Ex-Berlinale-Chef holt Jungwinzer-Weine nach Berlin

Weinsberg  Dieter Kosslick wählt in Weinsberg 20 Württemberger Jungwinzer-Weine für Branchentreff im Rahmen der internationalen Filmfestspiele in Berlin aus - und plaudert über sein Leben als Weinzahn.

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Ex-Berlinale-Chef holt Jungwinzer-Weine nach Berlin

Eine Jury wählte 20 Jungwinzer-Weine aus (v. l.): Anja Gemmrich, Christoph Palmer, Dieter Kosslick, Tamara Elbl und Hermann Hohl mit dem Organisator Christian Seybold.

Foto: Kilian Krauth

Als gute Katholikin, wie Dieter Kosslick sagt, habe ihn seine Mutter "ganzheitlich" erzogen. "Bei uns stand immer Wein auf dem Tisch, werktags Trollinger, sonntags Lemberger." Als Ministrant hat der heute 71-Jährige Bekannschaft mit edelsüßem Messwein gemacht. Später hatte der Vater eines Musikerkollegen "immer Graf Neipperg im Keller". Bis heute ist der ehemalige Berlinale-Chef ein großer Weinfreund. Und weil er in Ispringen bei Pforzheim aufgewachsen ist, "links war Baden, rechts Württemberg", haben es ihm die Weine seiner Heimat besonders angetan.

Kulturelles Umfeld ohne Weinverstand

Doch wo immer ihn seine Jobs in der Filmbranche hinführten, bis zu den internationalen Filmfestspielen in Berlin: "Überall gab es nur ausländische Tropfen, nur schlechte, und das in einem kulturellen Umfeld. Unmöglich!" Noch heute kann sich der heimatverbundene Feinschmecker darüber aufregen.

Es muss nicht immer Bordeaux sein

Durch gute Kontakte zu der aus Aalen stammenden Chefin des Deutschen Weininstituts, Monika Reule, und zum Verband Deutscher Prädikatsweingüter hat Kosslick längst Abhilfe geschaffen - zumindest auf der Berlinale. Dort werden inzwischen bei allen offiziellen Anlässen ausschließlich deutsche Weine ausgeschenkt, was in der Hauptstadt zu einem "wahren Siegeszug" geführt habe. Selbst internationale Stars und Sternchen hätten inzwischen erkannt: "Es muss nicht immer Bordeaux oder Chablis sein."

Meryl Streep beispielsweise habe sich in eine Scheurebe verliebt, er selbst halte es am liebsten mit Lemberger. Der weit gereiste Kosslick ist fest überzeugt: "Auch viele Württemberger, können inzwischen international mithalten". Wegen solcher Aussagen haben ihm die Lauffener Weingärtner 2016 gar den Titel "Weingenießer des Jahres" verliehen. Dies nur am Rande: von dem Preis, 66 plus x Flaschen, ist nur noch eine übrig, ein "Josua".

Ex-Staatsminister Christoph Palmer im Boot

Am Montag frischte der ehemalige Berlinale-Chef beim Weinbauverband Württemberg und in der Weinbauschule Weinsberg sein Weinwissen auf. Anlass: Die Verkostung von 78 Tropfen der Jungwinzer-Gruppe Wein. Im.Puls, aus denen er zusammen mit einer Jury 20 auswählte, die nun am 20. Februar im Rahmen der Berlinale ausgeschenkt werden, beim "Deutschen Produzententag", der Haupttagung der deutschen Filmwirtschaft. Dies wiederum eingefädelt hat Christoph Palmer, inzwischen Chef der Allianz Deutschen Produzenten - Film & Fernsehen. Der ehemalige Landespolitiker hatte bereits als Stuttgarter Staatsminister erfolgreich Werbeaktivitäten für heimische Weine entwickelt.

In Berlin Flagge zeigen dürfen, teils mit mehreren Weinen: Schwab, Gemmrich, M+U Bauer, Seybold, Bihlmayer, Schönbrunn, Christian Hirsch, Golter, Willy, Rolf Heinrich, Schäfer-Heinrich, Borth, Berthold, Winzer vom Weinsberger Tal und Schloss Affaltrach.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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