Es knallt und qualmt bei der Gaunerjagd auf Burg Stettenfels

Untergruppenbach  "Der Räuber Hotzenplotz": Tolle Leistung des jungen Ensembles bei den Burgfestspielen Stettenfels in Untergruppenbach. Es geht rasant zu auf der Bühne. Die Darsteller spielen nicht nur, sondern singen und tanzen auch.

Von Sabine Friedrich
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Wie toll ist das denn! Nach der umjubelten Premiere des Kinderstücks "Der Räuber Hotzenplotz" bei den Burgfestspielen Stettenfels kann, wer mag, zum Fotoshooting auf die Bühne. Mamas und Papas zücken am Samstagnachmittag ihre Smartphones. Begeisterte kleine Zuschauer erleben hautnah Kasperl, Seppel, die Fee Amaryllis, den Wachtmeister Dimpfelmoser und auch den Räuber Hotzenplotz. Der ist kein bisschen furchterregend mehr in seinem Nachthemd. Der Gürtel mit Messern, Pistole und Säbel ist ihm schon während des Stückes abhanden gekommen.

Eine abwechslunsreiche und spannende Aufführung

Regisseurin Ursula Simon ist ganz aus dem Häuschen: "Super, ich bin begeistert. Es sind Kinder, Jugendliche! Die Begeisterung ist irre", strahlt sie nach der Schlussszene. Was sie mit den jungen Darstellern aus Heilbronn, von der Untergruppenbacher Stettenfelsschule und der Musikschule Schozachtal auf die Bühne gebracht hat, ist beeindruckend. Andrea Claßen aus Obereisesheim, die mit ihren Töchtern gekommen ist, bringt es auf den Punkt: "Sehr professionell dargestellt. Ich fand es abwechslungsreich und spannend."

Das Vergnügen ist auch ganz auf der Seite der Akteure. "Das ist eine Traumrolle, die man sehr gerne spielt. Es macht riesengroßen Spaß mit den Kindern", lobt Räuber Hotzenplotz, im wahren Leben Michael Binder, die Truppe. Er selbst braucht sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

Rollende Augen und gemeines Lachen

Was für ein krächzendes und ein der Rolle geschuldetes gemeines Lachen er durch den Burggraben hallen lässt. Und wie gefährlich er mit den Augen rollt. Sehr witzig das Hatschi-Duett mit dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann, als dieser - "Abrakadabra" - einen Sack Schnupftabak aus dem Fenster des Treppenturms hervorzaubert.

Ellen Cramblit-Vogel beschreibt die Herausforderung ihrer Rolle - im schwarzen Mantel, verziert mit einer lila Federboa und spitzem Zauberhut: "Die Regisseurin wollte ganz gerne einen bösen Zauberer, der aber so vermittelt wird, dass kein Kind Angst haben muss." Das ist ihr gelungen. Nur die Jüngsten im Publikum schlüpfen, wenn es etwas dramatischer wird, ganz nah an ihre Eltern heran. Ansonsten herrscht gespannte Aufmerksamkeit, die Kinder sind gebannt von dem, was sich auf der Bühne abspielt.

Eine effektvolle und witzige Version wird gezeigt

Und da geht es rasant zu, es knallt und raucht und donnert und stinkt. Es ist eine effektvolle und witzige Version des "Räuber Hotzenplotz". Keiner der Darsteller steht auch nur eine Sekunde still. Die 1962 von Otfried Preußler verfasste Geschichte ist im Burggraben eine musikalische Gaunerjagd. Die Kasperlemusik, wie man sie aus dem Puppentheater kennt, ist gefällig, animiert zum Mitklatschen. Nicht nur Mimik und Gestik hat Simon mit ihrem Ensemble einstudiert, sondern auch die Choreographie der vielen Tänze. Da ist zum Beispiel den Dorfbewohnern - jeder der 15 Schüler stellt einen Beruf dar - ihre Lust am Tanzen und Spielen anzumerken.

Kasperl und Seppel werden toll gespielt

Einfach großartig sind Simons Tochter Genoveva Haag (12) als Kasperl und Isabell Gruber (15) als Seppel. Der zum Teil schwierige Text sitzt, denn bei Kasperl purzeln Buchstaben und Wörter durcheinander - aus Hotzenplotz wird Plotzenhotz. Das Duo ist ständig in Bewegung, hier passt jeder Schritt, jede Drehung. Kasperl spitzbübisch, der Seppel genau mit dem richtigen Maß an Naivität.

Viel Stimmvolumen ist von vielen der Darsteller gefragt, vor allem von der Großmutter (Tanja Kammerer), die ein Geschrei und Gezeter produziert, das durch Mark und Bein geht. Klar, Hotzenplotz hat ja ihre Kaffeemühle gestohlen. Wie wohltuend ist da das tolle Solo von Letitia Lehmann, die sich von der hässlichen Unke dank Kasperl wieder in die Fee Amaryllis verwandelt.


Hinter den Kulissen & Termine

Rebecca Kimmig steht als Assistentin Regisseurin Ursula Simon zur Seite. Für die Maske ist Nina Tosun verantwortlich. Die Kostüme sind der Part von Rita Mensuroglu und Ute Dieterich. Um die Bühne kümmern sich: Hans Reuter, Günther Hörl, Gerhard Roth, Jörg Pflicke und Mathias Haag.

Karten gibt es nur noch für folgende Aufführungen: am 25., 26., 27. Juli (15 Uhr); am 17., 19. Juli (10 Uhr). Karten kosten im Vorverkauf acht Euro für Kinder, elf für Erwachsene (per E-Mail: tickets@burg-stettenfels.de).

 
 

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