Enzian und Wolkenbruch: Heino-Fans warten geduldig

Sinsheim  Eigentlich ist bei Heinos Auftritt auf dem Dorffest in Sinsheim-Dühren alles nur Erdenkliche schief gegangen. Am Ende wurde der Volksmusik-Star begeistert gefeiert. Die Veranstalter wollen mit ihrem Promi-Zirkus künftig trotzdem einen Bogen um das Dorf machen.

"Unglaublich." Daniel Mieth schüttelt nur noch den Kopf, während es in Dühren schüttet, was nur geht. Der Internetunternehmer aus Untereisesheim hat den viel beachteten Auftritt des 80-Jährigen mit eingefädelt. Heino ist pünktlich da und gut gelaunt. Das Fernsehen ist gleich mit zwei Teams am Start, die noch überschaubare Menge an Zuschauern hat sich vor dem Wolkenbruch unter Schirmen in Sicherheit gebracht. "Das Wetter ist ja wie bei uns", lacht Rita Ricker.

Fans reisen mehrere Hundert Kilometer weit an

Mit ihrem Mann Thomas ist sie aus dem Sauerland angereist, fast 300 Kilometer sind das. "Heino wollten wir schon immer mal sehen", sagt sie bester Stimmung. Vor allem sind sie aber wegen Nic hier, dem Schlagersänger, der heute nach eineinhalb Jahren Pause sein Comeback feiern soll. Als der Regen nachlässt, gehen alle Lichter aus. Kurzschluss. Peter Batzdorf, Organisationschef der örtlichen Vereine, ist völlig durchnässt und steht ratlos auf der Bühne.

Irgendwann bekommen die Techniker den Laden doch noch klar. Seltsamerweise ist es während des Regengusses immer voller geworden. Als Nic auftritt und "Einen Stern" anstimmt, ist richtig was los. Und dann ist er dran. Heino. Der Mann, der 50 Millionen Platten verkauft hat. Der seit einer gefühlten Ewigkeit im Musikgeschäft ist und der sich zuletzt mit einem Ausflug in die Rockmusik neue Zielgruppen erschlossen hat.

Er müsse erstmal seine Playlist anschauen, scherzt er. "Bei den Konzerten sind ja junge Leute, mittelalte, alte und ganz alte wie ich", sagt der 80-Jährige. Er trifft den Ton. Auch wenn der Techniker noch x-mal anrücken muss, weil mit dem Knopf im Ohr etwas nicht stimmt. Teure Heimat, Blauer Enzian, Sierra Madre, aber auch "Junge" von den Ärzten. Die Menge schwoft, mittlerweile mögen es an die 1500 Zuschauer sein. Am Ende lassen die Dührener den Star mit Heino-Heino-Sprechchören nur widerwillig von der Bühne.

Promi-Auflauf in Dühren könnte vorbei sein

Heino in Dühren, wie kommt das? "Ich bin ein Volkssänger", sagt der 80-Jährige am Rande des Auftritts. "Mir macht es Spaß, auf Dorffeste zu gehen." Letztlich ist es so gelaufen: Daniel Mieths Tochter Nicole, die ebenfalls als Sängerin im Line-up war, ist die Lebensgefährtin des Wiener Künstleragenten Helmut Werner. Dieser hat gute Kontakte, letztes Jahr hat er den Baulöwen Richard "Mörtel" Lugner nach Dühren geholt.

Dass das jetzt so weiter geht mit dem Promi-Auflauf, ist eher unwahrscheinlich. Manche Vereinsvertreter, so war zu hören, zeigten sich verärgert, dass ihr Fest zu Heino-Festspielen gerät. Das wiederum bewegt die Strippenzieher, sich etwas anderes zu suchen. Daniel Mieth kann die Kritik nicht nachvollziehen. Man nehme niemandem die Butter vom Brot: "Wir bringen die Butter." Heinos Auftritt lief am Ende jedenfalls wie geschmiert.

 


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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