Die Glasflaschen kehren zurück

Region  Wegen der Debatte um Plastikmüll greifen wieder mehr Verbraucher zu traditionellen Sprudelkästen. Auch die Brunnenbetriebe in der Region spüren die steigende Nachfrage nach Mineralwasser in Glasflaschen.

Von Heiko Fritze

Jahrelang waren sie nur noch etwas für eher konservative Geister, für Leute, denen höhere Gewichte nichts ausmachen oder die Mineralwasser in Plastikgefäßen grundsätzlich ablehnen.

Nun erleben Glasflaschen eine Renaissance: Die Nachfrage steigt, nach den traditionellen Perlenflaschen der Vereinigung GDB ebenso wie nach der neuen, stylischen Variante. Ursache ist die Umweltdebatte: Immer mehr Käufer wollen ein Zeichen gegen Plastikmüll setzen.

PET-Einweg war lange auf dem Siegeszug

Dabei herrschte gut 20 Jahre Stillstand beim Thema Glas. Die Mineralbrunnen, in der Region ebenso wie bundesweit, investierten in PET-Abfüllanlagen. Manche setzten auf PET-Mehrweg, also Kästen mit dickeren Plastikflaschen, die mehrfach befüllt werden können.

Andere verwendeten PET-Einweg in Kästen - und in den Discountern hielten 1,5-Liter-Flaschen im Sechser-Gebinde Einzug, umhüllt von Plastikfolie, wie in Frankreich. Reine Wegwerf-Artikel zum Dumping-Preis.

Große Hersteller haben schon investiert

Vergangenes Jahr die Wende: Die ersten großen Betriebe in der Bundesrepublik kauften neue Glas-Mehrweg-Abfüllanlagen, berichtet Georg Staudt von der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB). Vor allem renommierte Marken sind darunter, etwa Adelholzener oder Gerolsteiner. Auch die Winkels-Gruppe aus Sachsenheim ist auf den Trend aufgesprungen und füllt ihre Marke Alwa nun auch in Glasflaschen ab. "Wir erkennen eine Premiumisierung", sagt Staudt. Die Abkehr vom Plastik finde vor allem bei den teureren Marken statt. "Es passt aber auch in den Zeitgeist, dass der Verbraucher PET-Einweg skeptischer betrachtet."

Das belegen auch die vorläufigen Branchendaten der Verbands Deutscher Mineralbrunnen: Demnach hat sich der Anteil des Absatzes von Mineralwasser in Glas-Mehrweg-Kästen um 1,1 Prozentpunkte erhöht, während er bei PET-Einweg um 0,8 Punkte und bei PET-Cycle um 0,2 Punkte zurückging. Nach zwei Jahrzehnten Rückgang bei Glasflaschen hat sich damit der Trend weiter gedreht, nachdem es 2017 schon eine leichte Zunahme bei Glas und Rückgänge bei Einwegverpackungen gab.

Jede dritte Abfüllung in eine Glasflasche

Diese Tendenz hält an, teilt Winkels-Sprecherin Anke Albrecht mit. "Bei unseren Premiummarken erleben Glas-Gebinde ein absolutes Revival", berichtet sie. Dies sei auch auf die neue GDB-Glasflasche zurückzuführen. "Im Bereich Preiseinstieg verliert Glas dagegen." Über alle Winkels-Produkte habe der Anteil von Mineralwasser-Abfüllungen im Glasgebinde 2018 bei 33 Prozent, heißt es weiter. Die Konsequenz: "Wir planen für Ende 2020 eine zweite Glasanlage bei der Alwa Mineralbrunnen GmbH."

Viele Verbraucher wechselten innerhalb der Marke von PET-Mehrweg auf Glas, hat man bei Winkels festgestellt. Angesichts der Diskussion zur Vermüllung der Meere mit Plastikabfällen gewinne Glas Anteile von allen anderen Verpackungsvarianten, auch aus dem Einwegbereich. Marktforschungsdaten zeigten, dass die 1,5-Liter-PET-Einwegflasche im Preiseinstiegsbereich Marktanteile verliert. "Dieser Trend wird sich im Jahr 2019 verstärken", sagt Anke Albrecht.

Teusser bestätigt den Trend

Die Glasflaschen kehren zurück

Bei Teusser in Löwenstein, größter Brunnenbetrieb im Landkreis Heilbronn, machen Glasflaschen wieder die Hälfte aller Abfüllungen der eigenen Marken aus, berichtet Geschäftsführer Matthias Kircher. Seit zwei Jahren sinke der Anteil nicht mehr, gerade im letzten Quartal 2018 habe Glas deutlich zugelegt.

"Der Trend hat sich manifestiert", sagt er. "Uns freut das. Wir kommen ja vom Glas." Eine Investition in zusätzliche Abfüllanlagen sei vorerst aber nicht geplant.

Aqua Römer will umwelbewusste Kunden ansprechen

Bei Aqua Römer in Mainhardt gibt es zwei Seiten der Medaille: Zum einen hat das Unternehmen vergangenes Jahr erst eine neue PET-Abfüllanlage in Betrieb genommen. Zum anderen hat es mit als erster die neue Glasflasche des GDB eingesetzt. Dafür gab es bereits den Mehrweg-Innovationspreis.

"Wir wollen ressourcen- sowie umweltbewusst agieren und einen qualitätsorientierten Verbraucherkreis ansprechen, der auch Wert auf Nachhaltigkeit legt", begründet dies Geschäftsführerin Nadja Ohlendorf. "Denn die Nachfrage nach Glas-Mehrweg wächst überproportional."

 
 

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