Emotionales Schauspiel über die Rechte von Kindern

Löwenstein  Inklusive Theatergruppe aus Bethlehem zieht Lichtenstern-Bewohner mit "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" in ihren Bann.

Von Kirsi-Fee Rexin
Emotionales Schauspiel über die Rechte von Kindern

Bühnenbild und Requisiten brachte die Inad-Theatergruppe aus Bethlehem mit. Den Lichtenstern-Bewohnern gefiel das emotionale Schauspiel.

Foto: Mario Berger

"Alle Staaten der Erde reden über Kinderrechte, aber die Wirklichkeit sieht anders aus", erklärte Khalid Massou. "Dabei sind sie doch das Wichtigste für unsere Zukunft."

Diese Botschaft übermittelte der Direktor des inklusiven Inad-Theaters aus Bethlehem mit seiner zehnköpfigen Gruppe an diesem Wochenende den Bewohnern und Mitarbeitern der Evangelischen Stiftung Lichtenstern mit zwei emotionalen Aufführungen von "The Little Match Girl".

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Vor bunt bemalter Kulisse aus Tüchern erzählte die Gruppe das tragische Märchen von Hans Christian Andersen "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern": Ein Mädchen wird am Silvesterabend von seinen Eltern nach draußen geschickt, um Schwefelhölzchen zu verkaufen. Doch niemand kauft eines, und so erfriert das Kind. Obwohl das Schauspiel in Arabisch aufgeführt und nur teilweise von William Abu Dayyeh übersetzt wurde, zog die Gruppe aus palästinensischen Christen und Muslimen die Zuschauer völlig in ihren Bann.

Mit schwungvollen Tänzen, orientalischer Musik, schönem Gesang und ausdrucksstarken Szenen schafften es Yasmin (gespielt von Emila Massou mit Yasmeen Al Haj und Hadeel Ismail), ihre Mutter (Latifa Kanan), ihr Vater (Shourky Mourra), der König (Hasan Abu Hadeel) und sein Minister (Elias Zabakly), die Aufmerksamkeit der Zuschauer die komplette Spielzeit über zu gewinnen und sie zum begeisterten Mitklatschen und Mitwippen zu animieren. "Ich finde, dass die fremde Sprache überhaupt kein Problem war. Die Botschaft und die Stimmung waren wichtig, und das kam alles super rüber", fand Ann-Kathrin Hanauer.

Die Inad-Theatergruppe hat eine weite Reise auf sich genommen

Dass die Inad-Theatergruppe die weite Reise nach Löwenstein auf sich genommen hat, ist den Kontakten von Bernd Lindauer, pädagogischer Theaterleiter in Lichternstern, und Dietmar Coors, Theaterbeauftragter der evangelischen Landeskirche in Deutschland, zu verdanken. Gegründet hat Khalid Massou das Inad-Theater 1989 in Bait Dschala. "Übersetzt heißt Inad ,Den widrigen Verhältnissen mit friedlichen Mitteln trotzen'", erklärte der Regisseur. Für das Stück probte die Gruppe zwei Monate. Bei der Zusammenarbeit mit den geistig behinderten Schauspielern wende er bestimmte Techniken an. "Bei uns sind Ziele ganz wichtig. Zum Beispiel, dass Hasan eine Minute auf der Bühne singt oder Elias den Stuhl von hier nach dort stellt."

Inad ist das einzige Theater in Palästina, das mit Behinderten arbeitet. Khalid Massou möchte mit seiner Arbeit erreichen, dass Menschen mit Handicap künftig akzeptiert und vollständig in die Gesellschaft integriert werden. "Diese Vision ist es, die Lichternstern und Inad über die Grenzen der Länder hinweg verbindet", bestätigte Sybille Leiß, Vorsitzende der Lichtensternstiftung.

 


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