Energiewende als oberstes Ziel

Neckarwestheim/Kirchheim  Zum neunten Fukushima-Jahrestag haben 700 Atomkraftgegner demonstriert. Vom Bahnhof Kirchheim aus ging es Richtung Gemeinschaftskernkraftwerk. Die Demonstranten widmeten sich dem Klimaschutz.

Von Ines Schmiedl
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Energiewende als oberstes Ziel

Der Protestzug führte vom Kirchheimer Bahnhof zum Parkplatz vor dem Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim.

Foto: Ines Schmiedl

"Klimaschutz braucht Energiewende" - auf dieses Credo einigten sich die Gruppen des Bündnisses Fukushima-Neckarwestheim bei einer Demonstration am Sonntag. Ausgangspunkt des Zugs war der Kirchheimer Bahnhof, es ging in Richtung Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim. Der Anlass war der neunte Jahrestag der Fukushima-Katastrophe am 11. März 2011. Schon von weitem konnte man die rhythmische Percussiongruppe Lokomotive Stuttgart hören.

Bericht einer Japanerin, die oft vor Ort ist

Über die Situation vor Ort berichtete die Japanerin Nagomi Norimatsu, die seit vielen Jahren in der Region lebt und oft in ihre Heimat reist. Besonders geärgert hat sie sich über den Freispruch der drei Geschäftsführer des Atomkraftwerks in Fukushima vor wenigen Tagen, die für den Supergau nicht verantwortlich gemacht werden - obwohl Sicherheitsmängel nachgewiesen werden konnten.

Fukushima liegt in einer Erdbebenregion, für die besondere Vorschriften gelten. Diese Vorschriften seien nicht eingehalten worden, was vor neun Jahren zu der Katastrophe geführt hat. Die japanische Regierung möchte mit Hilfe der Olympischen Spiele 2020 weismachen, es sei alles in Ordnung - nicht nur in Tokio, auch in der Präfektur Fukushima finden Wettkämpfe in Baseball und Softball statt. Das sei unverantwortlich, so Jörg Schmid.

Blick auf Block II

Von Spannungsrissen an insgesamt 400 Heizrohren und Korrosion im noch nicht stillgelegten Block II des GKN in Neckarwestheim berichtete Ingenieur Hans Heydemann. Eine Petition zum sofortigen Abschalten des Atomblocks ist auf dem Weg. Für eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien sprach sich Christfried Lenz aus. Passend dazu hatten die Initiatoren eine Installation auf Höhe der "Schönen Aussicht" oberhalb von Kirchheim aufgebaut, die ein Zeichen setzen soll, wie durch Photovoltaikmodule umweltfreundlich Energie produziert werden kann. Zum Zusammenschluss der Gruppen rief Herbert Würth vom Bündnis Fukushima Neckarwestheim auf: "Erstmals seit zehn Jahren sind wieder sechs Castoren vom britischen Sellafield auf dem Weg nach Biblis. Wir müssen die Castoren stoppen und den Transport verhindern."

Die nach eigenen Angaben 700 Atomkraftgegner waren generationsübergreifend unterwegs. Nach der Begrüßung durch Ines Eixelsberger vom Aktionsbündnis Castorwiderstand Neckarwestheim kam Obai Algahet von der Fridays-for-Future-Bewegung aus Heilbronn zu Wort: "Wir demonstrieren seit einem Jahr für unsere Ziele, aber die Politik hört uns nicht, vor Ort haben wir noch nichts erreicht", so das Fazit des Bad Friedrichshallers. Der Schüler war mit einer Gruppe unterwegs: "Wir sind eine große Gemeinschaft, die die Welt zu einem besseren Ort für alle Lebewesen machen wollen."


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