Elektronische Parkscheibe statt Ärger mit Strafzetteln

Heilbronn  Wer keine Lust mehr hat auf teure Überraschungen am Parkplatz, kann sein Auto auch mit ungewöhnlichen Mitteln nachrüsten. Doch ist die elektronische Parkscheibe im Straßenverkehr überhaupt zulässig?

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Elektronische Parkscheibe statt Knöllchen-Ärger

Vergangene Woche kontrollierten Mitarbeiter des Ordnungsamts auf der Theresienwiese ganz genau. Den kostenlosen Parkbereich sperrten sie mit Band ab.

Foto: Yilmaz

Vermutlich haben bereits Tausende Menschen in der Region ihre Erfahrungen gemacht mit der Firma Park & Control, die im Auftrag von Händlern private Parkplätze kontrolliert. Es gibt allerdings einen einfachen Weg, sich Knöllchen-Ärger zu ersparen - ohne jedes Mal an die Parkscheibe denken zu müssen: die elektronische Parkscheibe.

Sie ist bei unterschiedlichen Herstellern zu bekommen und kostet in der Regel bis zu 30 Euro. Sie wird dauerhaft an der Windschutzscheibe befestigt. Nach Angaben von Dieter Roßkopf, Heilbronner Anwalt für Verkehrsrecht, ist das zulässig; unter bestimmten Voraussetzungen. Die elektronische Parkscheibe mit digitaler Zeitanzeige müsse eine Typengenehmigung vorweisen. Beim Abstellen des Motors stellt sie sich automatisch auf den Anfang der Parkzeit ein. Es gibt auch elektronische Parkuhren, die mitlaufen und die Abstellzeit nachkorrigieren - das ist aber verboten. Der Zeitpunkt des Abstellens darf sich nicht verändern. Über dem Display muss "Ankunftszeit" stehen. Für alle, die gerne einmal die Parkscheibe vergessen: Was nicht genügt, ist ein handschriftlicher Zettel auf dem Armaturenbrett mit einer Info.

Gelbe Knöllchen: Nur noch Langzeitparker bekommen richtig Ärger

Die Situation um private Parkplätze hat sich nach Angaben von Thomas Gauß von der Stadtinitiative allerdings zwischenzeitlich deutlich entspannt. Es gäbe für den Media-Markt-Parkplatz die Absprache mit Park & Control, dass nur noch Autos beanstandet werden, die nachweislich länger als eine Stunde ohne Parkscheibe dort parken. Es sei sogar so geregelt worden - "zur Fehlervermeidung" -, dass die Kontrolleure vor dem Ablauf einer Stunde gar keine Knöllchen mehr ausstellen könnten. Damit seien nur noch Langzeitparker, die auch nicht zur Kundschaft der umliegenden Geschäfte gehörten, von Kontrollen betroffen, so Gauß.

Ein juristisches Schlupfloch zum Verlängern der Parkzeit gibt es dennoch - für alle, die dort mal noch länger als zwei Stunden einkaufen wollen. Wer um den Block fährt und wiederkommt und dann auch zufällig den Parkplatz noch immer frei vorfindet, darf nach Angaben von Verkehrsanwalt Dieter Roßkopf diesen erneut nutzen. Es genüge aber nicht, kurz den Motor anzumachen, etwas nach hinten zu fahren und wieder nach vorne, sagt Roßkopf und lacht.

Schüler werfen Stadt Abzocke vor

Um vergessene Parkscheiben ging es vergangene Woche auch unter Schülern, die auf der Theresienwiese geparkt hatten. Furkan Yilmaz, 22, wirft der Stadt Abzocke vor. Der einzige Parkautomat dort sei defekt, die Münzen seien wieder herausgepurzelt.

Die Stadtverwaltung fühlt sich aber nicht mit Park & Control vergleichbar. "Der Vergleich ist haltlos. Die Stadt verfolgt mit den Kontrollen keine wirtschaftlichen Interessen", sagt Claudia Küpper, Sprecherin der Stadt. Am 14. November habe das Ordnungsamt auf der Theresienwiese 162 Fahrzeuge beanstandet (zehn Euro Strafe), teilt sie mit - wegen nicht eingelegter Parkscheiben. "Da die Beschilderung an den Automaten eindeutig ist, ist eine Rückerstattung nicht vorgesehen", sagt Küpper. Der Vollzugsdienst der Stadt zeige sich "insofern kulant, dass er auch handgeschriebene Zettel mit der Ankunftszeit akzeptiert".


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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