gerade Sinn macht von uns aus zu tun."

Anweisung an die Senioren: Die sauberen Masken heiß bügeln

nachbarschaft.stimme.de

In dem Corona-Hilfe-Portal des Medienhauses Heilbronn Stimme können sich Helfende und Hilfesuchende in der Region sowie lokale Unternehmen finden. Auch Stoffmasken-Angebote gibt es hier.

Die Künstlerin fragte bei der Katholischen Sozialstation St. Vinzenz in Neckarsulm nach Bedarf an Stoffmasken. "Wir als Personal benutzen medizinische Mundschutzmasken und dürfen solche Behelfsmasken nicht tragen", sagt Eva Janiszewski, Pflegedienstleiterin. "Aber unsere Patienten im Betreuten Wohnen, die auch zum Einkaufen aus dem Haus gehen, können die Stoffmasken gut brauchen."

Sobald sie Masken für alle 40 Bewohner beisammen habe, erkläre sie den Heimbewohnern ausführlich die Anleitung. "Ich hoffe sehr, dass sie sich die richtige Nutzung zu Herzen nehmen", sagt die Pflegerin. Wie die Masken zu tragen sind, und dass sie jeden Tag abends gewaschen und später heiß gebügelt werden müssen. Eva Janiszewski ist dankbar: "Die Senioren freuen sich, dass sie die Stoffmasken bekommen."

 

 

 

Umstrittener Nutzen

Wegen der schnellen Ausbreitung des Coronavirus sind medizinische Mundschutzmasken kaum noch zu bekommen. Über den Nutzen von selbst genähten Behelfsmasken für Mund und Nase herrschtin der Fachwelt Uneinigkeit, es gibt keine wissenschaftlichen Belege. Viele Experten gehen aber davon aus: Stoffmasken können andere Menschen vor einer Tröpfcheninfektion schützen. Sie sollten nach jedem Gebrauch gewaschen werden. Der Virologe Christian Drosten rät, Behelfsmasken aus Stoff heiß zu bügeln, somit können Viren getötet werden.


Bigna Fink

Bigna Fink

Volontärin

Bigna Fink ist seit Februar 2019 Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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