Deutsche Weinkönigin darf Heilbronner Weindorf nicht mehr eröffnen

Heilbronn  Die oberste Repräsentantin der deutschen Winzer soll sich auf überregionale Events konzentrieren. Die Eröffnung des Heilbronner Weindorfs ist für sie in Zukunft tabu. Wengerter kritisieren das scharf.

Von Kilian Krauth

Deutsche Weinkönigin darf nicht mehr aufs Weindorf

Als Deutsche Weinkönigin eröffnete Ministerin Julia Klöckner (re.) 1996 das Weindorf. Carolin Klöckner (li.) soll 2019 den letzten königlichen Segen geben.

Foto: dpa

 

Als der Deutsche Weinbaupräsident Klaus Schneider im Herbst bei der Prämierungsfeier in Heilbronn etwas Wasser in den Wein schüttete, kümmerte das kaum jemanden. Trotz "aller Freude über die Wahl der Schwäbin Carolin Klöckner zur Deutschen Weinkönigin" stellte der Funktionär klar: Bei regionalen Anlässen darf die oberste deutsche Rebenregentin nicht in offizieller Mission auftauchen.

Die viel gefragte Carolin Klöckner aus Vaihingen/Enz weiß den Spielraum bisher zu nutzen - und klinkt sich gerne als Privatperson in Events in ihrer Heimatregion ein.

Nur noch 2019 wird ein Auge zugedrückt

Doch nun dies: Steffen Schindler, Marketing-Chef des Deutschen Weininstituts (DWI), teilt der Heilbronn Marketing GmbH (HMG) schriftlich mit, dass das Weindorf künftig nicht mehr von Deutschen Weinköniginnen eröffnet werden darf. Die Hoheit und ihre Prinzessinnen dürften ausschließlich überregionalen Veranstaltungen die Ehre erweisen.

Bisher habe das DWI im Falle Heilbronns "ein Auge zugedrückt", was man im Jahr der Bundesgartenschau 2019 ein allerletztes Mal tun werde. Hintergrund: Seitens anderer Fest-Veranstalter habe es "immer wieder Beschwerden" gegeben, erklärt Schindler am Freitag der Stimme. Deshalb seien jetzt auch andere Festausrichter auf die Richtlinien hingewiesen worden.

HMG kritisiert die Argumentation des DWI

Als ihm der DWI-Brief am Donnerstag ins Haus schneit, setzt HMG-Chef Steffen Schoch postwendend ein Antwortschreiben auf und nennt die Argumentation des DWI dezent "nicht schlüssig", vor allem was das Kriterium des "übergebietlichen Aspekts" betreffe.

Schließlich sei das Weindorf in Württembergs ältester Weinstadt "auch bundesweit eines der bedeutendsten Events seiner Art": mit einer Viertel Million Besuchern aus aller Welt, 40 Erzeugern aus Deutschlands größter Rotweinregion, 360 Weinen, großem Speisenangebot, Musik, qualitätssichernden Weinproben und Hochschul-Begleitung bis hin zum Öko-Aspekt, den man künftig mit einem eigenen Stand zu stärken versuche.

Nicht zu vergessen: Vom Weininstitut Württemberg sei das 48. Weindorf mit der Höchstpunktzahl zertifiziert worden. Diplomatisch drückt Schoch seine Freude über das Erscheinen der Weinhoheit zum 49. Weindorf im September 2019 aus - und schaut dem Jubiläumsfest in 2020 "erwartungsvoll entgegen".

Karl Seiter redet Klartext

Weniger diplomatisch reagiert Weindorf-Sprecher Karl Seiter. Er sieht in dem DWI-Brief ein "Armutszeugnis" und ruft spontan: "Armes Deutschland! Wohin kommen wir denn, wenn Eifersüchteleien den Weg vorgeben?" Ein Fest wie das Weindorf sei nicht nur für die Region, sondern für den deutschen Wein insgesamt ein Marketingfaktor von unschätzbarem Wert.

Deutsche Weinkönigin darf nicht mehr aufs Weindorf

Fast alle Jahre wieder gaben Deutsche Weinköniginnen dem Weindorf die Ehre. Hier 2005 Petra Zimmermann mit (von links) dem damaligen OB Helmut Himmelsbach, Ministerpräsident Günther Oettinger und Regionalregentin Andrea Schoch.

Foto: Archiv/Dirks

 

Seiter nennt die Absage auch "einen Affront gegen die Weingärtner", die das DWI - und damit auch das Amt der Weinkönigin - finanzieren müssen. Als diese Pflichtabgabe vor Jahren auf der Kippe stand, habe Württemberg dem DWI ausdrücklich "die Stange gehalten. Und das ist jetzt der Dank", stellt der Chef einer der größten deutschen Genossenschaften ziemlich angesäuert fest.

Weinbaupräsident Hohl zeigt Verständnis

Württembergs Weinbaupräsident Hermann Hohl zeigt indes Verständnis für das DWI. "Der Verzicht auf die Deutsche soll die Gebietsköniginnen stärken, sonst fallen die zunehmend hinten runter - und mit ihnen das Gebiet". Ausnahmen seien gegen das Prinzip der Gleichbehandlung.

Hohl sieht die höchste Repräsentantin deutscher Weine "sinnvollerweise mehr im Ausland" und in deutschen Großstädten außerhalb der Anbaugebiete. "Das ist wohl der Witz", meint dagegen Seiter. "Dann dürfen die armen Mädchen nur noch dort hin, wo es keinen deutschen Wein gibt."


Wofür ist das DWI da?

Das Deutsche Weininstitut (DWI) mit Sitz in Bodenheim bei Mainz ist das zentrale Marketing-Instrument der deutschen Winzer. Diese finanzieren den Jahresetat von rund zehn Millionen Euro über eine Pflichtabgabe von 67 Cent/100 Liter und 67 Cent/Ar mit. Prominentestes „Marketinginstrument“ ist die Deutsche Weinkönigin. Sie soll streng genommen nur bei Veranstaltungen mit „übergebietlichem“ Charakter auftreten.

In den DWI-Richtlinien heißt es dazu: „Um den übergebietlichen Aspekt zu gewährleisten, können die Deutschen Weinhoheiten nur an Veranstaltungen mitwirken, bei denen deutsche Weine aus mindestens drei Anbaugebieten und von mindestens drei Weinerzeugern präsentiert werden.“ Weiter heißt es unter Ziffer sieben, sie dürften auch „keine Termine wahrnehmen, die üblicherweise von einer Gebietsweinkönigin besucht werden“. Ausnahmen bilden Weinfeste im Heimatort.