Erdgas wird im nächsten Jahr teurer

Heilbronn  Die Heilbronner Versorgungs GmbH verlangt ab 2019 für die Kilowattstunde Erdgas 6,28 Cent. Das sind 0,78 Cent mehr als bisher. Als Grund gibt der regionale Energieversorger deutlich gestiegene Einkaufspreise an.

Von Joachim Friedl

Die Heilbronner Versorgungs GmbH (HVG) erhöht ab 1. Januar 2019 die Gaspreise in der Grundversorgung um 0,78 Cent pro Kilowattstunde. Die Kilowattstunde kostet dann statt bisher 5,50 Cent 6,28 Cent brutto. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 15.000 Kilowattstunden muss dann 9,75 Euro monatlich mehr bezahlen. Der Grundpreis bleibt unverändert bei 14,28 Euro monatlich.

"Die Einkaufspreise für Erdgas sind seit diesem Frühjahr extrem davongelaufen", erklärt HVG-Geschäftsführer Frank Schupp. Auch wenn man an der Börse in Leipzig stets bei fallenden Preisen gekauft habe, sei die Entwicklung unaufhaltsam nach oben gegangen. Da helfe auch nicht, dass die Netzentgelte ab Januar des kommenden Jahres leicht nach unten gehen.

 

 

 

Auch US-Präsident Trump dreht an den Preisen

Die Gründe für die gestiegenen Bezugspreise sind vielschichtig. "Neben geopolitischen Entwicklungen wie zum Beispiel Sanktionen gegen den Iran, negative Twitter-Aussagen von US-Präsident Donald Trump oder steigende Ölpreise spielte auch der heiße und sehr trockene Sommer eine wichtige Rolle", analysiert Thomas Scholz die Situation.

So haben nach den Worten des Abteilungsleiters Handel/Vertrieb bei der HVG die Hitze und der Niedrigwasserstand in den Flüssen zu einer Drosselung der Stromerzeugung in den Atomkraftwerken in Europa geführt. Zudem hätten in Skandinavien wegen der Trockenheit deutlich weniger Wasserkraftwerke Energie erzeugt, weswegen die Länder im Norden Europas Strom aus Deutschland importieren mussten. Außerdem wehte zu wenig Wind.

Japan setzt vermehrt auf Gaskraftwerke

Gaspreis
Durch die Preiserhöhung für Erdgas müssen Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden jährlich 117 Euro mehr bezahlen. Foto: dpa  

"Der benötigte Strom wurde vermehrt in Gaskraftwerken erzeugt mit der Folge, dass Erdgas immer teurer wurde", legte Scholz die Gründe dar und betonte im Gespräch mit der Heilbronner Stimme: "So eine Situation habe ich in 20 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt." Ein weiterer nicht unerheblicher Preistreiber sei, dass Japan seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 verstärkt auf Gaskraftwerke setzt.

Wert legt Frank Schupp auf die Feststellung, dass die HVG nur die gestiegenen Bezugskosten an die Kunden weitergebe: "Wir machen keine Gewinnaufschläge", versichert der Geschäftsführer. Beim Einkauf für 2019 habe die Kilowattstunde teilweise mehr als 2,6 Cent gekostet (siehe Grafik). Dass die Kilowattstunde in Summe künftig 6,28 Cent kostet, liegt daran, dass auf den Einkaufspreis noch Steuern, Netzentgelte, Umlagen und die Konzessionsabgabe an die Stadt addiert werden müssen.

Keine Preiserhöhung bei Biogas

Neu eingeführt wird mit dem neuen Jahr der HVG-Treuetarif mit einer Erstlaufzeit von 24 Monaten. Der Preis für die Kilowattstunde kostet hier 5,75 Cent brutto. Stabil bleiben aufgrund der längeren Vertragsbindung die Preise im Käthchen-Gas-Tarif. Unverändert bleiben auch die Preise für Biogaskunden, weil die HVG Biogas am europäischen Großhandelsmarkt günstiger einkaufen konnte.

2016 hatte die HVG den Preis für die Kilowattstunde Erdgas um 0,67 Cent gesenkt und seither stabil gehalten. Eine Prognose, ob die Gaspreise bald wieder nach unten gehen, wagt HVG-Geschäftsführer Schupp nicht: "Das käme einem Blick in die Glaskugel gleich." Er sagt dies mit dem Wissen, dass Hedgefonds zunehmend den Gasmarkt für sich entdecken und spekulieren.