Die Biber kommen zurück in den Landkreis

Region  Früher fast ausgerottet, heute streng geschützt: Biber besiedeln derzeit vermehrt Bäche im Stadt- und Landkreis. Für Landwirte wie Harald Gurr aus Biberach wird das mitunter zur Herausforderung.

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Holzspäne wie unter der Hobelbank: Diese Nagespuren eines Bibers fotografierte der Biberbeauftragte des Heilbronner Stadtkreises, Wolf-Dieter Riexinger, vor wenigen Tagen am Grundelbach in Biberach.

Fotos: Wolf-Dieter Riexinger

Da staunte Hans-Christoph Schiefer nicht schlecht, als er im Dezember am Eingang zum Köpfertal zwei Weiden vorfand, die offensichtlich von Bibern gefällt wurden. "Es sah wie frisch abgehauen aus", sagt der 59-jährige Heilbronner.

In der Abteilung Forst der Heilbronner Stadtverwaltung bestätigt man die Vermutung von Hans-Christoph Schiefer. "Bereits im Dezember habe ich selbst im unteren Bereich des Köpfertals Biberfraßspuren gesehen", sagt Forstamtsleiter Immanuel Schmutz. "Ich gehe davon aus, dass die auf dem Bild zu sehenden Weiden vom gleichen Tier gefällt wurden."

Biber-Experte: Der Besiedlungsdruck wird höher

Auch in den Bachläufen westlich von Heilbronn seien Biber teilweise wieder heimisch. "Ob das Köpfertal auf Dauer als Lebensraum ausreicht, wird sich noch zeigen", sagt Immanuel Schmutz. Der Biber müsse neben dem von ihm besiedelten Gewässer auf Dauer ausreichend Bäume vorfinden.

Durch das mittlerweile wieder fast flächendeckende Vorkommen des Bibers in Deutschland werde jedoch der Besiedlungsdruck auch für suboptimale Lebensräume ständig höher, erklärt der Forstwirt. Aktuell sind Wolf-Dieter Riexinger, dem "Biberbeauftragen" der Unteren Naturschutzbehörde des Heilbronner Stadtkreises, drei Biberreviere im Stadtkreis bekannt. Jenes im Köpfertal und zwei ausgerechnet in Biberach. Der Heilbronner Stadtteil trägt den Biber nicht ohne Grund im Wappen.

Jungbiber wandern die Bäche hinauf

"Wir werden die nächsten Jahre lernen, mit den Bibern zu leben", sagt Uwe Genzwürker, Kreisökologe vom Landratsamt Heilbronn. Er könne nicht genau sagen, wie viele Biber derzeit im Landkreis lebten - aber die Zahl ist ansteigend. Und auffällig sei, dass sich die Reviere weiter ausbreiteten in kleine Seitengewässer westlich des Neckars. Konkret den Böllinger Bach hinauf und weiter in den Grundelbach, sowie bei Gundelsheim/Neckarmühlbach über den Mühlbach hinauf bis hin in den Bad Rappenauer Kurpark und weiter nach Obergimpern. Die Jungbiber wanderten die Bäche entlang.

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Dieser Biber wurde 2012 von der Berufsfeuerwehr Heilbronn "aufgegriffen". Foto: Wolf-Dieter Riexinger

Während es in größeren Flüssen keine Probleme durch den Dammbau von Bibern gebe, sei das in den Bachläufen anders. Dort staut sich viel Wasser an, zum Beispiel in Eppingen-Adelshofen - wie berichtet, legte ein Biber durch seinen Dammbau einen See an. Immer wieder ergibt sich nach Angaben des Kreisökologen Uwe Genzwürker durch Biber-Staudämme in Bächen eine Problematik und Landwirte müssen auf Ackerfläche verzichten.

In Zusammenarbeit mit den Landwirten suche man in solchen Fällen eine Lösung. In Absprache mit den Naturschutzbehörden würden Dämme gelegentlich auch abgesenkt. Dabei sei entscheidend, wie der Biber reagiert. Lässt er das mit sich machen oder "repariert" er den Damm schnell? Genzwürker sagt: "Es gibt keine schnellen Lösungen. Und klar ist, dass der Biber seine Daseinsberechtigung hat."

Landwirt aus Biberach verzichtet auf Ackerfläche

Landwirt Harald Gurr aus Biberach freut sich einerseits über die Ansiedlung eines Bibers am Grundelbach. Er habe das bereits vor zwei Jahren beobachtet. Andererseits müsse er sich als Landwirt arrangieren. Die Hälfte eines 70 Ar großen Ackers werde er künftig wohl nicht mehr bewirtschaften, sagt Gurr. Damit der Biber nicht gestört wird. Damals, als Gurr erstmals Biberspuren sah, sei er sehr überrascht gewesen. Er habe "richtige Hobelspäne" an den Bäumen gefunden.


Übrigens: Bei Eppingen haben Biber einen See angelegt. Der sogenannte "Bibersee" hat inzwischen ein eigenes Ortsschild und ist nun sogar auf Google Maps zu finden. Spätestens jetzt ist der See auch überregional bekannt. 

 


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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