Die Trockenheit nimmt bedrohliche Ausmaße an

Region  Nach dem Dürresommer ist auch der Herbst extrem wasserarm. Gut 300 Liter fehlen zu einem Normaljahr - das wird auch der Dezember nicht mehr aufholen. Wird 2019 ähnlich, erwartet der Kreisforstamtsleiter eine kritische Lage im Wald.

Von Carsten Friese

 

Der Wettertrend 2018 ist nicht mehr aufzuhalten. Auch der November brachte mit 15 bis 17 Millimetern Niederschlag (Liter je Quadratmeter) fast schon dürrehafte Verhältnisse in die Region und blieb extrem trocken. Das überaus trockene Sommerhalbjahr hat sich somit nahtlos fortgesetzt. In Öhringen ist der Herbst 2018 mit insgesamt 93 Litern der zweittrockenste Herbst seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947. Nur 1962 war es trockener.

"Das ist schon außergewöhnlich", stellt Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart gegenüber der Stimme fest. Wenn man die Daten über das gesamte Jahr 2018 sieht, wird die Dimension deutlich. In Obersulm-Willsbach fielen die ersten elf Monate 444 Liter Niederschlag - 765 sind es im langjährigen Mittel. In Öhringen waren es von Januar bis November 475 Liter - hier liegt der langjährige Mittelwert bei 767. Das heißt: An beiden Standorten fehlen gut 300 Liter im Vergleich zu einem Normaljahr. Und dieses Defizit wird nach Einschätzung des Wetterdienst-Experten Pfaffenzeller der Dezember nicht mehr aufholen können - trotz starker Regenfälle in den ersten Tagen.

Sonne satt im sonst trüben, regnerischen November: 151 Prozent des Üblichen waren es in Öhringen

Auch bei den Temperaturen reiht sich der November in den Jahrestrend ein: Es war deutlich zu warm. Mit Höchsttemperaturen, die mehrfach um 16 oder 17 Grad lagen, war er sehr mild. Nachtfrost gab es erst in der zweiten Monatshälfte, in Obersulm an acht Tagen, in Eppingen an vier Tagen - auch das ist deutlich weniger als im Mittel der Jahre. Die Folge: Mit einer Durchschnittstemperatur von um die sechs Grad lag der November an den Wetterstationen Eppingen, Öhringen und Obersulm um 1,7 bis 2 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Die Sonne schien zum Beispiel in Öhringen 94 Stunden - das sind rund 151 Prozent des langjährigen Mittelwerts, der zweithöchste Wert seit dem Start der Messungen im Jahr 1947.

Einen Eistag, bei dem die Temperatur den ganzen Tag unter Null bleibt, gab es im November ebenso wenig wie eine Schneedecke. Die tiefste Temperatur an den drei offiziellen Messstationen wurde im November mit minus 3,7 Grad in Obersulm erreicht.

Auch die Hauptbaumart Buche leidet unter der Dürre

Für Kreisforstamtsleiter Christian Feldmann war 2018 schon ein Extremjahr. Wenn es im nächsten Jahr ähnlich trocken sein sollte, "dann wird es absolut kritisch für unseren Wald", sagte er gestern auf Anfrage. Entscheidend sei bei den vom Borkenkäfer bedrohten Fichten aber, wann Niederschläge fallen. Ab etwa 20 Grad Lufttemperatur, meist im April oder Mai, würden die Borkenkäfer ausfliegen. Bleibt es zu dieser Zeit trocken, würde das die Bäume "zusätzlich stressen", der Anteil von Schadholz würde zunehmen.

Aber auch die Buche, mit 33 Prozent die Hauptbaumart in den rund 30 000 Hektar großen Wäldern des Landkreises Heilbronn, habe unter der Trockenheit stark gelitten. Feldmann geht davon aus, dass man im kommenden Jahr ebenfalls "Ausfälle" bei Buchen haben wird.

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