Ehestreit extrem: Brutale Details in der Anklageschrift

Heilbronn  Ein Ehemann sitzt auf der Anklagebank des Heilbronner Landgerichts. Der 42-Jährige soll versucht haben, seine Frau umzubringen, weil sie sich von ihm trennen wollte.

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz

Der Fall löste in der Öffentlichkeit Bestürzung aus, weil seine Brutalität an einem öffentlichen Ort in Heilbronn sichtbar wurde. Seit Freitag muss sich der mutmaßliche Täter vor dem Heilbronner Landgericht verantworten. Angeklagt ist ein 42-jähriger Türke, dem die Staatsanwalt besonders schwere Vergewaltigung und versuchten Totschlag vorwirft. Das Opfer ist seine Ehefrau.

Ehemann soll sich als Postbote ausgegeben haben, um in die Wohnung zu kommen

In der Anklageschrift sind einige grausame Details aufgelistet. So soll der Angeklagte seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau gedroht haben, ihr Leben zu zerstören, wenn sie ihn verlasse. Im Oktober 2017 habe sie sich dann tatsächlich getrennt, zog in eine eigene Wohnung. Im Februar 2018 habe der Noch-Ehemann an der Haustür geklingelt und sich als Postbote ausgegeben, um in die Wohnung zu kommen. Was gelungen sein soll, weil die Frau ein Paket erwartete. Ahnungslos habe sie die Tür geöffnet. Der Ehemann soll seiner Frau ein Teppichmesser an den Hals gehalten haben, ihr gedroht haben, dass er ihr die Augen herausschneide, heißt es in der Anklageschrift. Der 42-Jährige habe sie zum Geschlechtsverkehr aufgefordert und gesagt, er könne alles mit ihr machen, sie sei ja immer noch seine Ehefrau. Aus Angst habe sie den Geschlechtsakt erduldet. Der Ehemann habe danach noch eine Chance für die Ehe gefordert. Weil er immer noch das Messer in seiner Hand hielt, soll die Ehefrau eingewilligt haben.

Im März eskalierte die Situation abermals: Nach einem gemeinsamen Mediatorengespräch bei einem Anwalt in Heilbronn sei der Ehemann seiner Frau mit dem Auto gefolgt. An der Uhland-/Ecke Wollhausstraße soll er mit einem Werkzeug, einer 16 Zentimeter langen metallenen Anreißnadel, das Fenster der Fahrertür eingeschlagen und mit Tötungsabsicht auf Hals und Gesicht der Ehefrau eingestochen haben. Als die Frau versuchte, den Angreifer mit der Hand wegzudrücken, habe er ihr in die Hand gebissen. Dann soll er sie an den Haaren aus dem Auto gezogen und mit dem Knie mit voller Wucht gegen den Kopf geschlagen haben. Passanten sei es gelungen, den Ehemann zu überwältigen und festzuhalten, bis die Polizei kam. Das Opfer kam mit dem Leben davon, hatte Stichwunden, Prellungen, eine Bisswunde und Hämatome.

Richter Kleinschroth: "Eine gewisse Nähe zu Mord ist erkennbar."

Mittlerweile ist die Ehe rechtskräftig geschieden. "Das Verfahren hat das Potenzial für eine Schlammschlacht", sagte Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth. Er hoffe, dass es nicht dazu komme. Unklar blieb, wie sich der Angeklagte zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft stellt. Beim Prozessauftakt machte er keine Angaben zur Sache. Dass der Angeklagte bisher für die Zeit der Attacke am Auto eine Erinnerungslücke angebe, bewertete Kleinschroth nach Aktenlage so: "Ich weiß nicht, ob das so überzeugend ist."

Bei der Vergewaltigung gebe es "diametral entgegengesetzte Angaben". Dass Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, werde nicht in Abrede gestellt, so Kleinschroth: "Es geht um die Frage, ob er einvernehmlich war." Der Richter sagte, dass es nach seiner vorläufigen Einschätzung "objektiv und subjektiv" möglich sei, den versuchten Totschlag nachzuweisen. Kleinschroth wies darauf hin, "dass auch eine gewisse Nähe zu Mord erkennbar ist".

Zur Person

Der Angeklagte kam 1987 nach Deutschland. Er bezeichnet sich als nicht praktizierender Moslem kurdischer Herkunft, lebe hier eher westlich. Ist er politisch aktiv? Wo Menschen unterdrückt, nicht gut behandelt werden, setze er sich ein.