Dieses Elektro-Einrad sorgt für Aufsehen

Löwenstein  Martin Sammet aus Hößlinsülz ist einer der ganz wenigen Besitzer eines Onewheels. Mit dem 30 Stundenkilometer schnellen Elektro-Fahrzeug braust er durch die Region.

Von Jürgen Kümmerle
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Ein leises Surren ist zu hören, dann setzt sich das Gefährt in Bewegung. Auf den ersten Blick sieht es aus, als gleite Martin Sammet über die Straße, ähnlich, wie Michael J. Fox im Kinofilm „Zurück in Zukunft“. Fox braust darin auf seinem Hoverboard seinen Widersachern davon. Die Sequenz spielt in den 1950er-Jahren und die Menschen staunen.

An das Staunen hat sich Martin Sammet im Jahr 2017 längst gewöhnt. „Überall sprechen mich Leute an. Sie wollen wissen, was das ist, wie es funktioniert und was es kostet.“ Die Antworten schüttelt der 54-jährige Hößlinsülzer locker aus dem Ärmel. Ein Elektromotor treibt das Onewheel (übersetzt: Einrad) an. Dieser überträgt die Energie auf einen luftgefüllten Gokart-Reifen. „Es ist extrem cool und ein ganz spezielles Gefühl, vergleichbar mit Snowboarden – nur ohne Schnee.“

Gefährt wird intuitiv bewegt

Das Gefährt folgt dem natürlichen Bewegungsablauf des Menschen, sagt Sammet. „Es fährt intuitiv. Beugt man sich in Fahrtrichtung, beschleunigt es. Wenn man sich nach hinten lehnt, bremst es ab.“ Bis zu zehn Kilometer weit hält der Akku. Danach muss er für 20 Minuten ans Netz.

Die beiden hölzernen Standflächen sind in einen Alurahmen eingelegt. In ihnen ist ein Sensor verbaut, der erkennt, ob jemand draufsteht. Erst dann wird der Elektromotor aktiviert. Der sitzt im Rad und ringt dem Fahrzeug knapp 30 Stundenkilometer ab.

Trends als Lebensmotto

Der 54-Jährige lebt für Trendsportarten. Und er erkennt sie. Mit Baggy-Jeans, Kapuzenpulli und einem Cap auf dem Kopf wirkt er wesentlich jünger. Für Sammet sind Trends fast sowas wie ein Lebensmotto. Als er auf der Paddelmesse in Nürnberg vor zwei Jahren das Onewheel sieht, ist er sogleich begeistert. „Ich hab da so einen Typen damit rumfahren sehen. Der ist mit dem Ding über die Messe gefahren. Das sah cool aus.“ Er spricht ihn an und steht kurz darauf selbst auf dem Elektro-Einrad. „Das hat gleich geklappt. Es ist nicht so schwierig, das lernt man schnell.“ 

Obwohl rund 30 Stundenkilometer schnell, sei es weniger die Geschwindigkeit, die die Faszination ausmache. Das Fahren erfordert Konzentration und Aufmerksamkeit. „Am besten ist, man denkt gar nicht so sehr nach, wenn man draufsteht.“ Kinder falle das Fahren leichter. Sie hätten keine Angst und machten sich nicht so viel Gedanken. Bestes Beispiel sei sein zehnjähriger Sohn, ebenfalls begeistert von dem Gefährt.

Keine Straßenzulassung

Gedanken müssen sich die Fahrer eher um den Betrieb auf öffentlichen Straßen machen. Das Onewheel hat, wie Skateboard oder Longboard, keine Straßenzulassung und darf deshalb nur auf Privatgelände gefahren werden. Für Sammet steht fest: „Der Gesetzgeber müsste sich bewegen. Es ist ein perfektes Stadtfortbewegungsmittel und Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind die Verkehrsmittel der Zukunft.“

Wird das Onewheel der neue Trend? Sammet ist skeptisch. „Elektro-Skateboards oder Elektro-Longboards werden stärker kommen.“ Er verkauft die Bretter bereits seit zehn in seinem Landen in Hößlinsülz. Immer dem Trend voraus.

Werkstatt

1983, als Snowboarden in Deutschland nahezu unbekannt ist, gründen die beiden Ingenieure Joachim „Jogi“ März und Martin Sammet den Sportladen Pogo. Den Trend bringen sie aus den USA mit. Anfangs beschränken sie sich auf den Bau ihrer handgemachten Snowboards, die sie in einer Scheune in Hößlinsülz herstellen. Ihr Angebot haben sie im Laufe der Jahre um Stand-Up-Paddle-(SUPs), Skate- und Longboards erweitert. Nach eigenen Angaben ist das Pogo einer der größten Longboard-Internetshops in Europa. Das Onewheel Future Motion haben sie auf einer Messe entdeckt. Es wird in den USA hergestellt und kostet 1790 Euro.

 

 


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