Ein Bonfelder holt die Friedenskonferenz nach Deutschland

Bad Rappenau/Lindau  Der Bonfelder Ulrich Schneider organisiert die zehnte Weltkonferenz der Organisation Religions for Peace. Die findet mit 900 Religionsführern und Vertretern zivilgesellschaftlicher Organisationen und Regierungen im August in Lindau statt.

Von Ulrike Plapp-Schirmer
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Ulrich Schneider (Zweiter von rechts) mit Mitgliedern des Organisationsteams der Weltkonferenz bei der Besichtigung der Inselhalle in Lindau.

Foto: Christian Flemming

Die Stadt Lindau am Bodensee bereitet sich derzeit auf ihre Rolle als Gastgeberin vor. Von 19. bis 23. August findet dort die zehnte Weltkonferenz der Organisation Religions for Peace statt. Vorbereitet wird das Treffen von der „Stiftung Friedensdialog der Weltreligionen und Zivilgesellschaften“. Deren Geschäftsführer ist der Bonfelder Ulrich Schneider.

Schneider kennt sich mit Großveranstaltungen aus: Für die Durchführung von insgesamt acht Evangelischen und Ökumenischen Kirchentagen war er verantwortlich. 2017 hat Ulrich Schneider das Lutherjubiläum in Wittenberg für die Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) organisiert. Auf Initiative des Schweizers Dr. Wolfgang Schürer kommen in Lindau 900 ranghohe Religionsvertreter sowie Abgeordnete zivilgesellschaftlicher Organisationen und Regierungen zusammen, um Wege aus weltweiten Konflikten zu suchen.
 
Krafttanken in der Region
 
An einer Wand in Schneiders Haus hängt das Bild vom Abschlussgottesdienst des Ökumenischen Kirchentags in Berlin 2003. „Mit 200.000 Menschen war das die größte Veranstaltung, die ich je gemacht habe“, sagt der Bonfelder.

Über Pfingsten ist er nach Hause gekommen, um Kraft zu tanken. Schneider lebt und arbeitet eigentlich in Berlin und derzeit eben auch am Bodensee. Seinen Rückzugsort hat er in der Nähe seiner Eltern und seiner Freunde von der Kulturinitiative Blacksheep, deren Vorsitzender er seit 2012 ist. In dem Job, den er seit Oktober macht, bewegt er sich in unterschiedlichen Zeitzonen.

Das Büro von Religions for Peace befindet sich im UN-Gebäude in New York. Wenn er nicht gerade dort ist, telefoniert oder mailt er mit allen, die an der Vorbereitung der Konferenz in Lindau beteiligt sind. „Ich bin wie die Spinne im Netz“, sagt er. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Die Konferenz in der Inselhalle bleibt den gut 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie Journalisten aus aller Welt vorbehalten. Mit Wolfgang Schürer zusammen entwickelte Schneider aber auch Programmpunkte, bei denen die Bevölkerung mit einbezogen wird. Die Kirchengemeinden in Lindau laden zum Beispiel zu einer Tafel ein. „Bis vor 70 Jahren war Religion an fast allen Konflikten beteiligt, in welcher Form auch immer“, sagt Schneider.
 
Zielsetzung der Konferenz
 
Religions for Peace vermittelt seit über 50 Jahren in vielen, etwa durch Kriege verursachten Krisen. Die erste Konferenz der Weltreligionen fand im japanischen Kyoto statt. Die 1974 in Deutschland geplante Zusammenkunft wurde wegen des Attentats auf Israelis in München 1972 abgesagt. „Jetzt hat es ein ganzes Stück länger gedauert, bis die Konferenz in Deutschland angekommen ist“, sagt Ulrich Schneider. Dafür soll sie von nun an alle vier Jahre in Lindau stattfinden.

Die katholische Kirche entsendet vier bis sechs Kardinäle zu der großen Friedenskonferenz. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Kardinal Walter Kasper, der langjährige Ökumene-Beauftragte des Vatikans, dabei. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strom werden an der Eröffnungszeremonie mitwirken, ebenso wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Kardinal John Onaiyekan aus Nigeria vertritt den afrikanischen Kontinent. „Mit Gunnar Stålsett, dem Bischof von Oslo, habe ich zur Zeit täglich zu tun“, sagt Schneider.

Aus Südafrika reist Ela Gandhi, die Enkeltochter von Mahatma Gandhi an. Kezevino Aram ist Führerin eines hinduistischen Friedenszentrums in Indien. Die Japanerin Kosho Niwano ist Führerin einer neo-buddhistische Bewegung. Leiter von Religions for Peace ist seit 25 Jahren der Amerikaner William F. Vendley. Er gibt sein Amt nun weiter. Über die Nachfolge wird in Lindau entschieden. Mit dem Abschlusspapier der Konferenz werde außerdem ein neuer Aktionsplan verabschiedet, sagt Ulrich Schneider.

Der Bonfelder schafft erneut eine Plattform der Begegnung und der Vernetzung, diesmal auf interreligiöser und internationaler Ebene: „Neben der Dichte der Veranstaltungen freue ich mich vor allem darauf, wie sich Lindau verändert, wenn dort Hunderte von Menschen in ihren religiösen Gewändern durch die Straßen laufen.“
 

Info

„We are a world in pieces. We need to be a world at peace.“ Mit diesem Zitat des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres sind die Inhalte der Weltkonferenz in Lindau überschrieben. Die Themen, die dort diskutiert werden, ergeben sich fast automatisch aus den Krisen dieser Welt, aus Kriegen, Terrorismus, der Verletzung von Menschenrechten, Armut und des Klimawandels sowie aus dem schwindenden Vertrauen in politische und wirtschaftliche Institutionen. Die Konferenz in Lindau soll den Boden bereiten für interreligiöses Handeln auf internationaler Ebene, um Konflikte zu lösen, um nachhaltige Entwicklungen zu fördern und dem Klimawandel als einer der größten Fluchtursachen entgegen zu wirken. Zugleich gilt ein Augenmerk der Konferenz dem Dialog der Generationen. Unter den Delegierten gibt es eine Frauen- und eine Jugendquote. Ein hölzerner Ring of Peace wird als dauerhaftes Symbol in Lindau bleiben.

 

 


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