Die Grünen legen auch im Landkreis Heilbronn deutlich zu

Region  Während die Grünen im Landkreis ihr Ergebnis verdoppeln, verlieren CDU und SPD erheblich an Zustimmung. Die Wahlbeteiligung liegt deutlich höher als bei der Europawahl 2014.

Von Reto Bosch
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Wahlhelfer bei der Auszählung im Bürgerbüro Neckarsulm. Foto: Seidel

Im Landkreis gilt das Motto: Grün gewinnt. Die Partei hat zwischen Eppingen und Wüstenrot, zwischen Lauffen und Roigheim enorm zugelegt. Sie verbessert ihr Ergebnis im Vergleich zur Europawahl 2014 von 9,3 auf 18,6 Prozent. Während bei den Grünen die Sektkorken knallen, dürften CDU- und SPD-Anhänger angesichts dramatischer Verluste eher zum stillen Wasser greifen. Die CDU verliert zehn Prozentpunkte, die SPD elf. Zu den Gewinnern zählt aber auch die Demokratie: Die Wahlbeteiligung ist stark gestiegen.

Grüne holen in Neckarsulm fast 20 Prozent

Der Zuspruch für die Grünen fällt nicht nur mit Blick auf die Europawahl 2014 höher aus. Bei der - zwar nur eingeschränkt vergleichbaren - Bundestagswahl 2017 lag deren Ergebnis im Landkreis ebenfalls weit unter den jetzt erreichten 18,6 Prozent. Das Ergebnis in der Region entspricht dem bundesweiten, vermutlich auch vom Klimawandel angeheizten, Trend. Besonders gut schneiden die Grünen zum Beispiel in Bad Wimpfen, Lauffen oder Weinsberg ab. Fast 20 Prozent sind es in Neckarsulm.

 

Europawahl im Landkreis Heilbronn

30,5

18,6

14,4

12,9

7,7

2,5

Wahlbeteiligung:

64,4 %

(2014: 51,8 %)

40,2

9,3

25,6

8,3

4,3

2,9

2014

2019

CDU

Grüne

SPD

AfD

FDP

Linke

+9,3

Gewinne und Verluste

+4,6

+3,4

-0,4

-9,7

-11,2

HSt-Grafik, Quelle: Landratsamt Heilbronn

Stimmenanteil in Prozent

Europawahl im Landkreis Heilbronn

Wahlbeteiligung: 64,4 % (2014: 51,8 %)

30,5

18,6

14,4

12,9

7,7

2,5

40,2

9,3

25,6

8,3

4,3

2,9

2014

2019

CDU

Grüne

SPD

AfD

FDP

Linke

+9,3

Gewinne

und Verluste

+4,6

+3,4

-0,4

-9,7

-11,2

HSt-Grafik, Quelle: Landratsamt Heilbronn

Stimmenanteil in Prozent

Zugewinne verbuchen auch die Rechtspopulisten von der AfD. Sie steigern im Landkreis ihren Stimmenanteil von 8,3 auf rund 13 Prozent - ein Wert, der deutlich über dem Bundesergebnis der Partei liegt. Schon 2017 hatte die Partei in Möckmühl mit 21 Prozent ein extrem hohes Ergebnis geschafft. Bei der Europawahl gestern sind es noch 18 Prozent. Gerade in Möckmühl sind AfD-Kreis- und Ortsverband besonders aktiv. In Zaberfeld wählen sogar 20 Prozent der Bürger die AfD.

Liberale können zulegen

Die FDP schneidet schlechter ab als bei der Bundestagswahl 2017, aber deutlich besser als bei der letzten Europawahl. Die Liberalen verbessern ihr Ergebnis von 4,3 auf 7,7 Prozent. Eine Steigerung über dem Bundestrend. Hochburg bleibt Beilstein mit rund zehn Prozent.

Die SPD erlebt bittere Stunden. Nur noch 14,4 Prozent der Wähler geben den Genossen ihre Stimme. Die gewaltigen Verluste verteilen sich auf den gesamten Landkreis. Minus zwölf Prozentpunkte in Bad Friedrichshall, genauso hohe Einbußen in Neckarsulm, gar 14 Prozentpunkte sind es in Obersulm. In Cleebronn erreichen die Genossen nur gut neun Prozent. Auch bei der SPD passt das Landkreis-Ergebnis zum Bundestrend. Besonders ernüchternd: Die Genossen liegen noch schlechter als bei der desaströsen Bundestagswahl 2017.

Große Koalition ist der Verlierer

Mit der SPD bildet die CDU die große Koalition der Verlierer. Die Union holt gerade mal gut 30 Prozent. Das heißt: Die Verluste sind noch höher als bundesweit. In Neckarsulm verliert die CDU zehn Prozentpunkte, in Bad Rappenau neun, in Eppingen knapp zehn Prozentpunkte. Von den ehemaligen CDU-Hochburgen in Gundelsheim (minus 13 Prozentpunkte), Cleebronn (minus elf Prozentpunkte) oder Erlenbach (minus zehn Prozentpunkte) ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Dass den Menschen Europa wichtig ist, dokumentiert die deutlich höhere Wahlbeteiligung. Sie klettert im Landkreis von 51,8 auf 64,4 Prozent.

 


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