Energie trifft auf ungebrochene Neugierde

Region  Elisabeth Ott löst Thomas Schmitz nach 30 Jahren als Schuldekanin der katholischen Kirche für den Raum Heilbronn ab. Wir haben uns mit beiden über die Rolle von Religion an Schulen unterhalten.

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Als sie noch als Religionslehrerin arbeitete, dachte Elisabeth Ott tatsächlich, "dass Schuldekane alte Herren sind". Das habe sich mittlerweile gewandelt, sagt Ott und ist ein gutes Beispiel. Seit kurzem ist sie die neue Schuldekanin für Heilbronn. Die 56-Jährige ist nun verantwortlich für die Umsetzung der von der Katholischen Kirche in Absprache mit der Kultusbehörde ausgearbeiteten Unterrichtsinhalte im Fach Religion. Darüber hinaus für die Fortbildung der Lehrenden und deren Beratung. Zudem sitzt sie Prüfungen im Referendariat bei.

Erfahrungen aus der Praxis

Elisabeth Ott sitzt mit ihrem Vorgänger Thomas Schmitz in der Bibliothek des Religionspädagogischen Instituts (RIP) im Heinrich-Fries-Haus. Als Schuldekanin leitet Ott auch das RIP. Sechs Mitarbeiterinnen beraten dort kostenlos alle Interessierten, nicht nur Lehrkräfte. Es gibt eine Bibliothek mit Fachzeitschriften, Kinder- und Jugendbüchern sowie Spielen und Lern- und Arbeitsmaterial. "Ich habe immer sehr gerne Lehramtsanwärter hierhergeschickt", erinnert sich Ott. Sie sitzt mit ihrem Vorgänger Thomas Schmitz beim Kaffee. Drei Jahrzehnte war Schmitz als Schuldekan in Heilbronn tätig. Nun sei er kein bisschen wehmütig: "Ich finde es gut, wenn Menschen mit frischer Energie nachkommen."

Ott bringt nicht nur Energie mit, sie ist auch erfahren und offen. Die Anforderung an ihre Stelle kennt die ehemalige Religionslehrerin und studierte Theologin aus der Praxis. Sieben Jahre war sie Fachleiterin Religion am Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte in Sindelfingen. Dort hat sie Lehrer für katholischen Religionsunterricht ausgebildet: "Vor kurzem habe ich die Hausarbeit einer Lehramtsanwärterin begleitet. Sie hat sich mit der Frage beschäftigt, warum nur männliche Personen die Hauptfiguren in biblischen Geschichten sind." Mit ihrer Klasse habe sie daraufhin die Rolle der Frauen in der Bibel herausgearbeitet.

Frauen in der Bibel

Auch Thomas Schmitz ist der Meinung, dass es im biblischen Kontext viele Frauen gibt. "Vielleicht müssen wir sie im Unterrichtsmaterial tatsächlich präsenter herausarbeiten." Er betont, dass die letzten sechs Schuldekanatsstellen bei der Katholischen Kirche mit Frauen besetzt worden seien. "Das liegt am allgemeinen Trend im Bildungswesen, das insgesamt weiblicher wird", sagt Schmitz.

Ott sieht das anders und denkt zurück an das eigene Studium: "Als ich ausgebildet wurde, gab es auch schon überwiegend Frauen an der Pädagogischen Hochschule." Die Mutter dreier Kinder begrüßt es, dass sich die Katholische Kirche mit dem synodalen Weg öffnen möchte: "Aber wie sich die Kirche in Zukunft entwickelt, spielt für meine Arbeit hier keine Rolle." Nach wie vor dürfen Frauen in der Katholischen Kirchen kein Weiheamt übernehmen und so nicht Diakonin Priesterin oder Bischofin werden. Das soziale Miteinander und die Gleichheit von Menschen seien unabhängig von äußeren Entwicklungen zentrale Themen des Religionsunterrichts. "Wir fragen uns: Wie ist der Mensch zu sehen? Ist er in engen Rollenbildern gefangen?" Oder eben doch veränderlich und der Zukunft zugewandt.

Personalmangel und schrumpfende Gemeinden

Auch Thomas Schmitz ist nach 30 Jahren ein Mensch mit ungebrochener Neugierde. Vor kurzem hat er eine Fortbildung besucht. "Nun werde ich Menschen, die andere Fächer studiert haben, zu Religionslehrern fortbilden." Da immer weniger den Beruf direkt ergreifen, müssen Lehrkräfte nachqualifiziert werden.

Ebenfalls in den Kirchengemeinden herrsche Schwund. Besonders in den Kinder- und Jugendgruppen. "Daher wollen wir das Angebot der Gemeinden, nach Absprache mit der Leitung, an den Schulen anbieten", sagt Schmitz, der das Projekt in seiner Amtszeit anstieß. Eine Missionierung an den Schulen bedeutet das nicht, betont Ott: "Das Angebot soll säkular sein, aber unsere Mitarbeiter sind als Christen erkennbar." Angedacht seien eine Hausaufgabenhilfe und Lesepaten. Ergänzend sollen Schülercafés oder der wöchentliche Verkauf von Fair-Trade-Produkten in Eine-Welt-Läden angeboten werden.


Was ist der Synodale Weg?

Der "Synodale Weg" ist ein Gesprächsprozess über die Zukunft der Katholischen Kirche im St.-Bartholomäus-Dom in Frankfurt am Main. Anlass sind Fälle sexuellen Missbrauchs.In der Synodalversammlung diskutieren die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und weitere Vertreter geistlicher Dienste und kirchlicher Ämter und Jugendliche.

Die Themen sind: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft, Priesterliche Existenz heute und Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche. Um einen Beschluss zu fällen bedarf es einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe. 

 


Daub

André Daub

Volontär

André Daub arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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