Der Theresienturm kann wieder besichtigt werden

Heilbronn  79 Jahre nach der Erbauung wurde der Schutzbunker am Samstag offiziell eingeweiht und der Bürgerschaft übergeben. Die Bürgerstiftung Heilbronn war die treibende Kraft bei diesem Projekt und brachte 260.000 Euro an Spenden zusammen.

Von Joachim Friedl

Theresienturm kann wieder besichtigt werden

Die Macher am Zugang zum Theresienturm (von links): Johannes Straub und Daniela Branz (Hochbauamt), OB Harry Mergel, Architekt Kyrill Keller, Karl Schäuble (Bürgerstiftung), Architektin Monika Joos und Christhard Schrenk.

Foto: Mario Berger

Wer den Theresienturm in Heilbronn betritt, den gruselt es. Und jeder wird ganz still. So wie Hans Georg Mayer (81). Der Heilbronner Hotelier steht vor dem Eingang des 28 Meter hohen Betonklotzes und erinnert sich: "Meine Tante Emilie, unsere Mitarbeiterin Clara und ich gehörten zu den letzten Personen, die am 4. Dezember 1944 noch in den Schutzbunker kamen. Danach wurde der Turm verschlossen. Es war brechend voll. Die Stimmung war gespenstisch." Das elterliche Hotel Royal stand in Flammen.

Der Heilbronner Hans Hey, Ehrenvorsitzender des Sinfonie Orchesters, hat mit dem Turm "nur Kriegerisches verbunden". Er war nie, auch nicht in der Bombennacht, "in dem beklemmenden Bauwerk". Welches Leid am 4. Dezember vor 75 Jahren über Heilbronn hereinbrach, schildert eine 80-jährige Heilbronnerin: "Mein Vater und meine Großeltern sind in einem öffentlichen Luftschutzkeller in der Fleiner Straße erstickt."

Der Theresienturm zeigt: Es lohnt, sich für Frieden einzusetzen

In Anwesenheit von Freunden und Förderern der Bürgerstiftung Heilbronn, Sponsoren, Baubeauftragten und Stadträten wurde am Samstagvormittag der ehemalige Luftschutzbunker mit seinen 1,40 Meter dicken Außenwänden der Bürgerschaft offiziell übergeben. Oberbürgermeister Harry Mergel würdigte dabei das "große Engagement" der Bürgerstiftung, der es gelang, 260.000 Euro an Spenden unter anderem für den Zugang aus Cortenstahl und die Stelen, die die Geschichte des Turms erzählen, zusammenzutragen.

"Der Theresienturm ist jetzt Teil unserer Erinnerungskultur und ein Mahnmal dafür, dass es sich lohnt, sich für Frieden und Toleranz einzusetzen", sagte Mergel. Der Heilbronner Oberbürgermeister ist sich sicher, dass die Botschaft "auch die Jugend erreichen wird". Von einem "architektonisch gelungenen Zugang" sprach Karl Schäuble. Für den Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung hat das Projekt Theresienturm eine "herausragende Stellung unter den Projekten der Stiftung" und liefere den Beweis, dass Bürger und Unternehmen derartige Vorhaben unterstützten.

Das Stadtarchiv hat die Geschichte des Turms aufgearbeitet

"In diesem Turm wird die Heilbronner Geschichte des Zweiten Weltkriegs auf besondere Weise sichtbar", sagte Professor Christhard Schrenk. Der Leiter des Stadtarchivs, das die Geschichte des Turms aufgearbeitet hat, erinnerte an das Auf und Ab in den vergangenen 20 Jahren, den Bunker wieder zu öffnen und sagte: "79 Jahre nach seiner Erbauung ist der Turm wieder zugänglich. Er soll Mahnung sein, dass sich solche Ereignisse nie mehr wiederholen."


Buchungen bei der Heilbronn Marketing GmbH

Gebucht werden kann die etwa eineinhalbstündige Führung bei der Heilbronn Marketing GmbH. Eingelassen werden pro Rundgang maximal 14 Personen. Preis auf Anfrage (07131/562270). Für Schulklassen übernimmt die Bürgerstiftung Heilbronn die Kosten.


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