Die Brücke am Bahnhof kommt, die Neue Kranenstraße nicht

Heilbronn  Der Fuß- und Radweg über die Gleise kostet jetzt 19 Millionen Euro. Die Unterführung bei den Experimenta-Parkhäusern würde mit 44 Millionen aber zu teuer. Trotzdem soll der Verkehrsfluss funktionieren.

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Der Entwurf des ehemaligen Architekturbüros Peter, Lochner, Bogenrieder machte 2014 als "Blitz" von sich reden. Jetzt soll die Brücke in dieser Form auch umgesetzt werden.

Visualisierung: Stadt Heilbronn

Der neue Stadtteil Neckarbogen bekommt nicht die vollständige Verkehrsanbindung, wie sie zuletzt vorgesehen war. Zu teuer wäre das Gesamtpaket mit insgesamt 93 Millionen Euro geworden. Der Gemeinderat hat am Donnerstag aber mit großer Mehrheit dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt, die Brücke im Blitz-Design über die Gleise beim Bahnhof für 19 Millionen Euro Gesamtkosten in Auftrag zu geben.

Damit liegt der Preis auf den ersten Blick wieder bei jenem Betrag, der 2017 zum Aufschub des Projekts geführt hatte. Doch Baubürgermeister Wilfried Hajek korrigiert: Die 19 Millionen Euro damals seien reine Baukosten gewesen, nun liegt dieser Preis bei 15,3 Millionen. Und das ist auch die Summe, für die die Stadt aufkommen muss. Die restlichen 3,7 Millionen Euro fließen als Fördergeld vom Land.

Zum Zuge kommt jetzt eine Bietergemeinschaft MCE GmbH/Habau aus Österreich. Sie wird im kommenden Jahr ab März mit den Tiefbau- und Vorbereitungsarbeiten beginnen. Der Brückenbau erfolgt dann 2021. Die notwendigen Sperrzeiten wurden bei der Bahn bereits 2017 angemeldet und können mit diesem Zeitplan auch eingehalten werden - eine Verschiebung ist nicht möglich. "Wenn wir jetzt nicht vergeben, dann können wir die Brücke nicht bauen", erläutert Hajek. Schon im Dezember 2021 soll der Übergang mit seinen zwei großen Aufzügen, in die ein Fahrrad mit Anhänger passt, freigegeben werden.

Mit der Brücke wird es somit eine kurze Verbindung zwischen Neckarbogen und Bahnhofsvorstadt für Fußgänger und Radfahrer geben. Das dürfte auch Spaziergänger freuen, die das ehemalige Gartenschaugelände genießen wollen.

Die Brücke am Bahnhof kommt, die Neue Kranenstraße nicht

Die für Autos eigentlich vorgesehene Unterführung "Neue Kranenstraße" wird aber zu teuer. Statt mit 30 Millionen Euro müsste mit 44 Millionen gerechnet werden. Das ist das Ergebnis einer erweiterten Vorplanung. Ein weiterer Punkt: Vor 2030 hätte man kaum mit einer Fertigstellung rechnen können. Und noch einen Nachteil hätte die Unterführung Hajek zufolge gehabt: "Direkt vor der neuen Jugendherberge hätte es ein Riesenloch gegeben."

Die Vorplanung für das Mega-Projekt hat den städtischen Haushalt übrigens nicht belastet. Zur Beauftragung im Juli 2017 wurde der Gemeinderat informiert, dass die Schwarz Real Estate aus zeitlichen und finanziellen Gründen diese Planung übernimmt. Sie hatte ein Interesse an einer besseren Anbindung der Experimenta-Parkhäuser. Die neue Gesamtsumme war aber offenbar allen Beteiligten zu hoch. Das Thema ist vom Tisch, auch wenn der formale Beschluss fehlt.

Die Brücke am Bahnhof kommt, die Neue Kranenstraße nicht

Die neue Kranenstraße neben den Experimenta-Parkhäusern wird nicht unter den Gleisen durchführen.

Foto: Veigel

Festhalten will die Stadt an der Weiterführung der Paula-Fuchs-Allee in Richtung Hafenstraße. Inklusive der dafür notwendigen Unterführung liegen die Kosten für diese Maßnahme bei 30 Millionen Euro, von denen die Stadt 19 Millionen selbst tragen muss. Damit werden die Ringe über Oststraße und Allee um die Innenstadt geschlossen.

Unter dem Strich will die Stadt ohnehin vor allem den ÖPNV und den Rad- und Fußverkehr in dem neuen Stadtteil fördern. Schließlich soll hier der Modal Split, also die Nutzung der verschiedenen Verkehrsträger, von 70 Prozent Autoverkehr im Jahr 2002 auf 70 Prozent Umweltverbund bis 2030 gedreht werden. Die Brücke mit ihrem Ausblick über den Neckarbogen und die Stadt wird dabei den größten Anteil haben, ist Hajek sicher: "Ich glaube, dass es ein Erlebnis wird, über diese Brücke zu laufen."

 

Weitere Berichterstattung

Die Diskusion im Gemeinderat ab Samstag auf www.stimme.de

 

Kommentar "Weitere Optionen"

Jetzt bekommt Heilbronn am Bahnhof eine neue Visitenkarte. Lange hat es gebraucht, bis der "Blitz" über die Bahn umgesetzt wird. 2012 der erste Beschluss, 2014 der aufsehenerregende Entwurf, 2017 dann die Notbremse, weil nicht sichergestellt werden konnte, dass die Brücke auch wirklich zur Buga fertig wird.

Zwei Nachteile hat sie allerdings. Da ist zum einen, dass Radfahrer entweder sehr kräftig sein müssen, um ihr Gefährt über die steilen Schienen auf den Treppen hinauf- und hinunterzuschieben. Oder sie müssen die Aufzüge benutzen. Mehr als 180 Meter lange befahrbare Rampen waren für die Stadt keine Option. Dass sie nun fehlen, bleibt trotzdem ein dickes Minus.

Der zweite Nachteil ist, dass es von oben keinen direkten Weg auf die Bahnsteige darunter gibt. Aber: Treppen und Aufzüge sind nachrüstbar. Die Stadt hat sogar schon ausgerechnet, dass so eine Nachrüstung inklusive Aufzug 750.000 Euro pro Bahnsteig kosten würde. Da die vielen Millionen für die Unterführung nun nicht ausgegeben werden, erscheint das durchaus finanzierbar. Der Gemeinderat sollte sich damit noch einmal befassen.

Ärgerlich ist, dass die DB ihre Bahnsteige erst kürzlich so weit verkürzt hat, dass sie für den Zugang von oben wieder verlängert werden müssten - sonst würde der Aufzug im Schotter an den Gleisen enden. Die Stadt hatte damals protestiert - ohne Erfolg. Jetzt sind die Bahnsteige auch für lange ICEs zu kurz.


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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