Ein Jahr Weltethos-Schule

Weinsberg  Die Grundwerte werden an diesen Schulen in den Fokus gerückt: Gymnasiasten an den Weltethos-Schulen setzen sich mit religions- und kulturübergreifenden Werten auseinander.

Von Tanja Ochs
Grundwerte in den Fokus gerückt
Hanna Wagner und Marcell Regel haben Bienenwachstücher hergestellt. Es sei wichtig, über Plastik-Alternativen nachzudenken, sagt der Elftklässler. Foto: Tanja Ochs

Ein Zertifikat als Verpflichtung: Seit einem Jahr ist das Justinus-Kerner-Gymnasium (JKG) in Weinsberg WeltethosSchule. Die gleichnamige Stiftung hat den Titel im Juni 2018 verliehen. Gleichzeitig wurde das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium (EHKG) in Heilbronn in den Kreis der bislang 19 Schulen aufgenommen, die die Idee der religions- und kulturübergreifenden Werte nicht nur theoretisch verankert haben, sondern deren Inhalte auch im Schulalltag umsetzen.

"Die Werte rücken in den Fokus", bestätigt der Weinsberger Direktor Jürgen Kovács. Schüler, Lehrer und auch Eltern nehmen die Verpflichtung wahr, die mit dem Bekenntnis zur Erklärung des Parlaments der Weltreligionen aus dem Jahr 1993 einhergeht. Friedliches Miteinander, Kommunikation, die Betonung interkultureller Gemeinsamkeiten und interreligiöses Lernen sind im Schulalltag gegenwärtig. "Uns war wichtig, dass das auch gelebt wird", betont Kovács.

Zugang zu den Grundwerten

Während das EHKG unter anderem im vergangenen Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen die Erinnerungskultur gepflegt hat, hat das JKG als großes Projekt eine Weltethos-Woche organisiert. Die letzte Schulwoche haben die rund 750 Schüler genutzt, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und "Zugang zu den Grundwerten" zu finden, wie es Kovács formuliert.

In 44 Projekten wurden Menschenrechte, Barrierefreiheit, Toleranz und Gewaltlosigkeit thematisiert. Dabei entstanden eigene Learning-Apps, ein Graffiti an der Schulwand und verschiedene Videos. Die Gymnasiasten haben sich mit den Weltreligionen beschäftigt, Musik aus aller Welt gehört und bei einem Sponsorenlauf Geld für eine Schule in Burundi gesammelt. Die Schule wurde für Eltern und Interessierte geöffnet.

Engagiert über den Bildungsauftrag hinaus

Die Landtagsabgeordneten Reinhold Gall (SPD) und Susanne Bay (Grüne) kamen zu Besuch. "Das Weinsberger Gymnasium engagiert sich über den Bildungsauftrag hinaus", lobte Gall. Es sei wichtig, das Leitbild zu leben. Ein solches wird derzeit mit der ganzen Schulgemeinschaft neu erarbeitet.

Die interreligiöse Gemeinschaft gebe es am JKG allerdings schon lange, betont Ethiklehrerin Hanna Peters. Das war Voraussetzung für den Titel, der alle fünf Jahre neu beantragt werden muss. "Darum muss man sich immer wieder bemühen", sagt Jürgen Kovács. Die Schüler besuchen Gotteshäuser, lernen voneinander und stellen die eigene Konfession in der Gemeinschaft vor. Außerdem gibt es in der Jahrgangsstufe einen Seminarkurs Weltethos.

Klima und Nachhaltigkeit

Bei den Projekttagen war auch der Klimaschutz als drängendes globales Thema allgegenwärtig. "Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema", sagt Hanna Peters. Auch die Erklärung der Vertreter der Weltreligionen aus Chicago wurde 25 Jahre nach der Unterzeichnung um "Fürsorge für die Erde" ergänzt.

Ein Fridays-for-Future-Workshop hat die Sorge ums Klima bei den Projekttagen am JKG aufgegriffen. "Es ist wichtig, das Thema in die Schule zu holen", weiß der Direktor. Während Geldbeutel aus Tetrapack oder Plastik-Alternativen wie Bienenwachstücher entstanden, haben die Schüler sich jahrgangsübergreifend mit den Fakten des Klimawandels vertraut gemacht.


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