Es läuft noch nicht alles rund beim Mobilitätspakt

Region  Seit einem Jahr gibt es den Mobilitätspakt für den Wirtschaftsraum Heilbronn/Neckarsulm. Während sich der Verkehr weiter staut, ringen die beteiligten Firmen und Behörden weiter um Maßnahmen und Zielrichtung. Eine Zwischenbilanz des Leuchtturmprojekts.

Von Christian Gleichauf

Es läuft noch nicht alles rund beim Mobilitätspakt

Soll die Straßeninfrastruktur optimiert werden oder hat das Auto in dem kleinen Ballungsraum ohnehin keine Zukunft? Dass es darauf ganz unterschiedliche Antworten gibt, zeigt diese Serie, die Aspekte des Pakts näher beleuchtet.

Kommentar: "Alle oder keiner"

Ende Juli 2017 kam Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) persönlich zur feierlichen Unterzeichnung des Papiers nach Neckarsulm. Die von Lokalpolitikern, Audi und Schwarz-Gruppe gestartete Initiative benötigte die Hilfe aus Stuttgart dringend. Kein Konzept kann greifen, solange nicht alle Ebenen - von den Akteuren im Gewerbegebiet bis zu dem auch für Bundesstraßen zuständigen Regierungspräsidium - ihren Beitrag leisten. Doch was ist seither passiert?

Für viele mögliche Maßnahmen müssen die Voraussetzungen erst noch geschaffen werden. Die Ergebnisse zahlreicher Gutachten und Untersuchungen stehen noch aus. Auf Stimme-Anfrage teilt das Verkehrsministerium (VM) in Stuttgart mit, wie der Stand in den verschiedenen Bereichen ist.

Blick von oben:

Audi und die Schwarz-Gruppe haben gemeinsam eine Verkehrsuntersuchung mit dem Prognosehorizont 2030 in Auftrag gegeben. Der erste Teil, der Entwurf eines großräumigen Verkehrsmodells, liegt voraussichtlich im Herbst 2018 vor. Anschließend erfolgt eine Prüfung durch die Straßenbauverwaltung, so das Verkehrsministerium. Auf dieser Grundlage wird anschließend eine Verkehrsflusssimulation erstellt, die die Verkehrsbelastung auch auf einzelnen Straßen für verschiedene Szenarien berechnet.

Radautobahn:

Es läuft noch nicht alles rund beim Mobilitätspakt

Selbst dieser besonders leistungsfähige Kreisel mit Bypässen am Ortseingang von Neckarsulm kann den Verkehr zu Stoßzeiten nicht mehr am Laufen halten. Die einzige Lösung: Der Verkehr muss hier reduziert werden. Foto: Dennis Mugler

 

Das Land hat eine Machbarkeitsstudie für die Radschnellverbindung Bad Wimpfen-Neckarsulm-Heilbronn erstellt. Ergebnis: Das Potenzial ist vorhanden. Das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart ist mit der Vorplanung für die Radautobahn beschäftigt.

Überlastete Straßen:

Das RP hat auf Grundlage der Verkehrszahlen die Knotenpunkte auf der Neckartalstraße und auf der Südtangente des Gewerbegebiets Trendpark in Neckarsulm (Wilhelm-Herz-Straße bis zum Rötel-Kreisel) untersucht. Ergebnis: Vor allem auf der Südtangente sind die Knotenpunkte teils an ihrer Leistungsgrenze, teils liegen sie bereits darüber. Das heißt, Ampel- und Kreisverkehrsanlagen können den Verkehr nicht mehr bewältigen, es kommt zu Rückstaus. Auch benachbarte Knotenpunkte werden so in Mitleidenschaft gezogen.

ÖPNV:

Der Schienenverkehr spielt eine zentrale Rolle im Mobilitätspakt. Erste zusätzliche Zugverbindungen kamen bereits mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017. In diesem Jahr kommen neue Stadtbahn-Verbindungen dazu.

Schon vor dem Start des Mobilitätspakts gab es allerdings unterschiedliche Vorstellungen über Tempo, Zielrichtung und räumliche Grenzen. Die Bad Friedrichshaller, Bad Wimpfener und Offenauer Bürgermeister - bei ersten Runden noch eingeladen - waren plötzlich nicht mehr dabei. Und das, obwohl gerade dort viele bestehende und auch absehbare Probleme gelöst werden müssten. Auch Erlenbach - immerhin möglicher Partner für ein gemeinsames Gewerbegebiet mit Neckarsulm und ebenfalls Leidtragender des Pendler-Verkehrs - bleibt außen vor.

In den nächsten Tagen wird eine Artikelserie zeigen, was bereits angestoßen wurde und wie es weitergeht auf Schiene und Straße.

 

Positive Stimmung bei den Beteiligten

Ziel des Mobilitätspaktes ist eine ganzheitliche Herangehensweise mit vernetzten Lösungsansätzen. Ursprünglich hatten Audi und die Schwarz-Gruppe eine Untersuchung beauftragt, die nur auf den motorisierten Individualverkehr ausgerichtet war. Als das Land sich beteiligte, bestand Verkehrsminister Winfried Hermann darauf, den Schienenverkehr - den das Land bestellt - mit einzubeziehen. "Wir sind beeindruckt, wie engagiert alle Partner mitarbeiten und Ideen schnell in die Umsetzung gehen", sagt Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl in Vertretung des Ministers, der derzeit im Urlaub ist. Weil nur das Verkehrsministerium offizielle Aussagen zum Mobilitätspakt machen darf, halten sich andere Stellen zurück. Doch auch hinter vorgehaltener Hand gibt es neben Kritik in Einzelfragen vor allem viel Lob für das Projekt.