Es knackst im regionalen Konsumklima

Region  Das Heilbronn-Barometer zeigt bei den Befragten eine wachsende Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung. Beim Thema Flüchtlinge ist eine Normalisierung eingetreten, die Mehrheit bleibt tolerant.

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Heilbronn-Barometer

Wirtschaftliche Lage (Angaben in Prozent)

1

1

1

2

sehr schlecht

weiß nicht

schlecht

schlecht

13

16

teils-teils

teils-teils

Angaben

für Heilbronn

Eigene

Lage

85

82

sehr gut/gut

sehr gut/gut

Aussagen zu Flüchtlingen (Angaben in Prozent)

stimme voll und ganz zu

stimme zu

teils/teils

weiß nicht

stimme nicht zu

stimme überhaupt nicht zu

Ich finde es wichtig, dass sich die Kommunen in der Region für die Integration engagieren.

6

(+1)

2

(-2)

2

(0)

32 (zum Vorjahr +2)*

46 (+3)

13 (-6)

Ich habe Sorge, dass sich durch die Zuwanderung die Art und Weise, wie wir leben, zu stark verändert.

2

(+1)

15 (-6)

20 (-1)

28 (+4)

22 (+3)

13 (-1)

Im Großen und Ganzen wird es gelingen, Flüchtlinge einzugliedern

6

(0)

2

(0)

11 (+1)

32 (+4)

37 (0)

12 (-5)

Ich freue mich, dass Kommunen in der Region durch Flüchtlinge vielfältiger und bunter werden.

9

(-9)

1

(0)

11 (+3)

22 (+3)

40 (+6)

17 (+3)

HSt-Grafik, Quelle: Hochschule Heilbronn * Rundungsbedingte Differenzen

Heilbronn-Barometer

Wirtschaftliche Lage (Angaben in Prozent)

1

1

weiß nicht

schlecht

13

teils-teils

Angaben

für Heilbronn

85

sehr gut/gut

1

2

sehr schlecht

schlecht

16

teils-teils

Eigene

Lage

82

sehr gut/gut

HSt-Grafik, Quelle: Hochschule Heilbronn * Rundungsbedingte Differenzen

Die Bewertung der Flüchtlingskrise und ihrer langfristigen Auswirkungen ist gesellschaftlich auf dem Weg der Normalisierung. Das hat die jährliche Umfrage zum "Heilbronn-Barometer" des Heilbronner Instituts für angewandte Marktforschung (H-Infam) ergeben. Wirtschaftlich geht es den Menschen in und um Heilbronn gut. Die Befürchtungen, dass die Konjunktur sich eintrübt, nehmen allerdings zu.

Wirtschaftlich geht es den Menschen in und um Heilbronn gut. Die Befürchtungen, dass die Konjunktur sich eintrübt, nehmen allerdings zu. Foto: Dennis Mugler/ Archiv

Privatpersonen brauchen Zeit, um Warnsignale zu erkennen

Mit zeitlicher Verzögerung sind die Prognosen der großen Wirtschaftsforschungsinstitute auch bei den Konsumenten angekommen. "Schon im vergangenen Jahr war vorhergesagt worden, dass sich die Wirtschaft abkühlt", kommentiert H-Infam-Leiter Dr. Joachim Allhoff. Doch beim Heilbronn-Barometer 2018 seien die Menschen noch zuversichtlicher gewesen. "Das ist häufig so bei Konsumentenumfragen. Unternehmen sind da etwas vorausschauender", sagt Allhoff.

Zwischen 2017 und 2019 hat sich der Anteil der Menschen, die eine wirtschaftliche Eintrübung im Folgejahr erwarten, von zwölf auf 27 Prozent erhöht. Vor allem glauben nur noch 16 Prozent, dass sich die wirtschaftliche Lage in der Region im kommenden Jahr verbessert. 2018 waren das noch 22 Prozent.

Kleinere Abweichungen sind nicht der Rede wert

Dass dies auch für die persönliche Lage Konsequenzen hat, glaubt nur jeder Zehnte. In den vergangenen zwei Jahren waren das mit acht Prozent ähnlich viele. "Plus-minus zwei Prozent braucht man eigentlich gar nicht zu interpretieren", sagt Allhoff dazu. Spürbar ist die Veränderung allerdings beim Anteil derjenigen, die eine Verbesserung erwarten: Nur noch 20 Prozent erwarten, dass sich ihre eigene Lage in einem Jahr besser darstellt als derzeit, vor einem Jahr waren das noch 24 Prozent, vor zwei Jahren 26 Prozent.

Zum zweiten großen Umfragethema, den Aussagen zu Flüchtlingen, sagt Allhoff: "Der Optimismus ist wieder leicht gewachsen." 2016 hatte mit 46 Prozent fast jeder Zweite begrüßt, dass Flüchtlinge zu einem vielfältigeren Leben in der Region Heilbronn beitragen. Dieser Anteil ging in den Folgejahren schnell auf 27 Prozent zurück. "Ernüchterung hat sich breitgemacht", sagt Allhoff.

In diesem Jahr legte der Wert aber wieder auf 33 Prozent zu. Und auch die Zuversicht in Bezug auf die Integration steigt: 43 Prozent sind der Auffassung, dass es gelingen wird, die Flüchtlinge einzugliedern. Von 49 Prozent 2016 war der Wert 2017 auf 35 Prozent gesunken.

Die Spaltung in der Gesellschaft hat sich nicht vertieft

Die gesellschaftliche Spaltung bei diesem Thema ist nicht tiefer geworden. „Es ist eher eine Normalisierung erkennbar“, sagt Allhoff. Wenige stimmten voll und ganz zu, dass das Leben durch Flüchtlinge „bunter und vielfältiger wird“. Am anderen Ende der Skala gibt es jedoch ebenfalls weniger, die mit solch einer Freude Probleme haben. Die Emotionen gehen zurück.

Der großen Mehrheit ist bewusst, dass mit dem Zuzug der Geflüchteten Probleme verbunden sind. Nach einem Höchstwert von 43 Prozent im vergangenen Jahr haben aber nur noch 35 Prozent die Sorge, dass sich durch Flüchtlinge das Leben in der Region „zu stark“ verändert.

Dieses Umfrage-Design verwendet H-Infam

Im vierten Jahr befragt das Heilbronner Institut für angewandte Marktforschung (H-Infam) für das Heilbronn-Barometer etwa 1000 Menschen in der Stadt Heilbronn und in einem Umkreis von 20 Kilometern um Heilbronn herum, also unter anderem auch in Neckarsulm. Möglichst immer wieder die gleichen Personen treffen so Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Haltung gegenüber Flüchtlingen. Die Antworten werden gewichtet nach Alter, Geschlecht und Haushaltsgröße, so dass sie als repräsentativ gelten.

Das Heilbronn-Barometer ist die einzige Konsumentenumfrage bezogen auf die Region - teilweise vergleichbar mit dem GfK-Konsumklimaindex auf Bundesebene.

H-Infam betreibt seit 2012 quantitative, qualitative und experimentelle Marktforschung entlang der Kompetenzbereiche Sozial- und Meinungsforschung, Produktoptimierung sowie marketingorientierten Forschung. Direktorin des H-Infam ist Professorin Franziska Drescher, Institutsleiter ist Dr. Joachim Allhoff.

 


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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