Ehemaliger Pfleger wegen sexuellen Übergriffs verurteilt

Kraichgau/Heilbronn  Der 48-Jährige soll sexuell übergriffig gegenüber einer älteren Heimbewohnerin geworden sein. Bei der Verhandlung am Amtsgericht Heilbronn nahm er seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl zurück.

Von Christine Faget

Ehemaliger Pfleger wegen sexuellen Übergriffs verurteilt

Nur eine Zeugin kam bei der Verhandlung im Amtsggericht Heilbronn zu Wort, dann nahm der Angeklagte seinen Einspruch zurück.

Foto: Archiv/Berger

"Dann hat das Verfahren jetzt ein sehr schnelles Ende gefunden", schließt Richter Michael Reißer am Donnerstag die Verhandlung am Amtsgericht Heilbronn. Der Angeklagte hatte seinen Einspruch zurückgenommen und das ursprüngliche Strafmaß - eine einjährige Bewährungsstrafe - akzeptiert. Gegen ihn war im Dezember 2018 Strafbefehl erlassen worden, weil er eine ältere Frau sexuell bedrängt haben soll.

Der 48-Jährige, der aus Afghanistan geflohen ist, war in der Weihnachtszeit 2016 als Pfleger in einem Seniorenheim im Kraichgau beschäftigt. Zu seinen Aufgaben gehörte es unter anderem, die Bewohner zu waschen. So auch das Opfer. Die Heimbewohnerin hatte einen Schlaganfall erlitten und konnte aufgrund ihrer Erkrankung selbst nicht als Zeugin zur Verhandlung erscheinen. Gegenüber der Polizei hatte sie zuvor zu Protokoll gegeben, dass der ehemalige Pfleger sich nach dem Waschen bekleidet auf sie gelegt und Geschlechtsverkehr simuliert habe. Nach rund einer Minute sei er wieder gegangen. Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, dass er einen Überraschungsmoment genutzt habe, weil sich das Opfer sich nicht mehr richtig bewegen konnte.

Richter konfrontierte Mann mit mehreren Vorwürfen

Richter Reißer betonte bei der Verhandlung, dass das Strafmaß nach unten - aber auch nach oben korrigiert werden könne. Er konfrontierte den Angeklagten mit weiteren Vorwürfen: Der Mann soll mit einer Frau in den Aufzug gestiegen sein, sie an die Wand gedrückt und nach ihrer Handynummer gefragt haben. Auch eine Putzfrau soll er belästigt haben und daraufhin von der Heimleitung entlassen worden sein. Er habe ihr helfen wollen, einen Stecker wieder in eine Steckdose zu stecken, rechtfertigte der Angeklagte sein Verhalten. Er habe ihr die Hand auf die Schulter gelegt, weil die Frau nervös gewesen sei.

Sechs Zeugen hatte das Gericht geladen. Als erste Zeugin erschien die Pflegerin der Heimbewohnerin. Sie hatte bei der Polizeivernehmung übersetzt, da die Seniorin durch ihren Schlaganfall schwer zu verstehen ist. Sie sei keine direkte Tatzeugin, betonte sie. Drei weitere Zeugen erschienen nicht, weshalb Rießer eine längere Verhandlungspause anordnete. Danach erklärte die Verteidigerin des Angeklagten, dass dieser seinen Einspruch zurücknehme. Die ursprüngliche Strafe von einem Jahr auf Bewährung beginnt ab sofort.

Welche Konsequenzen die Strafe noch haben könnte

Für den Angeklagten könnte die Strafe größere Konsequenzen haben: Der Familienvater war 2012 aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. Ihm zufolge wurde sein Asylantrag abgelehnt, woraufhin er mithilfe eines Anwalts ein Visum bekommen habe. Er zeigte dem Richter seine Duldung, auch eine Arbeitserlaubnis hat er bekommen und inzwischen einen neuen Job angenommen. Ob er nun mit einer Abschiebung zurück nach Afghanistan rechnen muss, konnte Richter Reißer nicht sagen. Das ist nun Sache der Ausländerbehörde.

 

 


Kommentar hinzufügen