Die Zeit ist reif: die Erdbeersaison hat begonnen

Region  Die Landwirte aus der Region haben ihre Verkaufsstände aufgebaut und versorgen den Markt mit Erdbeeren. Die Vorzeichen für eine zufriedenstellende Saison stehen gut. Trotzdem kämpfen manche Bauern mit erheblichen Problemen.

Von Reto Bosch

Die Zeit ist reif: Erdbeersaison hat begonnen

Von grün bis rot: Diese Pflanze liefert noch viele Wochen Erdbeeren.

 

Die Pflücker haben schon Feierabend. Es ist ja auch Sonntag. Einsam klammern sich die langen Folientunnel von Andreas Frank am Ackerboden fest. Überall blinken rote Früchte, rufen ins Land: Die Erdbeersaison hat begonnen.

Und der Landwirt aus Weinsberg-Gellmersbach sagt: "Die Pflanzen sind gut aus dem Winter gekommen." Die Vorzeichen stehen gut, dass die Produzenten aus der Region mit einer zufriedenstellenden Saison rechnen können - wenn Fröste ausbleiben.

Warme Temperaturen treiben Pflanzen an

Die Landwirte haben in der ganzen Region wieder ihre Verkaufsstände aufgebaut. Rund vier Euro müssen die Kunden derzeit für eine 500-Gramm-Schale bezahlen. "Es geht explosionsartig voran", meint Andreas Frank. Die Wärme treibt die Pflanzen an. Bereits im April frische Erdbeeren: Vor Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Aber damals gab es zum Beispiel noch keine - im Betrieb relativ teuren - Folientunnel, die die Früchte schützen und die Arbeit darin erleichtern.

Die Zeit ist reif: Erdbeersaison hat begonnen

Ándreas Frank aus Weinsberg-Gellmersbach nutzt wie viele andere Kollegen Folientunnel, um möglichst früh Erdbeeren auf den Markt bringen zu können.

Fotos: Reto Bosch

 

Den Markt früh beliefern zu können, bringt den Bauern gute Einnahmen, allerdings auch das Risiko, dass Spätfröste erheblichen Schaden anrichten. Andreas Frank öffnet seine Wetter-Apps: "Derzeit sieht es aber nicht so aus." Die Zahl der schlauchartigen Tunnel in der Region wächst. Damit allerdings auch die Menge früh verfügbarer Ware, was sich wiederum auf das Preisniveau auswirken kann. Stichwort Preisniveau: Andreas Frank erwägt, seine Erdbeer-Anbaufläche zu verkleinern und auf den Verkauf an den Großhandel weitgehend zu verzichten. Die direkte Vermarktung über eigene Stände und mehrere kleinere Geschäfte bringe fairere Erlöse.

Kleinere Früchte verursachen höheren Aufwand beim Pflücken

Marco Kemmler führt in Bad Friedrichshall einen großen Betrieb. 20 Hektar Erdbeeren, davon neun Hektar mit Folientunneln bestückt. Er berichtet davon, dass die Pflanzen zu wenig Blätter tragen. "Der Kältereiz ist diesen Winter erst sehr spät gekommen." Wenn das Verhältnis von Früchten und Blättern nicht stimmt, fehlt es den Pflanzen an Energie, die sie in die Beeren pumpen können. Folge: Später in der Saison erwartet Kemmler zwar viele, aber kleinere Früchte. "Das erhöht den Aufwand beim Pflücken." Außerdem, sagt Andreas Frank, lassen sich kleine Beeren schwieriger verkaufen - "obwohl sie aromatischer schmecken".

Alles in allem ist aber auch Marco Kemmler zufrieden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir eine durchschnittliche Saison bekommen. Die Mengen lassen sich gut absetzen." Kemmler setzt ebenfalls auf Verkaufsstände. Dafür braucht er Personal, vor allem aber auf den Feldern. 80 bis 100 Pflückerinnen arbeiten für ihn. Ein großer Verwaltungsaufwand, doch der Landwirt ist froh, über einen treuen Stamm verfügen zu können. "Zu uns kommen viele Polen schon seit Jahren." Der Früchtehof Frank in Gellmersbach sieht im Moment ebenfalls keine Probleme.

Große Personalnöte treiben Landwirt um

Ganz anders die Lage auf dem Hof von Rolf Böhringer in Langenbrettach. Er benötigt ab Mitte Mai zwar nur 15 Saisonhelfer für die Erdbeeren. Stand heute hat er aber nur sieben. "Wenn sich das nicht ändert, muss ich einen Teil meiner Erdbeeren unterpflügen", fürchtet Böhringer. Er sucht mit Hochdruck Personal, hofft darauf, dass sich Hausfrauen aus der Gegend einen Zuverdienst sichern wollen. Er führt das Problem darauf zurück, dass viele potenzielle Helfer es vorziehen, über längere Zeiträume beschäftigt zu werden, um mehr Geld zu verdienen. Das wäre bitter für den Landwirt: Da kommen die Erdbeeren gut aus dem Winter und dann ist niemand da, der sie pflücken kann.