Die Gefahr fliegt nach dem Start immer mit

Region  Bei Flugunfällen verlieren die Insassen häufig ihr Leben. Auch in der Umgebung kommt es immer wieder zu Unglücksfällen, wie diese fünf Fälle aus den vergangenen Jahren zeigen.

"Am gefährlichsten sind immer Start und Landung", sagt Fluglehrer Peter Haberkern von der Öhringer Flugsportgruppe. Dabei müsse der Pilot hoch konzentriert sein. Zusammenstöße in der Luft haben ihm zufolge in der Vergangenheit abgenommen. "Seit etlichen Jahren werden Warngeräte in Flugzeuge eingebaut." Dennoch sorgen immer wieder Unfälle für Aufsehen. Ein Auszug aus dem Stimme-Archiv:

Juli 2019: Ein Kleinflugzeug zerschellt zur Haupteinkaufszeit an einem Baumarkt in Bruchsal. Die drei Flugzeuginsassen sterben. Bei dem Piloten handelt es sich vermutlich um einen 80 Jahre alten Mann. Von den mehreren Hundert Baumarktkunden wird wie durch ein Wunder keiner verletzt.

Juni 2018: Etwa 800 Meter vom Flugplatz Mosbach-Lohrbach entfernt stürzt ein Sportflugzeug in die Tiefe, nachdem es nur wenige Minuten in der Luft war. Der 38 Jahre alte Pilot stirbt. Es ist der zweite tödliche Unfall innerhalb von vier Wochen. Im Mai befindet sich ein 73-Jähriger in einem Motorsegler auf dem Anflug nach Lohrbach. Die Maschine soll bereits kurz nach dem Start vom nur wenige Kilometer entfernten Segelflugplatz Schreckhof instabil gewesen sein. Sie stürzt im freien Fall ab. Der Pilot kommt ums Leben.

Zusammenstoß Kleinflugzeug und Ultraleichtflugzeug
Das Wrack eines abgestürzten Kleinflugzeuges ist auf einem Feld in der Nähe des Schwäbisch Haller Adolf Würth Airports zu sehen. Foto: dpa

April 2018: Zwei Maschinen fliegen an einem Sonntagnachmittag den Adolf-Würth-Airport nahe Schwäbisch Hall an. Ein 76 Jahre alter Mann aus dem Kreis Heilbronn kommt in einem Ultraleichtflugzeug aus Regensburg, ein 74-jähriger Pilot in einem viersitzigen Sportflugzeug aus Stuttgart. Die Sonne steht tief. Einige Hundert Meter vor der Landebahn stoßen die Maschinen zusammen und stürzen ab. Die Männer sterben.

Januar 2018: Ein Rettungshubschrauber kollidiert in der Luft bei Philippsburg in der Nähe von Karlsruhe mit einem Kleinflugzeug.Traurige Bilanz: Vier Männer sind tot.

Dezember 2017: Der als Bäder-König bekannte Investor Josef Wund überlebt den Flugzeugabsturz bei Ravensburg am Bodensee nicht, auch der 45 Jahre alte Pilot und ein weiterer Insasse sterben. Wund errichtet zu Lebzeiten zahlreiche Thermenanlagen, darunter die Sinsheimer Badewelt.

Die jeweilige Ursache eines Unglücks untersuchen Sachverständige der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) mit Sitz in Braunschweig. Einige Wochen nach einem Unfall veröffentlicht die BFU einen Zwischenbericht. Bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, vergehen meist viele Monate.

Derartige Unfälle beschäftigen natürlich auch Flugsportler in der Region. "Wir werden über die Verbandszeitschrift informiert", sagt Fluglehrer Haberkern. Zu Beginn der Flugsaison werden die Ereignisse besprochen und aufgearbeitet. Ab 50 Jahren geht ein Pilot jedes Jahr zum Fliegerarzt, davor alle zwei Jahre. Die Untersuchungen seien umfangreich, meint Haberkern. Aber auch Gesundheit schütze nicht vor Fehlern. Im Alter lasse außerdem die Reaktionsfähigkeit nach.

 


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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