Evangelische Christen bereiten die Wahl der Landessynode vor

Heilbronn  Am 1. Dezember sind 1,75 Millionen Protestanten in Württemberg zur Wahl der Landessynode aufgerufen. Im Dekanat Heilbronn laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das sind die Kandidaten für die Synodalwahl.

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Gläubige haben die Wahl
Erstmals bekommen die Gläubigen die kompletten Wahlunterlagen automatisch zugeschickt. Zu Hause können sie in Ruhe ihre Kreuzchen machen und die Unterlagen am 1. Dezember zum Wahllokal tragen oder vorher dort einwerfen. Foto: Kilian Krauth

Am 1. Dezember feiern viele Gläubige nicht nur Advent und singen "Macht hoch die Tür". 1,75 Millionen Protestanten in Württemberg sind an diesem Tag zur Wahl der Landessynode sowie neuer Kirchengemeinderäte aufgerufen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

So sortierten am Donnerstag im Heilbronner Friedensgemeindehaus fleißige Hände die Unterlagen für 53.000 Wahlberechtigte im Dekanat Heilbronn, also für 25 Kirchengemeinden zwischen Bad Wimpfen und Ilsfeld. Gleichzeitig stellten sich im Obergeschoss die sieben Kandidaten zur Synodalwahl vor.

"Welcher Schatz Ehrenamtliche für Kirche und Gesellschaft sind, hat zuletzt die Buga gezeigt." So würdigte Prälat Harald Stumpf das Engagement der Kandidaten. Gleichzeitig zeigte er Verständnis für eine "gewisse Müdigkeit bei anderen", denen die vielfältigen Herausforderungen zu viel würden: von Finanznot über Pfarrermangel bis hin zu Gemeindefusionen und gesellschaftlichen Reizthemen. Wie die Kirche lebendig bleiben kann, zeigte die persönliche Kandidatenvorstellung.

Jörg Beurer (51) vom Gesprächskreis Offene Kirche ist Geschäftsführer im Karlshöher Diakonieverband, Mitglied im Posaunenchor und in einem Förderverein für Eritrea. Er setzt sich für eine Kirche ein, die jungen Menschen Heimat bietet, die sich auch Migranten zuwendet, die sich gesellschaftlich und politisch einbringt, die mit offenen Gemeindehäusern und Kirchen, mit Jugendkirchen und anderen Angeboten neue Wege geht.

Erhard Mayer (62) von der Offenen Kirche ist Pfarrer von Biberach und Kirchhausen, Stellvertretender Dekan und SPD-Stadtrat. Er möchte eine Kirche, die aus der Bibel Orientierung gewinnt und sich "nicht am Buchstaben festbeißt, die geschlechtliche Vielfalt als Gabe Gottes begreift" und gleichgeschlechtliche Liebe nicht diskriminiert, die für ein gerechtes Wirtschaften eintritt und menschenwürdige Lösungen für Flucht und Migration sucht, "die Jesu Geist atmet und die Hoffnung lebt, die unser Gott verheißt".

Markus Hock (54) von Kirche für Morgen ist Pharmareferent und engagiert sich als Kirchengemeinderat, Integrationsbeistand und Vorlesepate. Persönliche Interessen: Bibelstudium, Sport und Reisen. In der Kirche sei es angesichts des Mitgliederschwunds Zeit, für eine "wirkliche Reformation", also für eine Modernisierung, die auch junge Menschen anspricht.

Michael Schneider (63) von Evangelium und Kirche arbeitet als Heimleiter und ist Vorsitzender der Kirchengemeinde Böckingen, Vorstand im Kreisseniorenrat, ehrenamtlicher Arbeitsrichter, Mitbegründer der Allianz für Menschen mit Demenz, Vorstand im Böckinger Ring und Dozent in der Altenpflegeschule. Er betont, die Kirche müsse ihre "integrative Kraft für benachteiligte Menschen stärken, bekannt machen und Netzwerke schaffen".

