Der Salzabbau soll günstiger werden

Heilbronn  Die Südwestdeutschen Salzwerke wollen in den nächsten fünf Jahren bis zu 40 Stellen im Bergwerk Heilbronn einsparen. Dazu sind zwar keine Entlassungen geplant, aber verschiedene andere Maßnahmen.

Email
Der Salzabbau soll günstiger werden Der Salzabbau soll günstiger werden

Die Salzwerke wollen ihr Bergwerk unter Heilbronn zu günstigeren Kosten betreiben. Dadurch fallen auch bis zu 40 Arbeitsplätze weg. Foto: SWS

Die Südwestdeutschen Salzwerke wollen bei ihrem Bergwerksbetrieb stärker auf die Kosten achten. Daher sollen Prozesse und Abläufe über und unter Tage verbessert werden, aber auch 30 bis 40 Stellen innerhalb der nächsten fünf Jahre wegfallen. Das kündigte SWS-Vorstandsvorsitzender Ulrich Fluck im Gespräch mit unserer Zeitung an.

Stellenabbau durch Fluktuation

"Es geht nicht um radikale Maßnahmen", sagte Fluck aber. So seien keine Kündigungen geplant - vielmehr werde für den Stellenabbau die Fluktuation unter den Mitarbeitern genutzt, also Eintritte in den Ruhestand oder Arbeitsplatzwechsel. Dann solle jeweils geprüft werden, ob die Stelle wiederbesetzt werden muss. Unter dem Strich will der Vorstand jedoch nahezu jede zehnte Stelle - derzeit sind es 420 - im Bereich Steinsalz am Standort Heilbronn wegfallen lassen. Davon betroffen ist das Bergwerk mitsamt den Abteilungen Werkstatt, Aufbereitung und Verladung. Nicht betroffen sind hingegen die Verwaltung, der Entsorgungsbetrieb UEV, die Saline in Bad Reichenhall und Bad Friedrichshall sowie die Reederei Schwaben.

Auch interessant: Im Salzbergwerk Berchtesgaden hat es am Mittwochmorgen eine Explosion gegeben. Mehrere Arbeiter seien verletzt worden, teilten die Südwestdeutschen Salzwerke mit Sitz in Heilbronn als Bergwerksbetreiber mit

 

Kosten pro Tonne Salz sind gestiegen

Fluck begründet die Maßnahmen damit, dass die Kosten pro geförderte Tonne Salz in den vergangenen beiden Jahren deutlich gestiegen seien. Die guten Umsätze hätten das zuletzt jedoch kaschiert. Bei einem - aus Salzwerke-Sicht - schlechten Winter, in dem also wenig Auftausalz verkauft werde, werde sich diese Entwicklung aber deutlich auf das Ergebnis durchschlagen. Daher habe der Vorstand entschieden, die Steigerung der Ausgaben in diesem Bereich zu bremsen.

Dabei sind es weniger Tariferhöhungen, die Fluck Sorge bereiten. Sie seien zuletzt "von beiden Seiten verantwortungsvoll" vereinbart worden. Vielmehr wirkten sich hier zunehmende Regulierungen und die Energiekosten aus. Zum Beispiel müsse ein Großteil der Maschinen umgerüstet werden, weil nun strengere Stickoxid-Grenzwerte gelten. "Das löst viele Millionen Euro Ausgaben aus." Zu Buche schlagen außerdem die höheren Strompreise. In Sachen Energie plädiert Fluck für einen EU-weiten Zertifikatehandel. "Damit gleiche Regeln für alle gelten, keine Wettbewerbsverzerrung", erläutert er. "Das ist berechenbar und darauf kann man sich als Unternehmen einstellen. Und wir können dann abwägen, ob es betriebswirtschaftlich sinnvoller ist, CO2-Zertifikate zu erwerben, oder ob sich Maßnahmen rechnen, CO2 zu reduzieren."

Andernfalls stehen die Salinen wieder zur Debatte

Andernfalls hätten ausländische Mitbewerber Vorteile, warnt der Vorstand: Die Margen der Heilbronner beim Auftausalz könnten zurückgehen - und bei den beiden Salinen, die erst 2011 einem Sanierungsprogramm unterworfen waren, könnte sich wieder die Frage stellen, ob sie noch rentabel zu betreiben sind.

Neben dem Stellenabbau über Fluktuation sparen die Salzwerke aber auch auf andere Weise. Unter anderem seien Arbeitszeitmodelle umgestellt worden, erläutert Fluck. Außerdem wurde eine Vereinbarung über Arbeitszeitkonten getroffen, um Mehrarbeit und Zeiten geringerer Nachfrage auszugleichen. Und bei Neuanschaffungen sollen Maschinen gekauft werden, die einen sparsameren Verbrauch haben. Bereits umgesetzt wurde eine neue Organisation der Arbeitsabläufe in der Instandhaltung.

Erstes Ziel: Kostenanstieg stoppen

Fluck betont, dass der Vorstand lieber jetzt aktiv werde, während es dem Unternehmen noch gut geht, als später. "Wenn es gut läuft, wird man träge und lässt alles laufen - und braucht später ein hartes Sparprogramm", warnt er. "Die Pflicht ist, jetzt den Kostenanstieg zu stoppen. Die Kür ist, die Kosten zu reduzieren."


Die Südwestdeutschen Salzwerke betreiben die Bergwerke Heilbronn und Kochendorf, die Salinen in Bad Friedrichshall und Bad Reichenhall, die Besucherbergwerke Kochendorf und Berchtesgaden, die Reederei Schwaben sowie den Entsorgungsbetrieb UEV. Insgesamt werden etwa 1050 Mitarbeiter an allen Standorten, davon etwa 740 in Heilbronn-Franken, beschäftigt. Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf etwas mehr als 272 Millionen Euro, wovon der größte Teil auf den Bereich Salz (218,4 Millionen Euro) entfiel. Der Gewinn betrug 25,3 Millionen Euro. Eigentümer des Unternehmens sind zu je 49 Prozent die Stadt Heilbronn und das Land Baden-Württemberg. Die übrigen zwei Prozent der Aktien sind in Streubesitz und werden an der Börse gehandelt.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

Kommentar hinzufügen