Der Verkauf von exotischen Tieren ist eine sensible Sache

Obersulm  Nicht nur Fische - auch Schildkröten und Schlangen wurden in Obersulm bei einer Verkaufsbörse angeboten. Nur geschützte Exoten kann man dort nicht kaufen. Denn die Behörden machen bei Haustieren fürs Terrarium einige Vorgaben.

Von Reto Bosch

Email
Sind sie nicht süß? Doch der Verkauf von exotischen Tieren wie hier bei den Obersulmer Aquarien- und Terrarienfreunden ist eine sensible Angelegenheit. Es müssen einige Regeln beachtet werden. Foto: Ralf Seidel

Kinderwagen, Strampler, Skischuhe oder Mützen: Derlei Gegenstände sind derzeit in vielen Gemeindehallen zu bekommen. In Obersulm standen dagegen Tiere zum Verkauf. Fische, Schildkröten, Schlangen. Zweimal im Jahr organisieren die Obersulmer Aquarien- und Terrarienfreunde eine Verkaufsbörse. Klar, dass dabei Tierschutzauflagen beachtet werden müssen.

Sie sehen aus wie schwimmende Mandarinenstücke, in dem Wasserbecken in der Willsbacher Hofwiesenhalle tummeln sich aber marmorierte Fadenfische, interessiert beäugt von vielen Besuchern. Nicht weit entfernt ziehen Kardinalfische oder Achtbinden-Buntbarsche ihre Bahnen. Die schwimmenden Gesellen bilden das Gros des Angebots. Dieter Gölz aus Winterbach hat dagegen Griechische Landschildkröten und Breitrandschildkröten mitgebracht. Ab 60 Euro sind die Tiere zu haben. Gleich daneben warten Schlangen auf Kundschaft. Mehrere Königspythons zum Beispiel.

Exotische Tiere können nicht so einfach verkauft werden

Der Verkauf von Tieren, von exotischen zumal, ist eine sensible Sache. "Wilde, geschützte Tiere dürfen gar nicht angeboten werden", erklärt Börsenwart Tobias Sobiella, der die Veranstaltung für den Obersulmer Verein verantwortet. "Der Anbieter hat die Tiere ständig zu beaufsichtigen", sagt Manfred Körner, Pressesprecher im Landratsamt. Laut Veterinärbehörde müssen den Behältnissen die wichtigsten Informationen zu den Tieren zu entnehmen sein: Alter, Artenschutzstatus, Herkunft, besondere Haltungsansprüche. "Der Anbieter hat den Käufer oder Tauschpartner über die Haltungs-, Fütterungs- und Pflegebedingungen aufzuklären", ergänzt Körner. "Verdeckte Kontrollen gibt es immer wieder", sagt Tobias Sobiella. Die Behördenmitarbeiter meldeten sich in der Regel aber nur, wenn ihnen Probleme aufgefallen seien.

Grundsätzlich gibt es ja immer wieder Kritik an der Haltung von Exoten. "Meine Meinung ist: In einem Terrarium haben es die Tiere besser, als in freier Wildbahn", sagt Tobias Sobiella. Sie würden bei ihnen angenehmen Bedingungen mit Nahrung versorgt. "Die Haltung muss natürlich stimmen." Das sieht Schildkröten-Mann Dieter Gölz genauso. "Ich frage bei den Interessenten nach. Zum Beispiel, ob sie einen Garten haben." Denn nur dann könnten Schildkröten sinnvoll gehalten werden.

Regeln der Veranstalter

Die Obersulmer Aquarien- und Terrarienfreunde haben für ihre Veranstaltungen im Frühjahr und Herbst eine Börsenordnung erarbeitet. Darin ist unter anderem geregelt, wie Verkaufsbehältnisse auszusehen haben und wie die Tiere zu transportieren sind.

An Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen Tiere nur dann abgegeben werden, wenn ein Erziehungsberechtigter dabei ist. "Wildfänge sind nicht zugelassen", heißt es zum Beispiel an anderer Stelle in der Börsenordnung. Und weiter: "Das Anbieten invasiver Arten ist verboten."

Giftschlangen zu züchten ist zu gefährlich

"Ich schicke Leute weg, wenn ich Zweifel habe", versichert Manuel von G-Snake. Er kommt aus Schwäbisch Hall und bietet Königspythons an. Seinen vollen Namen will er nicht auf stimme.de lesen. Seiner Ansicht nach müssten die Besitzer exotischer Tiere kontrolliert werden. "Es gibt auch da schwarze Schafe." Wichtig sei aber, dass die Behörden sachkundiges Personal einsetzen. Das sei oft nicht der Fall.

Giftschlangen züchtet G-Snake nach eigenen Angaben nicht. Das würde mich zwar interessieren. Ich habe aber viele Kunden mit Kindern, da sind mir Giftschlangen zu gefährlich." Die Königspythons erreichten eine Länge von rund 1,20 Metern. "Für gesunde Menschen stellen sie keine Gefahr da." Sehr wohl aber für Ratten. Weibchen verspeisen in 14 Tagen ein bis zwei dieser Nagetiere.

Was macht den Reiz dieses ungewöhnlichen Hobbys aus? "Ich hatte schon als Kind Schildkröten, züchte seit dem Jahr 1981", sagt Dieter Gölz. Ihn fasziniere, dass sich diese Tierart in 200 Millionen Jahren nicht verändert habe. "Man lernt immer neue Tierarten kennen", meint Tobias Sobiella. Einig sind sich die Züchter, dass sich auch zu Schlangen oder Schildkröten Beziehungen entwickeln. "Das ist allerdings eine Einbahnstraße", erklärt Dieter Gölz. Von den Tieren komme in dieser Hinsicht kaum etwas zurück.


Kommentar hinzufügen