Feuerlöscher und Notschlüssel hängen im Escape-Room bereit

Heilbronn  Nach dem Unglück in einem Escape-Room in Polen mit fünf Toten stehen Einrichtungen auf dem Prüfstand. Das Baurechtsamt Heilbronn will sich nun die Heilbronner Räume vor Ort anschauen.

Von Jürgen Kümmerle

Feuerlöscher und Notschlüssel hängen bereit

Neben der Eingangstür eines Escape-Rooms im Heilbronner Wohlgelegen-Hochhaus sind ein Notschlüssel und ein Feuerlöscher angebracht. Sebastian Perger (Foto) betreibt mit seinem Cousin seit fünf Jahren Escape-Rooms in Heilbronn.

Foto: Jürgen Kümmerle

Es ist ein besonderer Nervenkitzel, in einem Raum eingeschlossen zu sein und nur durch die Lösung von Rätseln zu entkommen. Escape-Room (zu deutsch: Flucht-Raum) nennt sich die nicht mehr ganz so neue Freizeitbeschäftigung.

Vor einer Woche sind in Polen fünf 15-Jährige in einem Escape-Room ums Leben gekommen.In einem Vorraum war ein Feuer ausgebrochen. Den Jugendlichen wurde der Fluchtweg versperrt. Offenbar sind sie an einer Rauchgasvergiftung gestorben.

In einem Escape-Room versuchen Menschen, innerhalb einer vorgegebenen Zeit, knifflige Aufgaben zu lösen, die sie am Ende zum passenden Schlüssel führen, der das Schloss der Ausgangstür öffnet.

Die Nachricht wirft Fragen nach den Sicherheitskonzepten von Escape-Rooms auf. In Heilbronn betreiben Sebastian Perger (29) und sein 30-jähriger Cousin Marc-Simon Perger sechs Escape-Rooms. Zwei im Shoppinghaus an der Allee, vier im Zukunftspark Wohlgelegen. Ein Raum ist zwischen 30 und 35 Quadratmeter groß.

Besucher müssen Rätsel lösen

15.000 Teams haben sich nach Angaben der Betreiber in den vergangenen fünf Jahren dem Abenteuer ausgesetzt. Pergers Unternehmen Cupe Escape befindet sich im fünften Stock des Wohlgelegen-Hochhauses. Dort sieht es aus wie in gewöhnlichen Büroräumen. Nur: in den Räumen hängen Masken, in Regalen liegen abschließbare Plastikboxen. In ihnen liegen Gegenstände für weitere Aufgaben. Wer alle löst, gelangt an den Schlüssel für die Bürotüre.

Escape Room
Jeder Raum ist mit einer Videokamera ausgestattet. Die Teilnehmer werden während des Spiels beobachtet. Foto: Kümmerle

"Wir sind, was unsere Räume angeht, auf der sicheren Seite und über der Norm", sagt Sebastian Perger. Auflagen, die das städtische Bauamt auferlege, habe man beim Firmenstart vor fünf Jahren bereits erfüllt. In jedem Zimmer sei ein Feuerlöscher und ein Notschlüssel verbaut. In den Gängen des Bürokomplexes hängen große Feuerlöscher. Mitarbeiter beobachten die Teams über mindestens eine Kamera ,die in den Zimmern hängt, während diese die Rätsel lösen. "Unser Personal ist geschult, falls irgendwas passieren sollte."

Betreiber seien der Meldepflicht nachgekommen

Auf Nachfrage bei der Stadt Heilbronn heißt es, dass Escape-Rooms nicht erlaubnispflichtig, sondern nur meldepflichtig seien. Dieser Meldepflicht seien die Betreiber nachgekommen. "Für erlaubnispflichtige Gewerbe sind besondere Zulassungsvoraussetzungen notwendig", sagt Anton Knittel, Pressesprecher der Stadt Heilbronn. Dazu gehörten Fachkundeprüfungen, Konzessionen, Genehmigungen oder andere besondere Erlaubnisse.

Als Beispiel nennt er Schank- und Speisewirtschaften, Taxiunternehmen, Berufe im Bewachungsgewerbe oder Inkassobüros. Baurechtlich seien die Escape-Rooms in Heilbronn bei der Anmeldung kein Thema gewesen. "Das Baurechtsamt wird sich die Räume vor Ort anschauen", sagt Knittel.

Die Szene sei seit den Vorfällen in Polen wegen drohender Maßnahmen angespannt, meint Sebastian Perger. Er ist sich sicher, dass das Unglück Folgen für Betreiber in Deutschland haben wird. "Die, die das amateurhaft betreiben, machen dicht."

 


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