Eltern ärgern sich über Bus-Kontrolleure

Heilbronn  Zwei Kontrolleure sollen einer schwarzfahrenden Elfjährigen in einem Heilbronner Bus mit der Polizei gedroht haben. Der Fahrdienstleiter der Stadtwerke äußert Verständnis für die Kritik einer Mutter, stellt sich aber vor seine Mitarbeiter.

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Der Ärger von Melanie Bauer ist groß. Die 41-jährige Mutter aus Sontheim wirft Bus-Kontrolleuren der Heilbronner Stadtwerke vor, zu rabiat und unsensibel vorzugehen. Ihre elfjährige Tochter sei völlig aufgelöst gewesen nach ihrer ersten Erfahrung mit dem Thema Schwarzfahren. Bei den Stadtwerken hält man die Vorwürfe im Wesentlichen für überzogen.

Melanie Bauer schildert den Vorfall so: Ihre elfjährige Tochter, eine Fünftklässlerin der Heilbronner Mörike-Realschule, war zusammen mit einer Freundin nach der Schwimm-Schulstunde im Soleo auf dem Nachhauseweg nach Sontheim. Sie fuhren ausnahmsweise nicht mit dem Lehrer mit, sondern einen Bus zehn Minuten später. "Da das Haare föhnen länger dauerte", sagt Melanie Bauer. Die Eltern haben unterschrieben, dass die Kinder alleine Bus fahren dürfen.

Kinder sollen sich mehrmals entschuldigt haben

Vor lauter Schulschwimmen seien die Mädchen in den Bus eingestiegen, ohne für die Fahrt zu bezahlen. "Sie wurden dann während der Fahrt von zwei Kontrolleuren kontrolliert", berichtet Bauer. "Die Kinder erzählten, dass sie vom Schwimmen von der Schule kommen und vergessen haben, dass sie bezahlen müssen. Die Kontrolleure sagten den Kindern gleich, dass jetzt ihre Eltern angerufen werden." Und wenn die nicht erreichbar seien, werde die Polizei alarmiert.

Melanie Bauer berichtet weiter, ihre Tochter habe vor Angst geweint und zu den Kontrolleuren gemeint, dass es ihr leidtue und sie noch Geld im Schulranzen habe und jetzt bezahlen könnte. "Der Kontrolleur meinte, dass es jetzt zu spät wäre", sagt Bauer. Ihre Tochter habe sich mehrfach entschuldigt, sie seien aber kalt geblieben und nicht auf die Kinder eingegangen.

Fahrdienstleiter Müller: "ganz normale Fahrkartenkontrolle"

Steffen Müller, Fahrdienstleiter der Stadtwerke, stellt sich vor seine Kontrolleure. Er könne die erste Reaktion der Mutter "absolut nachvollziehen", allerdings habe er mit den beiden Kontrolleuren gesprochen und es sei demnach nicht so gewesen, dass sie den Kindern "gedroht" hätten. Es sei eine ganz normale Fahrkartenkontrolle gewesen, so Müller weiter. Und die Kontrolleure "müssen alle gleich behandeln". Bei Kindern eine Ausnahme zu machen, hält Steffen Müller für keine gute Idee. "Es kann sich kein Kontrolleur dem Vorwurf aussetzen, willkürlich zu handeln."

Zumal die Kontrolleure ihm gegenüber sagten, dass sie versucht hätten, die Mädchen zu beruhigen. Fingerspitzengefühl sei gefragt. Müller: Unglücklich gewesen sei der Hinweis an die Mädchen, dass ihre Adresse entweder von den Eltern bestätigt oder von der Polizei festgestellt werden müsse. "Es kann immer etwas verbessert werden", sagt Steffen Müller.

Großer Zuspruch auf Facebook-Beitrag

Melanie Bauer beschreibt den Fortlauf der Situation so: "Total in Panik und nur am Weinen, gab meine Tochter einem Kontrolleur ihr Handy mit meiner Telefonnummer, da sie vor lauter Weinen keinen Ton mehr rausbrachte. Der Kontrolleur rief dann bei mir an, er habe meine Tochter beim Schwarzfahren angetroffen, es kostet 60 Euro. Adressenabgleich, danach legte er auf." Sie sei total entsetzt gewesen, habe ihre Tochter auf dem Handy zurückgerufen. "Im Hintergrund hörte ich auch ihre Freundin weinen", so Bauer. An einer Bushaltestelle auf halbem Weg mussten die Mädchen aussteigen. Melanie Bauer unterbrach ihre Arbeit und fuhr hin, um die beiden abzuholen. Die Mädchen hätten auch einfach in den nächsten Bus steigen und ein Ticket lösen können. Aber wie Melanie Bauer sagt, seien die beiden mit der Situation überfordert gewesen.

Auf Facebook schrieb sie sich ihren Frust von der Seele und bekam großen Zuspruch. Bauer ist der Ansicht: "Es hätte gereicht, wenn man den Kindern mit elf Jahren sagt, ihr müsst da nächstes Mal daran denken nach eurem Schulschwimmen, wenn der Lehrer nicht dabei ist, selbstständig euer Ticket zu lösen. Mich anrufen und in Kenntnis setzten, dass ich da auch in Zukunft meine Tochter darauf hinweise. Das wäre schon Strafe genug gewesen." Man spreche hier von einem Kleinbetrag, der es nicht rechtfertige, "Kinder so fertigzumachen".

Mehr Kontrollen, daher auch mehr Verstöße

Nach Angaben von Steffen Müller, Fahrtdienstleiter der Heilbronner Stadtwerke, nahm in den vergangenen sechs Monaten die Kontrolldichte im städtischen Busverkehr zu. Hintergrund sei, dass festgestellt wurde, dass einige Menschen ohne Monatskarten unterwegs waren. Durch die zunehmende Präsenz der Kontrolleure erhöhe sich auch die Zahl der festgestellten Verstöße, erklärt Müller.


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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