Die verzweifelte Suche nach der Parklücke am SLK-Klinikum

Heilbronn  Die angespannte Situation vor den Toren der SLK-Kliniken sorgt nach wie vor für viel Frust bei Besuchern, Kranken und Mitarbeitern. Die Parkhaus-Neubauten sorgen zunächst für mehr Engpässe statt für eine Verbesserung.

Von Alexander Klug
Die verzweifelte Suche nach der Parklücke

Mancher stellt seinen Wagen einfach in den Acker: Nicht nur viele der 3000 Klinik-Mitarbeiter drehen ihre Runden, sondern auch Patienten und Besucher.

Foto: Manuel Maier

Die Ärztin ärgert sich darüber, dass Mitarbeiter keinen Parkplatz finden und bezahlen müssen, während sie das Neugeborene untersucht. Eine Frau aus Bretzfeld, die ihren schwer kranken Vater zur Untersuchung bringt und lange an der Schrank wartet, ist frustriert. Eine Schwangere ist über den Strafzettel erbost, weil weit und breit kein erlaubter Parkplatz in Sicht war. Einen Besucher ärgern die 35 Minuten Parkplatzsuche auf dem Weg zu seiner Tochter - sie hatte einen Autounfall.

Sowohl Klinikverwaltung als auch Stadt bemühen sich, die verfahrene Situation zu verbessern - zumal sie nach eigenen Angaben wegen der Zunahme an Patienten und Mitarbeitern mittelfristig mit einem steigenden Bedarf an Parkplätzen rechnen. So dient der Neubau des Parkhauses der Erhöhung der Kapazität: Standen vor dem Baubeginn im Frühjahr 2018 rund 1000 Stellplätze zur Verfügung, sollen es am Ende 1900 sein.

Das alte Parkhaus wird abgerissen - 400 Plätze fallen dann vorübergehend wieder weg

Das neue Parkhaus schafft zwar nach seiner Inbetriebnahme Ende März 720 Stellplätze plus 80 wieder frei werdender Parkplätze im Umfeld. Doch steht dann bereits die nächste Baustelle bevor, wie eine Kliniksprecherin mitteilt. "Nach der Eröffnung des neuen Parkhauses wird das stark sanierungsbedürftige bisherige Parkhaus zeitnah geschlossen", schreibt sie. Dadurch fallen rund 400 Stellplätze vorübergehend weg, die Kapazität reduziert sich bis Anfang 2020 auf 1400 Parkplätze.

Erst wenn das zweite Parkhaus mit 520 Stellplätzen fertig ist, stehen ab Anfang 2020 die geplanten rund 1900 Stellplätze in den Parkhäusern und auf den Parkplätzen zur Verfügung. "Weitere Parkhäuser sind aktuell nicht in Planung", ergänzt die Stadtverwaltung. In den Planungen der Parkplatzkapazität seien sowohl die steigenden Patienten- und Mitarbeiterzahlen als auch die beiden Neubauten und die Strukturveränderungen der SLK-Kliniken berücksichtigt, teilt die Klinikleitung mit.

Vor allem morgens und um die Mittagszeit gibt es kaum freie Parkplätze

Sie sieht vor allem morgens und um die Mittagszeit problematische Zeiten für die Parkplatzsuche - dann erreichten gleichzeitig Patienten und Besucher sowie ihren Dienst beginnende Mitarbeiter das Krankenhaus. Auch beim Schichtwechsel zwischen 12.30 und 13.30 Uhr werde es eng, Mitarbeiter aus zwei Schichten befänden sich dann im Klinikum.

Die Verantwortlichen versuchen, andere Verkehrsmittel schmackhaft zu machen: Mitarbeiter können für den Weg zur Arbeit Bus und Bahn günstiger nutzen als andere, zudem stehen im Gebäude Fahrradstellplätze und Fahrradboxen zur Verfügung - laut Klinikmitteilung "sehr gut frequentiert". Rabatt gibt's für die Mitarbeiter auch beim Abstellen des Autos auf Parkflächen und im Parkhaus.

Keine Sonderregelung für Mitarbeiter

Sogar gratis war das Abstellen des Wagens auf dem bisherigen Ausweichparkplatz beim Freibad Gesundbrunnen - doch damit ist bald Schluss: Künftig werden die Stadtwerke Gebühren für die Nutzung erheben. Freibadbesucher sollen davon ausgenommen sein. "Eine Sonderregelung für SLK-Mitarbeiter ist nicht vorgesehen", teilen SLK-Kliniken und Stadt unisono mit.

 


"Sie können nicht einen Bedarf ignorieren"

Parkplatzfrust beim Krankenhaus: "Sie können nicht einen Bedarf ignorieren"
Lutz Gaspers. Foto: privat

Professor Lutz Gaspers befasst sich an der Hochschule für Technik in Stuttgart unter anderem mit Verkehrssystemen, Verkehrsentwicklung und Mobilitätskonzepte. Im Interview spricht er über Parkplatzprobleme und die Erreichbarkeit von Krankenhäusern.
 

Wie groß ist das Parkplatzproblem der Krankenhäuser?

Lutz Gaspers: Bisher ist mir das Problem der Parkplatznot von Krankenhäusern nicht begegnet.
 

Patienten, Besucher und Personal des Heilbronner Krankenhauses beschäftigt es sehr. Was ist zu tun?

Gaspers: Es ist wichtig, ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten, das die Ziele der Betreiber Stadt und Landkreis definiert. Dabei muss untersucht werden, auf welchen Wegen die Menschen derzeit zum Klinikum kommen und wie sie es künftig erreichen sollen. Im urbanen Bereich wird der öffentliche Nahverkehr einen höheren Anteil haben, an einem Standort mit engen Bezügen zum ländlichen Raum spielt das Auto eine wichtigere Rolle.
 

Spielt die Konzentration auf immer weniger Kliniken dabei eine Rolle?

Gaspers: Ja. Denn je größer der Einzugsbereich einer Klinik, desto mehr Menschen wollen oder müssen sie erreichen und desto genauer muss man die Wege im Auge haben, wie das geschieht. Das gilt übrigens für Patienten wie für das Personal. Gute Mitarbeiter für ein solches Krankenhaus finden Sie nicht in einem Fünf-Kilometer-Radius.
 

Inwieweit lässt sich das steuern?

Gaspers: Sie können jedenfalls nicht einfach ein Verkehrsmittel verbieten oder einen Bedarf ignorieren. Es geht darum, die Menschen dazu zu motivieren, ihr Verhalten zu ändern. Dazu reichen bloße Parolen nicht. Man muss dafür sorgen, dass das Verkehrsmittel, das gewollt ist, das günstigste ist. Die Leute fahren zum Beispiel Bus und Bahn, wenn das am geschicktesten und günstigsten ist. Sonst nicht.

 


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