Docdirekt: Online-Medizin für das ganze Land

Region/Stuttgart  Patienten aus der Region können sich ab sofort telefonisch, per Video oder App von einem Arzt beraten lassen. Die Kassenärztliche Vereinigung weitet ihr Modellprojekt Docdirekt auf ganz Baden-Württemberg aus. Der Sprecher der Heilbronner Ärzteschaft findet das noch nicht nötig.

Von Valerie Blass

Platttform Docdirekt startet im ganzen Land
Die ärztliche Beratung gibt es im Land jetzt auch per App oder Video. Foto: dpa

Über die Plattform Docdirekt oder über die docdirekt-App können rund 40 Haus- und Kinderärzte aus dem Land von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 19 Uhr bei akuten Beschwerden kontaktiert werden. Telefonisch ist eine Vermittlung über das KV-Center in Stuttgart unter der Nummer 0711/96589700 möglich.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung ist man euphorisch über den schnellen Fortschritt. Erst im April war der Modellversuch, begrenzt auf die beiden Regionen, gestartet. 70 Arztfälle monatlich habe es im August gegeben, heißt es von der Ärztevertretung, 1200 mal sei die App heruntergeladen worden. Die Rückmeldungen von Patienten und beteiligten Ärzten seien "durchweg positiv", deshalb stehe nun der nächste Schritt an.

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"Wir machen jetzt für immerhin zehn Prozent der deutschen Bevölkerung ein Angebot, das es bisher in Deutschland nicht gibt", sagte ein KV-Sprecher der Heilbronner Stimme. Dabei sei die KVBW der ideale Anbieter, denn so blieben die Patientendaten in Händen der Ärzte selbst: "Wir verfolgen kein wirtschaftliches Interesse mit Doc Direkt, deshalb sind sensible Patientendaten bei uns auch sehr sicher", so der Sprecher weiter.

Docdirekt startet in Baden-Württemberg
Patienten in Baden-Württemberg können sich mit Docdirekt künftig per Ferndiagnose vom Arzt beraten lassen. Foto: dpa

Die Landesärztekammer hatte im Sommer 2016 das sogenannte Fernbehandlungsverbot in der Berufsordnung für Ärzte gelockert und so den Weg frei gemacht für die Online-Sprechstunde − auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt zwischen Patient und Arzt.

"Wir sind begeistert von der Entwicklung", sagte ein Sprecher der Landesärztekammer unserer Redaktion. Er geht davon aus, dass sich "die ausschließliche ärztliche Fernbehandlung nun in der ganzen Bundesrepublik ausbreiten wird". Sozialminister Manne Lucha (Grüne) unterstrich "die deutschlandweite Vorreiterrolle Baden-Württembergs im Bereich der Telemedizin".

Rezepte und Krankmeldungen gibt es bisher nicht digital

Bis Patienten im Land umfassend von dem Angebot profitieren können, sind allerdings noch einige Hürden aus dem Weg zu räumen. Es ist bislang nicht möglich, sich als Patient digital ein Rezept ausstellen zu lassen, dasselbe gilt für Krankmeldungen. An beidem werde jedoch gearbeitet, hieß es von der KV.

Der Landesapothekerverband plant, im Frühjahr 2019 "mit dem E-Rezept in den Testbetrieb zu gehen", allerdings sei die Umsetzung technisch und rechtlich anspruchsvoll, deshalb sei zunächst ein Testlauf in kleinerem Rahmen geplant, so ein Sprecher. "Unser klares Ziel ist es, das möglichst zügig im ganzen Land umzusetzen."

Nicht überzeugt von dem neuen Angebot ist Martin Uellner, Sprecher der Heilbronner Kreisärzteschaft und niedergelassener Arzt in Böckingen. "Ich frage mich, ob das wirklich notwendig ist", sagte er unserer Zeitung. Für seine Patienten sei er − ob telefonisch oder in der Praxis ohne vorherige Terminvereinbarung − jederzeit ansprechbar. Uellner sieht die Notwendigkeit für ein Online-Angebot erst in einigen Jahren, "wenn es deutlich weniger Hausärzte gibt".

 


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