Ein Preis für Zivilcourage an Schulen

Region  Dieser Preis will ein Zeichen für Aufmerksamkeit und Verantwortung setzen. Bis zum 31. Januar können sich Schulen mit Projekten um den Zivilcouragepreis bewerben.

Von Tanja Ochs

Aufeinander zugehen und füreinander einstehen

Unter Jugendlichen ist Mobbing keine Seltenheit. Schulsozialarbeiter trainieren mit präventiven Programmen das Miteinander in der Schulgemeinschaft. Dort ist jeder aufgefordert, Zivilcourage zu zeigen. Foto: gemena communication/stock.adobe.com

Für andere einstehen, respektvoll miteinander umgehen, lernen, die eigene Meinung mit sachlichen Argumenten zu vertreten und den Anderen akzeptieren. Dafür bieten Schulosozialarbeiter an allen Schulen Programme und Projekte an, die auf Konfliktlösung und Prävention setzen.

Die besten davon werden jedes Jahr mit dem Zivilcouragepreis der Heilbronner Stimme, der Heilbronner Bürgerstiftung und dem Präventionsverein Sicher im Heilbronner Land in der Kategorie Schulen ausgezeichnet. Mit dem Preis setzen die Initiatoren ein Zeichen für mehr Aufmerksamkeit und Mitverantwortung.

Teil der täglichen Arbeit

Dafür engagieren sich Sozialarbeiter jeden Tag vor Ort: "In unserer täglichen Arbeit steckt ganz viel Zivilcourage drin, auch wenn es nicht immer so heißt", sagt Lea Herrmann, die am Schulzentrum in Bönnigheim arbeitet. Dort betreut sie Schüler in der Realschule und im Gymnasium. Erst im vergangenen Jahr hat das Alfred-Amann-Gymnasium die Auszeichnung "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" erhalten und sich damit verpflichtet, für Zivilcourage einzustehen.

Das Zertifikat wird bundesweit vergeben, wer es an die Schultür schraubt, verpflichtet sich, jedes Jahr mindestens ein Projekt "mit Courage" umzusetzen. "Die Ideen dafür kommen von den Schülern selbst", erklärt Lea Herrmann. Derzeit beteiligen sich die Gymnasiasten beispielsweise am Briefmarathon von Amnesty International und setzen sich für Menschen ein, die zu Unrecht in Haft sitzen.

Gerade in Schulen sei Zivilcourage ein großes Thema, sagt Tanja Kaiser. Sie leitet den Bereich kommunale Kinder- und Jugenförderung bei der Diakonischen Jugendhilfe Region Heilbronn (DJHN), die in 17 Gemeinden aktiv ist und im Auftrag von Kommunen 38 Schulsozialarbeiter an verschiedenen Einrichtungen beschäftigt. Dort sei Zivilcourage gefragt, so Kaiser, und ein wichtiger Aspekt der präventiven Arbeit. Fragen wie "Wie gehe ich miteinander um?" oder "Wie trete ich für andere ein?" sind Bestandteile des Schulalltags.

Ausgrenzung verhindern

Im Klassenrat, beim Sozialtraining oder mit Figuren wie Benny lernen Kinder, sich einzubringen, aufeinander zuzugehen und das eigene Handeln besser einzuschätzen. Im besten Fall kann so von vorneherein Ausgrenzung vermieden werden. Andernfalls ist allerdings auch wieder die Schulsozialarbeit gefragt, vermittelnd, unterstützend und erklärend. "Wir wollen junge Menschen unterstützen, des Leben hinzubekommen", sagt Tanja Kaiser stellvertretend für die Schulsozialarbeiter. Die Vermittlung von sozialen Kompetenzen seien dabei wichtige Bausteine.

Neben festen Programmen gibt es in der Regel individuelle Schulprojekte. "Das entwickelt sich oft im Alltag", erklärt Tanja Kaiser. Wichtig sei, ein gemeinsames Verständnis von Zivilcourage zu erarbeiten, sich auf Werte zu verständigen und diese zu leben. "Im Grunde geht es überall um Zivilcourage", sagt die DJHN-Angestellte.

Andere im Blick haben

Es sei nicht mehr selbstverständlich, andere im Blick zu haben, erklärt Lea Herrmann. "Obwohl die Jugendlichen alle total vernetzt sind", drehe sich jeder um sich selbst. Gemeinschaft kann trotzdem entstehen, beispielsweise bei Projekten. "Wir wollen Schüler in ihrer Lebenswelt sensibilisieren." Wenn das gelingt, ist es ein Gewinn für alle: "Schüler sind die Gesellschaft von morgen", sagt Herrmann. Obendrein können Schulen damit gewinnen: In den drei Kategorien des Zivilcouragepreises haben die Initiatoren im vergangenen Jahr insgesamt 6000 Euro ausgeschüttet.

Bewerbungen sind bis zum 31. Januar möglich. Das Formular gibt es hier.

 

 


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