Frieder Veigel (73) von der Lebendigen Gemeinde führte lange seine Firma Veigel-Wohnen und ist seit 30 Jahren Kirchengemeinderat der Friedensgemeinde, seit 24 Jahren Vorsitzender und Mitglied der 15. Landessynode, deren Integrationskraft er lobt. Der Wirtschaftswissenschaftler liest gerne theologische, wirtschaftliche und politische Schriften. An seiner Kirche mag er, "dass sie das Evangelium verkünden und die Mehrzahl der Glieder zusammenhalten will. Dabei möchte ich gerne weiterhin mithelfen."

Hans-Jörg Eiding (57), von Evangelium und Kirche ist Pfarrer der Kilianskirche, Leiter der Notfallseelsorge, Bezirksdiakoniepfarrer und Pfarrer für Kirchenmusik. Weil er "zwischendurch den Kopf frei bekommen will", ist er auch Hobby-Imker, Schlepper-Fan und Tubist im Posaunenchor. Er kandidiere, "weil mir Weite und Offenheit unserer Volkskirche ein kostbares Gut sind". Wichtig ist ihm der überlegte, verantwortete und achtsame Umgang mit Menschen, Themen, aktuellen Fragen und das Werben für den Glauben.

Prof. Dr. Rolf Hille (72) von der Lebendigen Gemeinde ist emeritierter Theologieprofessor. Er war früher Rundfunkredakteur, Leiter eines Pressedienstes, Chef des Tübinger Bengel-Hauses und über Jahre hinweg an der Spitze der weltweiten Evangelischen Allianz, einem Zusammenschluss von Freikirchen. Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Pfarrermangels liegt ihm die Theologenausbildung am Herzen, aber auch die Ökumene - "wir Christen müssen zusammenstehen" - und eine Kirche, die sich dem gesellschaftlichen Diskurs stellt. "Dann haben wir als Volkskirche tatsächlich gute Chancen."

Mehr über die Wahl der Landessynode

Die evangelischen Christen in Württemberg dürfen am Sonntag, 1. Dezember, schon ab dem Alter von 14 Jahren zur Wahl gehen. Für den Kirchengemeinderat und die Synode kandidieren darf man aber erst ab 18 Jahren. Vor sechs Jahren lag die Beteiligung der damals 59.000 Wahlberechtigten (diesmal 53.000) im Dekanat Heilbronn bei durchschnittlich 21 Prozent, 12,8 Prozent waren der niedrigste Wert, 50,3 Prozent der höchste.

Die Wahllokale - meist Gemeindehäuser - öffnen in der Regel nach dem Gottesdienst - bis maximal 18 Uhr. Erstmals bekommt man alle Unterlagen vorher und hat somit die Option zur Briefwahl. In den 25 Kirchengemeinden im Dekanat Heilbronn liegt die Zahl der Sitze in den Gremien bei fünf bis 18, je nach Gemeindegröße.

Bad Wimpfen-Hohenstadt hat nur 152 Wahlberechtigte, Böckingen 6241, die Gesamtkirchengemeinde Heilbronn 16 891. Bei der Wahl zur Landessynode Württemberg werden in 26 Kreisen mit 1244 Kirchengemeinden insgesamt 90 neue Synodalen gewählt. Zur Wahl stellen sich 45 Frauen und 120 Männer.

Es ist üblich, dass sie sich je nach kirchenpolitischer Ausrichtungen in Gesprächskreisen organisieren, ähnlich wie in Parteien. Der bisherigen Synode gehörten aus dem Dekanat Heilbronn Rainer Hinderer, Frieder Veigel und Dr. Heidi Buch an. Diesmal gibt es in Heilbronn sieben Kandidaten, zuvor waren es fünf, wobei nach wie vor drei einen Sitz in der Synode bekommen werden: zwei Laien und ein Pfarrer.

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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