Die ersten Trauben werden schon rot

Heilbronn  Der Weinjahrgang 2018 scheint drei Wochen früher reif zu werden als im Schnitt. Verantwortlich dafür ist das sommerliche Wetter. Eine erste Herbstprognose für Menge und Qualität wagte jetzt die Genossenschaftskellerei Heilbronn.

Von Kilian Krauth

Die ersten Trauben werden schon rot

Erste Beeren werden schon rot, hier an der Tafeltraube Muskat bleu.

Foto: Krauth

 

Als ihnen der Kollege Martin Frisch gestern früh via Handy ein Foto mit den ersten rötlichen Beeren einer Muskat-bleu-Tafeltraube zuschickte, trauten die Chefs der Genossenschaftskellerei (GK) Heilbronn ihren Augen nicht. Der Jahrgang 2018 scheint drei Wochen früher reif zu werden als im Schnitt.

Mutmaßlich dürften bereits Ende August die ersten frühen Sorten wie Acolon reif sein − sofern Hitze und Wassermangel die Vegetation nicht bremsen. Wetterbedingte Schäden seien wegen des ausgesprochen guten Traubenbehangs kaum zu fürchten, auch die Kirschessigfliege sei kaum aufgetaucht, so dass ein in Menge und Qualität ausgesprochen vielversprechender Jahrgang zu erwarten sei.

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Diese erste Herbstprognose wagten gestern gegenüber der Presse Vorstandschef Justin Kircher, Kellermeister Arne Maier und Geschäftsführer Karl Seiter, ehe sie am Abend zur 45. Ordentlichen Generalversammlung schritten. Die stand vor allem im Zeichen des Jahrgangs 2017. Durch den April-Frost lag die Erntemenge der GK mit 9,7 Millionen Litern 30 Prozent unter dem Vorjahr. Während Flein und Talheim kaum über Einbußen klagten und Heilbronn 60 Prozent einbrachte, gab es im Weinsberger Tal nur 30 Prozent. Entsprechend eingebrochen ist das Traubengeld, das 2017 im Schnitt bei 10.300 Euro pro Hektar liegt, gegenüber gut 14.000 Euro in normalen Jahrgängen.

Schwer zu schaffen macht den Wengertern auch der anhaltend harte Wettbewerb. Zum einen drücken immer mehr Importeure auf den attraktiven deutschen Weinmarkt. Gleichzeitig drücke der Lebensmittelhandel die Preise. Eine 0,75-Liter-Flasche Wein koste dort im Schnitt 2,19 Euro, deutscher Wein 2,36 Euro, Württemberger 4,50 Euro. Damit spiele die Region wie Baden und Franken "in der oberen Preisliga". Der Verkauf von Heilbronner WG-Wein sank angesichts dieser Rahmenbedingungen 2017 leicht auf 8,97 Millionen Liter, die Umsatzerlöse auf 27,3 Millionen Euro.

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Die ersten Trauben werden schon rot

Durch Investitionen von insgesamt zehn Millionen Euro hat die Genossenschaftskellerei Heilbronn den Standort an der Binswanger Straße gestärkt.

Foto: Mugler

 

Nach der Fusionswelle der Vorjahre sowie entsprechenden Synergieeffekten sieht Seiter kaum noch Möglichkeiten, betriebswirtschaftliche Kosten zu senken. In Flein und Grantschen werden nach wie vor Trauben angenommen, gekeltert und verkauft, in Neckarsulm gibt es an der Kelter noch eine Verkaufsstelle. Die Ex-WG-Standorte in Lehrensteinsfeld und Unterheinriet sind oder werden mit Wohnhäusern bebaut, wie auch das 16 Ar große Grundstück an der Heilbronner Winzerstraße, auf dem sich bisher die Rebschule befand.

Die Umsiedlung der Rebschule an die Binswanger Straße markiert den vorläufigen Schlusspunkt einer ganzen Reihe von insgesamt auf zehn Millionen Euro bezifferten Investitionen, mit denen die GK ihren Hauptstandort stärken und mit allerhand touristischen Angeboten das Image aufpolieren will: vom Weingarten über einen Weinpavillon bis zu neuen Gastro- und Verkaufsräumen, wobei sich hier der Sonntagsverkauf als Renner erwiesen habe. Nicht zuletzt durch "eine wahre Explosion bei Premiumprodukten" habe man den Direktverkauf auf 16 Prozent steigern können.

Abgesehen vom WM-Public-Viewing, das nach dem Aus der deutschen Nationalkicker noch rote Zahlen schreibt, stellt die Kellerei teils mit Partnern jährlich 300 andere private und öffentliche Veranstaltungen auf die Beine bis hin zum Open-Air-Kino. Noch mehr Angebote soll es im Buga-Jahr 2019 geben. Auf dem Gartenschaugelände wird man mit der Wein-Villa neben Lehr- und Schaugärten einen Ausschank mit Seminarraum betreiben.

Bald Abschied vom Bandwurmnamen?

 

Die Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg plant, von ihrem Bandwurmnamen Abschied zu nehmen und sich ab 2019 Genossenschaftskellerei Heilbronn zu nennen – so wie es im Sprachgebrauch schon üblich sei. Die Führungsriege kündigte gegenüber der Heilbronner Stimme an, den Mitgliedern in der Generalversammlung am Abend einen entsprechenden Gedankenanstoß zu geben. Darüber abgestimmt werden soll schon am 4. September bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung.

Dass sie die notwendige Mehrheit von 75 Prozent erreichen, bezweifeln die Chefs nicht. Aus Reihen der insgesamt 1340 Mitglieder, davon keine 100 aktiven aus Weinsberg und Erlenbach, erwarte man keinen Widerstand – anders als Mitte der 1990er Jahre, als die Bürgermeister von Erlenbach und Weinsberg, Karl Alber und Jürgen Klatte, die Umfirmierung zum Politikum gemacht hatten und kippten.