Ein Salzstein für den neuen evangelischen Kirchenchef von Heilbronn

Heilbronn  Dekan Christoph Baisch wurde am Wochenende feierlich in sein Amt eingeführt. Nach den Ermittlungen im Fall eines strafffälligen Kindergartenleiters wird er heiß ersehnt.

Von Carsten Friese

Ein Salzstein für den neuen Kirchenchef

Nach dem Einzug: der neue Dekan Christoph Baisch (Mitte) neben Prälat Harald Stumpf (li.) und Kilianskirchenpfarrer Hans-Jörg Eiding.

Foto: Ralf Seidel

Als Christoph Baisch gestern Abend um 18 Uhr in der Kilianskirche die Worte "Ja - und Gott helfe mir" laut ausspricht, geht eine schwierige Zeit zu Ende. Nach rund neun Monaten Vakanz haben die 66.000 evangelischen Christen im Kirchenbezirk Heilbronn nach Otto Friedrich wieder einen Dekan.

Von Prälat Harald Stumpf wird Baisch (57) im Beisein seiner Familie ins Amt eingeführt und gesegnet. Als "Brückenbauer" und besonnenen Menschen, der bei Konflikten gut vermittelnd und fürsorgend agiert, würdigt der Prälat den neuen Dekan. Seine "innere Gelassenheit" solle er sich bewahren.

Wie ersehnt der neue Mann am Steuerruder ist, verdeutlicht Dr. Henning Hoffmann von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Heilbronn. In turbulenten Zeiten haben man lange auf ihn warten müssen, spielt er auf die Ermittlungen und Kindesmissbrauchvorwürfe gegen einen früheren Kindergartenleiter an. "Solche Turbulenzen wünschen wir Ihnen nie", sagt Hoffmann - dafür aber viel Erfolg.

In Predigt den Einsatz für ein Leben in Würde aller Menschen eingefordert

Musikalisch umrahmt wird die Feier vom Posaunenchor Heilbronn und dem Bach-Chor der Kilianskirche. In seiner ersten Predigt in Heilbronn greift Christoph Baisch die Bibelsätze "Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt" auf. Er verdeutlicht, dass Licht und Salz kein Selbstzweck seien, dass man es "anderen zugute" kommen lassen soll. Die heutige Welt brauche dringend ein aufmerksames, kritisches, weltoffenes Mitdenken und Mitreden, "das sich einmischt für ein Leben in Würde" aller.

Man solle sich wehren gegen Versuche, "diese Würde nur auf bestimmte Personenkreise einzugrenzen". Licht der Welt, Salz der Erde, "was für ein Kompliment - und was für ein Auftrag", schließt er seine Predigt.

Pfarrer in einer Diaspora-Gemeinde, einer Stadtrandgemeinde, zuletzt in einer Innenstadtgemeinde in Schwäbisch Hall - so skizziert der 57-Jährige sein Lebenspuzzle. Er ist Vorsitzender der Württembergischen Pfarrervertretung, seit 30 Jahren verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und einen Enkel.

OB Mergel nennt Zusammenhalt der Stadtgesellschaft wichtigstes Ziel

"Wir bekommen einen hervorragenden Nachfolger", wendet sich Oberbürgermeister Harry Mergel im Grußwort an den neuen Dekan. Das wichtigste Ziel des Handelns sei der Zusammenhalt der Stadtgesellschaft. Dies sei "ein harter Weg", auf dem Mergel ihn als Partner willkommen heißt. Ein Buch "Heilbronner Köpfe" gibt es dazu.

Einen Salzstein aus dem heimischen Salzbergwerk überreicht der stellvertretende katholische Dekan Roland Rossnagel an den neuen Kirchenkollegen und klärt gleich über ein wichtiges ökumenisches Projekt auf der Bundesgartenschau auf.

Hannes Finkbeiner spricht als Kilianskirchen-Gemeinderat ein herzliches Willkommen aus und verweist auf die Überforderung und Sprachlosigkeit im brisanten Fall um den straffälligen Erzieher. Man habe sich "mehr Unterstützung von unserer Landeskirche erwartet". Mit dem neuen Dekan beginne nun "ein Aufbruch in eine bessere Zukunft".

 


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