Einer der ersten Online-Ärzte praktiziert in Neckarsulm

Neckarsulm  Der Neckarsulmer Orthopäde und Unfallchirurg Boris Brand berät eigene Patienten regelmäßig per Tele-App. Seine Erfahrungen mit Möglichkeiten und Grenzen der Videosprechstunde sind in ganz Deutschland gefragt.

Von Valerie Blass
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Einer der ersten Online-Ärzte praktiziert in Neckarsulm

Über das Tablet hält der Neckarsulmer Orthopäde Boris Brand Videosprechstunde. Solch ein digitales Angebot sei ein wichtiger Teil der medizinischen Versorgung der Zukunft, findet er.

Foto: Mario Berger

Außerhalb des Modellprojekts Doc Direkt gibt es wenige Mediziner, die regelmäßig als Telearzt arbeiten. Seit gut zwei Jahren behandelt der Neckarsulmer Orthopäde und Unfallchirurg Boris Brand (55) ausgewählte Bestandspatienten auch per Video − als einer der ersten im Land.

Seine Erfahrungen sind gefragt, Brand ist bundesweit bei Kongressen unterwegs, um Kollegen über Möglichkeiten und Grenzen der Online-Konsultation zu informieren.

 

Wann kommt der digitale Arzt flächendeckend?

Boris Brand: Das digitale Angebot wird den klassischen Arzt nie ersetzen, das halte ich auch weder für wünschenswert noch für machbar. Trotzdem stellt die Videosprechstunde eine gute Ergänzung dar − zum Beispiel bei der Wundkontrolle oder wenn es darum geht zu besprechen, ob eine Medikation wirkt oder die Therapie verändert werden muss. Für mich ist außerdem der Servicegedanke wichtig.
 

Wie meinen Sie das?

Brand: Warum sollte der Patient zu meiner Praxis fahren, einen Parkplatz suchen, im Wartezimmer sitzen, wenn er sich von seinem Arbeitsplatz oder von zu Hause aus digital zu einer vereinbarten Zeit bei mir einwählen kann? Das spart doch für alle Beteiligten Zeit und Nerven.
 

Sehen Ihre Kollegen das auch so?

Brand: Bis vor wenigen Jahren gab es nach meiner Wahrnehmung viel pauschale Ablehnung. Diese negative Grundstimmung ist inzwischen einer gesunden Skepsis gewichen − gepaart mit einem großen Interesse daran, wie und ob das alles funktioniert. Das merke ich nach jedem Vortrag.
 

Was bringt das Ganze den Ärzten?

Brand: Die Vergütung ist nicht auskömmlich, das muss sich noch ändern. Auch bei der Haftungsfrage gibt es Klärungsbedarf. Aber man muss auch das große Ganze sehen. Wollen wir wirklich, dass deutsche Ärzte von ausländischen Telemedizin-Anbietern − zum Beispiel aus der Schweiz − abgeworben werden und dann für die Patientenversorgung in Deutschland nicht mehr zur Verfügung stehen? Das passiert bereits. Oder wollen wir, dass ausländische Call-Center-Ärzte eine Videosprechstunde für deutsche Patienten anbieten? Auch das gibt es. Ich finde, wir sollten lieber selbst, aus unserer Ärzteschaft heraus, ein breites digitales Angebot für die Bevölkerung in der jeweiligen Region aufbauen.
 

Kann es dem Patienten nicht egal sein, welchen Arzt er auf dem Bildschirm sieht?

Brand: Der Arzt vor Ort hat die Möglichkeit, den Patienten persönlich in seine Sprechstunde einzubestellen, sollte er das nach der Video-Konsultation für notwendig erachten. Ein ausländischer Call-Center-Arzt kann das nicht.
 

Mancher Arzt hat Angst vor der technischen Hürde. Wie kompliziert ist das alles?

Brand: Ich bin wahrlich kein Technik-Freak. Das System, mit dem ich arbeite, ist gut handelbar und läuft unabhängig von der Praxis-EDV. Ich bin überzeugt davon, dass die Online-Sprechstunde wichtiger Teil der medizinischen Versorgung der Zukunft ist, deswegen stelle ich mich rechtzeitig darauf ein.

 

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